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Unterm Bauamt wird persisch gerappt

Nacht der Keller Unterm Bauamt wird persisch gerappt

Musik, Märchen, Kunst oder Kellerbier: Hunderte Besucher pendelten zwischen den zehn Gewölbekellern in Amöneburgs Altstadt.

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Abba-Musik für die Kapelle

Eine etwas andere Kunstausstellung erlebten die Besucher im wunderschönen Kunstkeller. Hier gab es Werke von Norbert Heiland (Amöneburg) und Renate Höhle aus Frankfurt zu sehen.

Quelle: Karin Waldhüter

Amöneburg. Magische Märchengeschichten, selbstgebrautes Landbier, persischer Rap, Rockmusik, filigrane Papierkunst, Cocktailbar, Kunstausstellung oder Popsongs aus den letzten 40 Jahren: Die Nacht der Keller zog am Samstagabend Hunderte Besucher nach Amöneburg. Auch das Wetter hielt.

Beim vorsichtigen Hinabsteigen in die Gewölbekeller gelangten die Besucher auf den steilen jahrhundertealten Stufen geradewegs in eine andere Welt - eine Welt, die Geschichte atmet: Kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges (1646) ­eroberten schwedische Truppen Amöneburg, vertrieben alle Bewohner und brandschatzten die Stadt vollständig. Kein Haus blieb verschont und Amöneburg wurde bis auf das Straßenniveau in Schutt und Asche gelegt. Nur die Keller blieben, heißt es in der Amöneburger Historie.

„Die Veranstaltung ist eine tolle Sache und mal was ganz anderes. Ich wollte schon immer mal die Gewölbekeller. Das Programm hat uns angesprochen“, erzählt Elisabeth Weitzel, aus Schröck.

Viele Besucher erschienen schon vor dem eigentlichen Start der Veranstaltung. So waren an und in den umliegenden Gastronomiebetrieben die aufgestellten Tische und Bänke gut besetzt.

„Die Leute bringen gute Stimmung mit“, erzählt Sefa Elmaci, während er an der Kasse einem Besucher das gelbe Eintrittsband um den Arm legt und den „Amöneburger Kellergeist“, den jeder Besucher als kleines Geschenk erhält, weiterreicht. „Wenn es so weitergeht, sind wir zufrieden“, erklärt der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins Günter Graff. Der Verein richtet die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Stadt zum ersten Mal aus und lässt damit einen beliebten Teil des Amöneburger Kulturspektakels aufleben. „Das Schönste ist, dass die Hauseigentümer mitmachen und ihre Keller öffnen“, betont Graff.

Indes bläst „Nachtwächter“ Martin Kewald-Stapf vor dem Franziskanerkeller in sein Horn. Dort gibt es Cocktails und Informationen zu den historischen Kellern. „Hört ihr Leut‘ und lasst euch sagen, in Amöneburg ist was los in diesen Tagen“, ruft er die Besucher herbei und hat für jeden Keller den passenden Spruch dabei.

Schöne Kunstwerkeim warmen Licht

Nebenan tauchen zarte Lichter die rauen Wände des Gewölbekellers in ein warmes Licht, und die aufgestellten Kunstwerke von Norbert Heiland und ­Renate Höhle verschmelzen ­darin zu einem faszinierenden Ganzen.

Eine ganz andere Stimmung herrscht im Keller des Bauamtes. Hier rappen vom Verein für internationale Kultur und Bildung Parsa, Pujan, Hossein und Sharam was das Zeug hält in persischer Sprache. Alle Stühle sind besetzt, und die Besucher lauschen, bis der letzte Ton verklungen ist, klatschen kräftig und machen erst dann für die nächsten Besucher Platz. Mehr Musik gibt es im Klangkeller der Jungmusiker mit Schülerbands der Musikschule Misar und im Rockkeller mit DJ Gunthard Michel. Tom&Simon sind nicht nur Vater und Sohn und aus Bottrop angereist, sondern verstehen es auch, das Publikum mit Oldies zu begeistern.

Nicht nur eng geht es beim Hinabsteigen in Lotzes alten Bierkeller zu. Hier herrscht Hochbetrieb, und Jochen Opitz zeigt sich als perfekter Gastgeber, beeindruckt mit seinem Wissen um die Braukunst und schenkt sein Kellerbier aus.

Faltwerke zeigenden Hof, wie er früher war

Auf dem „Amanahof“ sehen­ die Besucher eine Ausstellung der Marburger Architektin Christine Jantzen. Ihre dreidimensionalen, „Faltwerke“ darunter auch einige illuminierte Objekte, erinnern an die ­Vergangenheit des ehemaligen landwirtschaftlichen Betriebes, als noch Hühner und Schweine den Hof bevölkerten.

Besinnlich und spannend geht es im Museum zu: Märchenerzählerin Karin Kirchhain­ ­fesselte hier mit ihren Geschichten nicht nur die jungen Besucher, und im Burgkeller der Schlossruine zeigte der Heimat- und Verkehrsverein eine seiner Wechselausstellungen. „Schön, dass die Veranstaltung weiterläuft und sie der Heimat- und Verkehrsvereins übernommen hat. Der Ort hat Stärken und die muss man zeigen“, so Bürgermeister ­Michael Plettenberg.

Rege genutzt wurde der Shuttle-Service, der die Besucher von den Parkplätzen auf den Marktplatz brachte. Dort sorgte das Rock-Pop-Oldie-Quintett „Finally Back“ für Stimmung und versammelte eine Fangemeinde um sich.

von Karin Waldhüter

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