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Angeklagte bestreiten alles

Vergewaltigungsprozess Angeklagte bestreiten alles

Die 3. Strafkammer des Landgerichts Marburg hat in dem Vergewaltigungsverfahren gegen zwei mutmaßliche Täter zunächst sechs Verhandlungstage angesetzt.

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Die mutmaßliche Straftat soll sich in einem Raum in der damaligen Erstaufnahme ereignet haben.

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Was passierte genau in den Nächten vom 30. auf den 31. Mai und vom 31. Mai auf den 1. Juni 2016 in der damaligen Erstaufnahmeeinrichtung in Stadtallendorf? Diese Frage muss die 3. Strafkammer des Landgerichts Marburg in den nächsten Wochen klären. Die Anklage geht davon aus, dass zwei heute 19 und 21 Jahre alte Männer einen weiteren Asylbewerber zunächst in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai vergewaltigten.

In der darauffolgenden Nacht, so steht es im Raum, soll einer der beiden Angeklagten dem mutmaßlichen Opfer mit einer weiteren Vergewaltigung gedroht haben, sollte es nicht „still bleiben“. Deshalb ist dieser Mann auch wegen versuchter Nötigung angeklagt.

Die Drohung blieb ganz offensichtlich erfolglos. Wie Dr. Marcus Wilhelm, Sprecher des Landgerichts Marburg, auf Anfrage der OP erklärte, hat das Opfer die beiden mutmaßlichen Täter selbst angezeigt.

Öffentlich wurden die Ereignisse erst jetzt durch die Presseankündigung des Verfahrens durch das Landgericht Marburg. Dass Polizei und Staatsanwaltschaft die Medien über eine Straftat wie eine Vergewaltigung nicht informieren, ist allerdings nicht ungewöhnlich, wenn die mutmaßliche Straftat nicht „in breiter Öffentlichkeit“ stattgefunden hat und keine Zeugenaufrufe zur Ermittlung des Täters notwendig werden.

Was sich genau ereignet hat oder haben soll, wird sich im Laufe der Verhandlung zeigen. Prozessauftakt ist am 16. Januar. Wie Recherchen der OP ergaben, stammen alle drei, mutmaßliche Täter wie Opfer, aus Afghanistan. Der 19 und 21 Jahre alte Mann sind beide außerdem wegen des Vorwurfs des Diebstahls angeklagt. Wie die OP erfuhr, steht im Raum, dass beide ihrem potenziellen Opfer in jener ersten Nacht auch Geld gestohlen haben. Die beiden Angeklagten befänden sich aufgrund erlassener Haftbefehle in Untersuchungshaft, erläuterte Richter und Gerichtssprecher Dr. Wilhelm gegenüber dieser Zeitung. Bisher haben beide die Tatvorwürfe bestritten.

Erstaufnahme ist seit September geschlossen

Zum Prozessauftakt ist ein Zeuge, vermutlich das mutmaßliche Opfer, geladen. Später dürften auch Rechtsgutachten eine Rolle im Verfahren spielen.

Sollten sich die Vorwürfe der Anklage am Ende des Verfahrens vor der dritten Strafkammer bestätigen, so dürfte es sich um das wohl schwerste Verbrechen in der kurzen Geschichte der Stadtallendorfer Erstaufnahmeeinrichtung gehandelt haben. Das Regierungspräsidium Gießen hat auf eine entsprechende Anfrage der OP eine Stellungnahme zu deen Ereignissen angekündigt, allerdings benötige man für Recherchen noch etwas Zeit, erklärte ein Behördensprecher. Seit September vergangenen Jahres ist die Erstaufnahmeeinrichtung in einem Teil der Hessen-Kaserne vom Land ­„passiv gestellt“ worden, aufgrund zurückgegangener Flüchtlingszahlen. Sollte sich die Entwicklung ändern, stünde die Einrichtung sehr schnell wieder zur Verfügung. Die „Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung“, so die formale Bezeichnung, bestand insgesamt nur rund neun Monate.

Prozesstermine:

  • Nach jetzigem Stand beginnt das Verfahren vor der 3. Strafkammer am 16. Januar um 9 Uhr im Sitzungssaal 104 im Landgerichtsgebäude in Marburg. Weitere Verhandlungen sind derzeit für den 17., 19., 23., 27 und 31. Januar vorgesehen.

von Michael Rinde

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