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Archäologin übernimmt Heimatkundemuseum

Nachfolge Archäologin übernimmt Heimatkundemuseum

"Dr. Alfred Schneider hat ein enormes geistiges Erbe hinterlassen", betont Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg und freut sich, eine würdige Nachfolgerin für den verstorbenen Museums-leiter gefunden zu haben.

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Antje Pöschl (Mitte) wird sich in Sachen Museum in Zukunft viel mit (von links) Dr. Astrid Wetzel, Günter Graff, Martin Kewald-Stapf (Stadtführer und ehrenamtlicher Mitarbeiter) und Michael Richter-Plettenberg austauschen.Foto: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Im Oktober tritt Antje Pöschl das Vermächtnis von Dr. Alfred Schneider an, der fast 50 Jahre lang hauptverantwortlich für „sein“ Amöneburger Museum war. Sein Sohn Ulrich war es, der die Archäologin fragte, ob sie nach dem Tod seines Vaters nicht die Leitung übernehmen wolle: „Ich sagte spontan zu“, erinnert sich die 43-Jährige und betont, dass sie sich für die Geschichte der Stadt sehr interessiere - bisher aber nicht die Möglichkeit hatte, sich für das Museum zu engagieren.

Im Jahr 1999 schloss sie ihr Studium der Vor- und Frühgeschichte in Marburg ab - mit einer Magisterarbeit über mittelalterliche Burganlagen. Danach arbeitete sie in einem Museum in Detmold, wo sie Ausstellungen konzipierte. Seit 2009 wohnt sie mit ihrem Mann Jürgen, Lehrer an der Stiftsschule und Leiter des Chores „Tafelrunde“, in Amöneburg und macht eine Ausbildung zur Musik- und Bewegungspädagogin.

„Als ich den Namen hörte, habe ich jubiliert“, kommentiert Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg. Schneider habe über viele Jahrzehnte nicht nur ein Heimat-, sondern ein Heimatkundemuseum aufgebaut, für das die Stadt hessenweit Anerkennung genieße: „Die Einrichtung hat Renommee - was man natürlich auch verlieren kann. Aber mit Antje Pöschl ist gesichert, dass das nicht passiert“, sagt er und betont, dass die Kommune als Besitzer des Museums die Erneuerung unterstützen werde: „Eine Modernisierung muss kommen. Man kann einiges optimieren.“ Dem schließt sich Günter Graff, der Vorsitzende des Heimat- und Verschönerungsvereins, der die Stadt beim Museum tatkräftig unterstützt, an.

Stück für Stück möchte die neue Leiterin Veränderungen einbringen: „Das Rad werde ich natürlich nicht neu erfinden“, gibt sie zu. Ein konkretes Konzept habe sie zwar noch nicht entwickelt - das stehe noch aus -,ein paar Ansätze aber schon gefunden.

Als oberstes Ziel gibt sie aus, die bisher geleistete Arbeit weiterzuführen und auch weitere Amöneburger Schriften herauszugeben. Ähnliches gilt für den museumspädagogischen Dienst, den sie ausbauen möchte. Vor allem im Kopf hat sie allerdings einige Umstrukturierungen: Das Foyer - der einzige Raum, in dem wirklich Platz ist - will sie umgestalten. Erster Ansatzpunkt ist, dass weniger mehr ist. Das bedeutet: Sie möchte die schriftlichen Informationen, die überall hängen, reduzieren und mehr auf die Optik setzen. Das Modell des Aussiedlerhofs sei nicht mehr zeitgemäß, und auch mit Dreifelderwirtschaft lasse sich nur schwer Begeisterung bei den Besuchern wecken. Die spannenden Exponate, die sofort auch das Interesse von Kindern weckten, befänden sich derzeit noch im Obergeschoss. Pöschl denkt entsprechend darüber nach, das Skelett des fränkischen Kriegers „Anton“ und die bei Amöneburg gefundenen Kanonenkugeln ins Erdgeschoss zu holen.

Eine Verfechterin des Umgestaltens ist Dr. Astrid Wetzel, die seit etwas über einem Jahr das ebenfalls im Gebäude angesiedelte Naturschutz-Informationszentrum leitet - das sie von Robert Cimiotti übernahm. „Es findet ein Generationenwechsel in Amöneburg statt. Entsprechend werden auch andere Schwerpunkte gesetzt“, freut sich der Bürgermeister. Wetzel habe den Kontakt zu Schulen intensiviert. Er gehe davon aus, das dies auch Pöschl mit dem Museum gelingen werde: „Bei der Stiftsschule bietet sich das eigentlich an.“ Die Jugendlichen ließen sich bestimmt für die Geschichte des Ortes, an dem sie Tag für Tag zur Schule gehen, begeistern.

Ein Ansatzpunkt sei Edutainment, wirft Pöschl ein. Über eine App ließen sich Informationen aufs Smartphone abrufen - was ein Ersatz sein könnte für das bisherige Audiosystem. Oder eine Ergänzung. Womit wieder die Kooperation mit Wetzel angesagt wäre, die derzeit eine App für Amöneburg entwickelt, mit der sich die Stadt auf eigene Faust erkunden lasse.

Bisher hat das Museum am ersten und dritten Sonntag eines Monats geöffnet. Pöschl würde gerne mindestens noch die Feiertage zu den Öffnungszeiten hinzufügen. Und der Bürgermeister fände ohnehin eine Touristen-Information in Amöneburg gut, die auch am Wochenende geöffnet hat. Was sich davon umsetzen lässt, steht natürlich noch nicht fest. Derzeit engagieren sich fünf Ehrenamtler für das Museum sowie Stadtführer Martin Kewald-Stapf.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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