Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
"Es muss auch Ausnahmen geben"

Goldener Stern "Es muss auch Ausnahmen geben"

18 Jahre liegt die Sanierung des "Goldenen Sterns" zurück. Doch was passiert mit dem städtischen Gebäude, wenn die dort ansässige Tagespflegeeinrichtung auszieht? Und was ist mit erhaltenen Fördermitteln?

Voriger Artikel
Es „knistert“ im Pumpenraum
Nächster Artikel
Die Wesen des blauen Planeten

131 000 Euro an Fördergeldern müsste die Stadt zurückzahlen, wenn die Tagespflegeeinrichtung Aura den „Goldenen Stern“ Ende 2018 verlässt. Dies wollen die Amöneburger mit einem Nachnutzungskonzept verhindern.

Quelle: Florian Lerchbacher

Roßdorf. Als der „Goldene Stern“ vor rund zwei Jahrzehnten saniert wurde, flossen zum Beispiel über die Dorferneuerung erhebliche Subventionen von dritter Seite. „Im Falle einer vorzeitigen Vertragsauflösung steht neben einem eventuellen Mietausfall auch die Rückzahlung von öffentlichen Zuschüssen im Raum“, stellte Stefan Lauer (FWG) in einer Anfrage heraus und forderte den Magistrat auf, die Überlegungen zu einer möglichen Nachnutzung voranzutreiben. Die bisher dort ansässige Tagespflegeeinrichtung Aura plant schließlich einen Neubau an der Falkenstraße in Mardorf und den Umzug dorthin.

Dies ist allerdings maßgeblich davon abhängig, wie sich verschiedene Behörden äußern - Hintergrund ist, dass es in Verbindung zu Fördermitteln eine Zweckbindungsfrist gibt. Jene zu den Geldern aus der Dorferneuerung ist abgelaufen, da sie auf zwölf Jahre beschränkt gewesen war. Bei der Förderung des Bundes und der des Sozialministeriums ist das anders, wie Bürgermeister Michael Plettenberg berichtet. Sollte die Aura zum Ende des Jahres 2018 den „Goldenen Stern“ verlassen, würde eine Rückforderung in Höhe von 131000 Euro im Raum stehen - davon entfallen 91000 Euro auf den Bund und 40000 Euro auf das Land. Die Stadt strebt aber natürlich an, eine solche Rückforderung zu verhindern, hat aber auch eine Alternativlösung parat: Sollte sie das Geld zurückzahlen müssen, könnte sie die bisherigen Aura-Räume frei vermieten - ganz so, wie sie die anderen fünf Wohnungen in dem Gebäudekomplex vermietet.

Viel lieber wäre es Plettenberg allerdings, wenn die bis zum März 2024 laufende Zweckbindungsfrist gestrichen wird. „25 Jahre ist gerade bei einer Tagespflegeeinrichtung eine viel zu lange Zeitspanne“, kritisiert er und verweist darauf, dass es die Gelder einst für ein Modellprojekt gab. Und ein solches müsse eben auch die Möglichkeit haben, sich zu entwickeln und zu verändern. Eben so, wie es die Aura derzeit will.

Stadt denkt über eine Begegnungsstätte nach

Aus diesem Grund denken Stadt, Aura und die Katholische Kirchengemeinde Roßdorf derzeit über eine Seniorenbegegnungsstätte nach, die vier oder fünf Mal die Woche ein Angebot für Senioren unterbreiten könnte. Das Hessische Sozialministerium sei von diesem Nachnutzungskonzept angetan gewesen, erklärt Plettenberg. Seine Hoffnung, dass dessen Mitarbeiter sich mit den Kollegen vom Bund in Verbindung setzen und für das Konzept werben, ging allerdings in Erfüllung. Entsprechend spricht er morgen höchstpersönlich in Bonn beim Bundesgesundheitsministerium vor.

Von jenem Gespräch hängt letztendlich alles ab. „Ohne Freigabe geht da nichts“, betont Plettenberg und ergänzt, dass die angedachte Nachnutzung „seniorenpolitisch sinnvoll“ sei. Es dürfe also nicht sein, dass die Weiterentwicklung der Aura aber auch der seniorenfreundlichen Stadt Amöneburg an „formalen, wirtschaftlichen Gründen scheitert“: „Es muss auch Ausnahmen geben“, kommentiert er die Zweckbindungsfrist.

Dieser Problematik ist sich auch Hans Loock, der Geschäftsführer der Aura, bewusst. Entsprechend hat er massiv an dem Nachnutzungskonzept mitgewirkt und es vorangetrieben: „Unser Neubau in Roßdorf ist davon abhängig, ob es grünes Licht vom Bund gibt oder nicht.“

Tagespflegeeinrichtung hat Mietvertrag bis Ende 2022

Bisher sei der „Goldene Stern“ trotz seines Grundrisses gut geeignet gewesen für eine Tagespflegeeinrichtung: „Wir haben das Beste rausgeholt - aber die Zeiten ändern sich und in sieben oder acht Jahren sind die Räume nicht mehr zeitgemäß“, sagt er und erläutert: „Menschen sind beispielsweise mehr gereist, besaßen Eigenheime und sind anderes gewöhnt. Da können wir mit dunklen Räumen und einem Trachtenzimmer im Vergleich mit anderen Einrichtungen nicht mehr punkten. Wir brauchen ein Gebäude, das etwas moderner ist, um eine qualitative, hochwertige Tagespflege gewährleisten zu können.“

Noch dazu gebe es einen Investitionsstau im „Goldenen Stern“. Sämtliche Verträge seien vorbereitet - aber es hängt eben vom Erfolg des Gesprächs am Mittwoch ab, ob die Aura aus dem noch bis Ende 2022 laufenden Mietvertrag herauskommt oder nicht. „Es muss funktionieren“, gibt Plettenberg als Ziel aus und verweist darauf, dass die Stadt mit dem „Goldenen Stern“ seit dem Jahr 2001 insgesamt einen Überschuss von fast 400000 Euro erwirtschaftet hat.

Sie könne aus finanzieller Sicht auf die rund 25 000 Euro an Mieteinnahmen verzichten - natürlich unter der Prämisse, dass es durch eine Begegnungsstätte ein neues Angebot für Senioren gibt und ein Mehrwert für das soziale Leben im Ort entsteht: „Man darf dies nicht nur unter fiskalischen Aspekten sehen: Es geht hier um einen allgemeinen, öffentlichen Anlaufpunkt in der Mitte des Ortes.“

Entsprechend lohne sich auch der Aufwand, den die Amöneburger derzeit betreiben: „Es ist hochkompliziert und langwierig.“

von Florian Lerchbacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr