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Aus dem Amtsgericht

Anbau für den Jahresbedarf

Das Glück war einem Rauschenberger schon bei der Erstellung der Anklageschrift hold: Der ermittelnde Staatsanwalt stufte dessen Ertrag aus einer privaten Cannabis-Plantage als „geringe Menge“ ein.
Der Anbau von für die Gewinnung von Cannabis tauglichen Hanf-Pflanzen ist weiterhin verboten. Ein Rauschenberger wurde vor seiner dritten Ernte erwischt. Themenfoto: Oliver Berg

Der Anbau von für die Gewinnung von Cannabis tauglichen Hanf-Pflanzen ist weiterhin verboten. Ein Rauschenberger wurde vor seiner dritten Ernte erwischt.

© Oliver Berg

Kirchhain. Man hätte auch zu einem anderem Ergebnis kommen können, denn wie der Angeklagte vor dem Kirchhainer Amtsgericht freimütig bekannte, war das erklärte Ziel seiner gärtnerischen Bemühungen, seinen kompletten Jahresbedarf an Marihuana abzudecken.

Allein aus dieser Absicht heraus wäre auch eine Anklage wegen unerlaubter Produktion von Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen und dem unerlaubten Anbau von Drogenpflanzen denkbar gewesen, erläuterte Richter Joachim Filmer während der Urteilsbegründung.

Wird die strafrechtliche Grenze der „nicht geringen Mengen“ überschritten, finden Strafprozesse wegen der ungleich höheren Strafandrohung vor dem Schöffengericht oder dem Landgericht statt. Die Strafandrohung liegt dann bei einer Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr pro Fall.

Langsam ans „Optimum“ herangetastet

Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, zwischen Anfang 2014 und dem 11. Mai 2015 unter einem Pflanzenzelt Hanf-Pflanzen angebaut und zweimal Marihuana geerntet zu haben. Der Angeklagte räumte den Tatvorwurf ein. Er habe über mehrere Jahre hinweg Marihuana geraucht – etwa ein bis zweimal pro Woche. Daraus sei die Idee zum Anbau der Pflanzen erwachsen.

Anfangs habe er mit den Hanf-Pflanzen experimentiert. Die Ergebnisse seien mager gewesen. Die Erträge der ersten beiden Ernten von drei und dann sechs Pflanzen gab er mit je 20 Gramm Marihuana pro Pflanze an, deren THC-Gehalt gutachterlich mit fünf Prozent festgestellt wurde.

„Dann habe ich mich herangetastet und das Optimum erreicht“, sagte er. Vom „Optimum“ sollte der Angestellte nichts mehr haben – diese Ernte kassierte die Polizei. Seitdem lebt der junge Mann nach eigenem Bekunden drogenfrei und macht eine ambulante Drogentherapie.

Richter folgt nicht dem Rechtsanwalt

Die Anklage hielt dem Angeklagten das Geständnis und die Anerkennung seines Drogenproblems zugute. Deshalb beantragte sie eine Geldstrafe für die drei Taten von zusammen 150 Tagessätzen à 45 Euro.

Rechtsanwalt Carsten Dalkowski verwies auf das inzwischen drogenfreie Leben und die stabilen Lebensverhältnisse seines Mandanten. Zudem seien die erzeugten Drogen nicht in Umlauf gekommen. Deshalb bat er für seinen nicht vorbestraften Mandanten um eine Geldstrafe, die noch unterhalb der Vorstrafengrenze von 91 Tagessätzen liegt.

Das machte Richter Joachim Filmer nicht mit und verurteilte den Angeklagten wegen des unerlaubten Herstellens von Betäubungsmitteln in zwei Fällen und des Anpflanzens von Drogenpflanzen in einem Fall zu einer Gesamtgeldstrafe in Höhe von 140 Tagessätzen à 45 Euro. „Die 140 Tagessätze sind zu Ihren Gunsten gerechnet“, sagte der Richter während der Urteilsbegründung.

Joachim Filmer verwies auf das zielgerichtete Vorgehen des Angeklagten und die auf Dauer angelegte Produktion von Marihuana. Zudem missfiel dem Richter das Bekenntnis des Angeklagten, nicht aus eigenem Antrieb, sondern erst auf Anraten seines Verteidigers eine Drogentherapie begonnen zu haben.

von Matthias Mayer


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