Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Auch Wohratal soll sich nach Marburg orientieren

Bereitschaftsdienst Auch Wohratal soll sich nach Marburg orientieren

Seit Jahrzehnten wechseln sich Ärzte aus Gilserberg, Rosenthal, Gemünden (Wohra) und Wohratal beim Bereitschaftsdienst ab. Diese Regelung soll, ähnlich wie im Kreis Marburg-Biedenkopf, enden.

Voriger Artikel
17000 Euro für Amöneburgs "Mini-Dom"
Nächster Artikel
Verkehr wechselt nach Ostern die Seite

Mit deutlich formulierten Plakaten zogen am Samstag mehr als 800 Bürger durch Rosenthal, um für ihren bisherigen ärztlichen Bereitschaftsdienst zu demonstrieren. Foto: Rouven Raatz

Wohratal. Der VdK in Rosenthal hatte am vergangenen Samstag 800 Menschen auf die Beine gebracht. Sie demonstrierten dort für die Beibehaltung des bisherigen Konzepts für den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Sollten die Absichten der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Realität werden, dann müssten Patienten mit akuten Beschwerden außerhalb der üblichen Sprechzeiten bis nach Frankenberg fahren.

Offen ist, in welche Richtung sich dann künftig die Patienten aus der Gemeinde Wohratal hin orientieren sollen. Nach Frankenberg? Oder doch nach Marburg oder, so sie erhalten bleibt, nach Stadtallendorf? Wie Petra Bendrich, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, gestern auf OP-Anfrage mitteilte, sehen die Planungen vor, dass sich Wohratal zum 1. Juli zunächst in Richtung Frankenberg orientieren könnte. „Das wäre aber nur eine Übergangslösung“, betont Bendrich. Denn Wunschziel sei es, dass Wohratal in einem künftigen Bereitschaftsdienstbezirk Marburg angesiedelt werde. Wie schnell das gehe hänge davon ab, wie sich die Planungen im Kreis Marburg-Biedenkopf entwickelten, sagte Bendrich.

Für den Rosenthaler Raum sehen die Absichten der KV vor, den Bereitschaftsdienst am Frankenberger Kreiskrankenhaus anzusiedeln.

Heute Abend befasst sich auch das Wohrataler Gemeindeparlament mit dem sich anbahnenden Problem. „Uns geht es darum, dass der Status Quo in Wohratal erhalten bleibt“, betonte gestern Bürgermeister Peter Hartmann im Gespräch mit der OP. In Wohratal gibt es eine niedergelassene Ärztin, die den Bereitschaftsdienst mit den Medizinern aus den Nachbarkommunen abstimmt. Bisher sind es Wohrataler Patienten also gewöhnt, nach Gilserberg, Rosenthal oder Gemünden (Wohra) zu fahren, falls nicht gerade ihre Ärztin den Bereitschaftsdienst übernimmt.

Gemeindeparlament soll Position beziehen

In Wohratal soll das Gemeindeparlament heute Abend eine Resolution in Richtung Kassenärztliche Vereinigung auf den Weg bringen. Sorge gebe es vor allem für ältere Patienten, die dann in Zukunft deutlich weitere Wege in Kauf nehmen müssten, betont Hartmann. In Rosenthal gelang es am vergangenen Samstag, eine für die Region vergleichsweise große Protestdemonstration zu organisieren. Auch Bürger aus Wohratal befanden sich unter den Demonstranten.

Sie waren dem Aufruf des Sozialverbands VdK gefolgt. In Begleitung der Polizei, die Feuerwehr sperrte mehrere Straßen ab, marschierten sie durch die Burgwaldstadt und ließen ihrem Unmut freien Lauf: „Liegt der Notdienst erst in Scherben, kann es schnell geh’n mit dem Sterben“, stand auf einem orangen Transparent. „Ein fremder Notdienst ist nicht besser - nur teurer“, heißt es auf einem weiteren Spruchband. Schrille Töne von Trillerpfeifen mischten sich bei strahlendem Sonnenschein in den Vogelgesang. Die Demonstration verlief nach Angaben der Polizei friedlich. Und doch wurde bei der Abschlusskundgebung vor dem Rathaus deutlich, dass die Nerven blank liegen. Die Patienten der Rosenthaler Gemeinschaftspraxis wollen sich nicht an den Gedanken gewöhnen, nachts und an den Wochenenden nicht mehr die 456 anrufen zu können. Bisher könne man sich darauf verlassen, „dass man in fünf Minuten beim Arzt sein kann oder der Arzt in Minuten bei einem ist“, sagte der Rosenthaler Bürgermeister Hans Waßmuth.

Bereits seit geraumer Zeit treten die Rosenthaler für ihre Interessen ein. Eine Ausnahmegenehmigung ist seit September vergangenen Jahres ihr Ziel. Sie haben Unterschriften gesammelt, die Kommunalpolitiker setzen sich mit all ihrer Macht für die Beibehaltung der medizinischen Versorgung im Ort ein. Jetzt könnten sie zumindest moralische Unterstützung aus der Gemeinde Wohratal erhalten. In Rosenthal hat der dortige VdK-Vorsitzende bereits weitere Protestaktionen angekündigt.

Wohratals Gemeindeparlament tagt am Dienstag, 5. März, ab 20 Uhr im „Treffpunkt Halsdorf“.

von Michael Rinde

und Rouven Raatz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr