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Angriff auf Asylbewerberheim

Keine Verletzten Angriff auf Asylbewerberheim

Angst und Schrecken verbreiteten unbekannte Täter am frühen Sonntagmorgen unter den rund 50 Asylbewerbern, die ein Heim im Wohrataler Ortsteil Wohra bewohnen. Die Gemeinde will nach dem Angriff Flagge zeigen gegen Ausländerfeindlichkeit und Übergriffe gegen Flüchtlingsfamilien.

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Quelle: Matthias Mayer

Wohra. Die mindestens drei Männer beschädigten zunächst mit roher Gewalt fast alle Kunststoff-Rollos der Erdgeschoss-Fenster und drangen dann in das Gebäude ein. Dort traten sie mehrere Türen ein. Zu körperlichen Angriffen auf die Bewohner kam es  nicht, wie der Marburger Polizeisprecher Martin Ahlich berichtete.

Allerdings sei eine schwangere Hausbewohnerin wegen der erlittenen Aufregung in ein Krankenhaus gebracht worden, das sie allerdings später ohne Behandlung wieder habe verlassen können. Der Notruf der Hausbewohner war um 4.35 Uhr bei der Polizei eingegangen. Die sofort eingeleitete Fahndung der Polizei nach den Tätern blieb vorerst erfolglos. „Derzeit gibt es keinerlei Hinweise und keine konkreten Anhaltspunkte zu den Hintergründen der Tat. Die Kriminalpolizei Marburg ermittelt in alle Richtungen, was die Überprüfung  einer politischen Motivation mit einschließt“, schrieb Ahlich am Sonntag in einer Mitteilung.

Die OP traf am Sonntag vor dem in einer ruhigen Anliegerstraße stehenden Haus neben der Spurensicherung der Kriminalpolizei auch Beamte des Staatsschutzes an, die im Gebäude und vor dem Haus ermittelten. Wohratals Erster Gemeinde-Beigeordneter Oliver Mohr, der fast den ganzen Tag vor dem Anwesen verbrachte, sprach gegenüber der OP von einer „schrecklichen und beschämenden Tat.“

Noch am Sonntagabend kamen Gemeindevertreter fraktionsübergreifend zusammen, um eine Resolution zu formulieren und zu verabschieden, die sich eindeutig von dem Geschehen des frühen Sonntagmorgen distanziert. „Hier wohnen liebe und nette Leute, die ihre Heimat ver­lassen mussten, weil sie dort nicht mehr in Sicherheit und Frieden leben konnten. Nun kommen sie als Flüchtlinge in unser vermeintlich sicheres Land und erleben so etwas. Das ist empörend und beklemmend zugleich“, sagte Oliver Mohr gestern der OP. Der Erste Gemeinde-Beigeordnete und stellvertretende Bürgermeister hatte praktisch den ganzen Tag vor dem Anwesen ausgeharrt, um die Heimbewohner gemeinsam mit Heinz Frank, dem noch kommissarischen Leiter der Polizeidienststelle Stadtallendorf, zu beruhigen.

Spuren zeugen vom Schrecken der Nacht

Die stehen gestern Mittag vereinzelt vor der Haustür, sprechen mit Beamten der Kripo und des Staatsschutzes, wobei ein Hausbewohner mit guten Deutschkenntnissen dolmetscht. Die Szenerie wirkt
angespannt; bei schönstem Wetter lässt sich kein Kind vor dem Haus blicken, die Kinderfahrräder lehnen in Reih und Glied an der Hauswand. Zertrümmerte Rollos und tiefe
Löcher im Putz des gepflegten Hauses zeugen von den Schrecken der Nacht.

Die Polizei hält sich zu mög­lichen Tätern und Tathintergründen bedeckt. Oliver Mohr tut das nicht. Er verortet die Täter im Kreis alkoholisierter und fehlgeleiteter Jugendlicher. Und er scheut sich auch nicht, über einen möglichen Auslöser der Tat zu sprechen. Das Heim bestehe schon seit vielen Jahren. In dieser Zeit habe es eine Problemfamilie in dem Heim gegeben, die in Wohratal Einbrüche und Diebstähle begangen habe. Mit dem Wegzug dieser Familie hätten diese Probleme schlagartig aufgehört. Möglicherweise habe diese Familie den Nährboden für die unsägliche Aktion vom Sonntag geschaffen. Ob die Täter in Wohratal zu suchen sind? Weder bestätigt Mohr dies noch schließt er es aus.

  • Die Polizei bittet um Zeugenaussagen: Wer hat gegen 4 Uhr verdächtige Fahrzeuge oder Personen in der Gemeinde Wohratal gesehen? 06421-4060.

Matthias Mayer

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Anschlag aufs Asylbewerberheim:
Die vier jungen Männer drangen in der Nacht zum Sonntag in das Asylbewerberheim in Wohra ein und zerstörten unter anderem die Rollläden.

Nach dem Anschlag auf ein Asylbewerberheim in Wohra in der Nacht zum Sonntag hat die Polizei vier Täter gefasst. Sie haben gestanden. Ihre Motive sind vielschichtig und unklar.

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