Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Geständnis führt zu schnellem Urteil

Onlinehandel Geständnis führt zu schnellem Urteil

Ein heute 21-Jähriger aus Amöneburg bestellte Smartphones, Kleidung und Kosmetikartikel im Internet – allerdings ohne zu bezahlen. Die Konsequenz: ein Jahr Jugendstrafe auf Bewährung.

Voriger Artikel
Grünes Licht für das Backhaus 2.0
Nächster Artikel
Neues Konzept zieht die Besucher an

Ein Zusteller bringt bestellte Waren. Vor dem Jugendschöffengericht musste sich ein 21-Jähriger verantworten, der Waren online bestellte, aber nicht bezahlte.

Quelle: Malte Christians

Amöneburg. Es hätte eine sehr mühselige Verhandlung werden können. Das zumindest hatte die lange Anklageschrift vermuten lassen. Der Vorwurf darin lautete, der Angeklagte habe sich – gemeinsam mit seinem Bruder – im Zeitraum zwischen Juli und September 2016 verschiedene Waren im Internet-Handel bestellt, allerdings ohne sie danach zu bezahlen. Es ging dabei um insgesamt 44 Fälle, unter anderem um Kleidung, Elektro-, Kosmetik- und Sexartikel.

Jeden Fall führte Staatsanwalt Christian Laubach in der Anklage einzeln auf. Die Waren hatten jeweils einen Wert von bis zu mehreren Hundert Euro. „Es geht hier nicht um Pillepalle. Das ist eine erhebliche kriminelle Energie“, so Laubach.

44 Handlungen vor Gericht

Ausreißer nach oben war die Bestellung von sieben Smartphones auf einen Schlag. Wert: rund 4500 Euro. Diese Bestellung wurde allerdings – genau wie zwölf andere – nicht ausgeliefert. Laut Anklage wollte der 21-Jährige die Waren zum Teil behalten, zum Teil selbst verkaufen.

„Die erhobenen Vorwürfe sind zutreffend. Mein Mandant räumt die Taten ein“, ließ der Angeklagte, der zuvor drei Monate lang in U-Haft gesessen hatte, über seinen Verteidiger erklären. Zu den genaueren Hintergründen wollte er zwar keine Angaben machen, das Geständnis genügte aber, um die Verhandlung erheblich zu beschleunigen. „Ansonsten hätten wir alle 44 Handlungen einzeln auf Bestellvorgang und Auslieferung untersuchen müssen. Das nachzuweisen, wäre extrem schwierig geworden“, sagte Dirk-Uwe Schauß, Vorsitzender Richter des Jugendschöffengerichts Marburg.

Das Gericht verurteilte den 21-Jährigen wegen gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betrugs in 28 Fällen, versuchten gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betruges in elf Fällen, gemeinschaftlichen Betruges in drei Fällen sowie versuchten gemeinschaftlichen Betruges in zwei Fällen zu einer Jugendstrafe von einem Jahr auf Bewährung.

Gewerbsmäßiger Betrug

Unter anderem die Bestellung von sieben Smartphones auf einmal wertete Schauß als „deutliches Indiz, dass eine Weiterveräußerung geplant gewesen sein muss“ – daher die Verurteilung wegen gewerbsmäßigen Betruges. In den Fällen, die nicht wegen gewerbsmäßigen Handelns abgeurteilt wurden, handelte es sich um einen geringen Bestellwert unter 25 Euro. Und dort, wo es beim Versuch blieb, wurden oder konnten die Artikel nicht an den Mann ausgeliefert werden – beispielsweise weil er zum Zeitpunkt der Lieferung nicht zu Hause war.

Unter dem Strich erhielt der Angeklagte Waren im Wert von knapp 5500 Euro.

Das Gericht ordnete die Schadenswiedergutmachung an. Das heißt, der 21-Jährige muss das Geld an die Staatskasse zurückzahlen. Von dort wird es an die Geschädigten, also die betroffenen Internet-Händler, verteilt. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

von Yanik Schick

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr