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Busse nehmen jetzt eine Umleitung

Ohmbrücke Busse nehmen jetzt eine Umleitung

Schon 2012 war die Tatsache, dass Busse über die Ohmbrücke neben der Brücker Mühle fahren durften, ein Aufreger in Amöneburg. Damals hatte der Kreis keinen Handlungsbedarf gesehen.

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Für die Ohmbrücke an der Brücker Mühle gilt nun eine Gewichtsbeschränkung

Quelle: Tobias Hirsch

Amöneburg. Ein Sperrschild an der Zufahrt zur Brücke kündet vom Umdenken des Kreises: Ab sofort ist die Fahrt über die Ohmbrücke für alle Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht ab 2,8 Tonnen gesperrt – damit auch für Busse.

Den Grund erläuterte die Presse des Landkreises auf Nachfrage dieser Zeitung. Die Fahrbahn habe sich aufgrund der Verkehrsbelastung verformt, die Entwässerung funktioniere nicht mehr ordentlich. Das hatte bereits Folgen, wie der Landkreis als Eigentümer der Brücke berichtet. Fugen der Mauerwerksbrüstung seien ausgebrochen, Steine hätten sich bereits verschoben.

Und das wiederum hat dazu geführt, dass die Brüstung dem Anprall eines schweren Fahrzeuges wohl nicht mehr standhielte. Dies teilte Kreissprecher Stephan Schienbein mit. Darum also die Sperrung. Schienbein betont allerdings, dass die Standsicherheit der Brücke nicht gefährdet sei. Der Kreis hatte das historische Bauwerk im Jahr 1984 aufwendig sanieren lassen.

Verkehrszählung im Vorfeld

Dennoch scheint jetzt genau das eingetreten zu sein, wovor schon im Jahr 2012 massiv gewarnt wurde, seinerzeit berichtete die OP ausführlich über die Bedenken eines Amöneburger Ingenieurs gegen den Schwerlastverkehr auf der Brücke. Auch von der Stadt Amöneburg und aus dem Stadtparlament hatte es immer wieder Anfragen an den Kreis wegen der Situation der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Brücke gegeben, bis dato umsonst. Im Jahr 2013 wurde die Brücke zumindest für den Schwerverkehr ab 3,5 Tonnen Gesamtgewicht gesperrt, mit einer Ausnahme für Busse und den landwirtschaftlichen Verkehr.

Der Landkreis lässt seine Brücken-Bauwerke laut früherer Angaben der Behörde in einem Turnus von sechs Jahren einer Hauptprüfung unterziehen, alle drei Jahre erfolgt eine einfache Prüfung.

Die Zufahrt nach Amöneburg erfolgt für den Schwerlastverkehr nunmehr über die von Schweinsberg aus kommend nächste Einmündung der Kreisstraße 29, wie der Kreis berichtet. Im Vorfeld habe es eine Verkehrszählung gegeben, um zu ermitteln, wie viele schwerere Fahrzeuge von einer Sperrung betroffen sind. Ihr Anteil sei relativ gering, der Umweg von 800 Metern zumutbar, heißt es dazu aus der Kreisverwaltung in Marburg. Seinerzeit hatte es gegen diese Umleitung noch Bedenken gegeben, weil an dieser Einmündung eine Linksabbiegespur fehlt.

"Man muss die Brücke ja nicht kaputtfahren"

Sperrung und Umleitung hat der Kreis mit dem Regionalen Nahverkehrsverband und der Stadt Amöneburg abgestimmt. Im nächsten Jahr will der Kreis nun die Brüstung sanieren lassen. Sollte es während dieser Zeit keine Probleme mit der Umleitungsstrecke geben, so will der Landkreis die jetzige Sperrung wohl auf Dauer beibehalten. Umfang und Beginn der Sanierung lassen sich derzeit noch nicht abschätzen, erklärt Schienbein. Die Sanierungsarbeiten müssen ohnehin zunächst mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt werden.

Bei Amöneburgs Bürgermeister Michael Plettenberg löst der Umstand, dass der Kreis die Sperrung für den Schwerverkehr vorgenommen hat, einige Freude aus. Die Stadt habe dies mit Rücksicht auf das Bauwerk immer wieder gefordert. Es sei ein „erfreuliches Einsehen“ beim Landkreis eingetreten, erklärte Plettenberg am Freitag gegenüber der OP. „Man muss die Brücke ja nicht unbedingt kaputtfahren, wenn es vermeidbar ist“, merkt er an. Schließlich gehe es auch in diesem Fall um den Umgang mit Kreisgeldern, also Steuermitteln.

Plettenberg denkt in Sachen Ohmbrücke bereits einen Schritt weiter. Perspektivisch muss es aus seiner Sicht nunmehr darum gehen, die Ohmbrücke ganz für den Kraftfahrzeugverkehr zu sperren. Die Brücke sei auch eine wichtige Verbindung zum Radweg 6. Radfahrer könnten sie dann ungefährdet weiternutzen.

von Michael Rinde

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