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„Es gibt weitaus bessere Angebote“

Windsparbrief in Amöneburg „Es gibt weitaus bessere Angebote“

Wenn die Amöneburger Stadtverordnetenversammlung in Erfurtshausen tagt, dann kommt das Thema Windkraft fast zwangsläufig auf den Tisch. Am Montagabend geschah dies gleich zweimal.

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Blick in die Generatorengondel eines großen Windrads.  Nicht überall sind die Windrad-Riesen in der Nachbarschaft willkommen. Inzwischen wird fast jedes neue Projekt von Bürgerinitiativen kritisch begleitet.

Quelle: Matthias Mayer

Erfurtshausen. Entsprechend groß war der Andrang im Bürgerhaus. Bis unmittelbar vor Sitzungsbeginn wurden noch Stühle in den Saal getragen, damit alle Besucher unterkamen. Die beiden Windkraft-Tagesordnungspunkte haben eine gemeinsame Klammer: Die Anlieger von Windparks haben die Lasten der Windenergie zu tragen. Den Profit haben Projektierer und Investoren, die fernab der Standorte beheimatet sind.

Die Stadtverordnetenversammlung hatte den Magistrat am 6. Februar damit beauftragt, daran in Verhandlungen mit dem Projektierer Juwi etwas zu verändern, zu sondieren, ob und wie Bürger über Kapitalbeteiligungen an den Erträgen der beiden neuen Windkraftanlagen im Roßdorfer Wald Nutzen ziehen können. Das Ergebnis liegt vor. Die Volksbank Mittelhessen hat einen Windsparbrief aufgelegt, den Bürger aus Rauischholzhausen, Wittelsberg, Dreihausen, Roßberg, Amöneburg, Roßdorf, Mardorf, Erfurtshausen, Rüdigheim, Honigen, Haarhausen und Deckenbach bis zum 8. September zeichnen können.

Erwartungen nicht erfüllt

Es sind Anlagen zwischen 1.000 und 5.000 Euro möglich. Das Volumen beträgt eine Million Euro – das entspricht etwa einem Fünftel des Herstellungspreises eines der Windräder. Über die Laufzeit von drei Jahren gibt es eine jährliche Verzinsung von 1,7 Prozent. Im Juli lag die Inflationsrate in Deutschland bei 1,7 Prozent. „Weitergehende Beteiligungsmöglichkeiten am Windpark Roßdorf II sind leider nicht möglich“, heißt es in der Mitteilung von Bürgermeister Michael Plettenberg.

Der FWG-Fraktionsvorsitzende Stefan Lauer zeigte sich enttäuscht. „Das Verhandlungsergebnis ist für uns nicht akzeptabel. Es gibt weitaus bessere Angebote“, sagte er und verwies auf ein Windpark-Projekt in Norddeutschland, für das Bürgeranteile über zehn Jahre fest mit 6,25 Prozent verzinst würden. Inzwischen sei das Angebot 27-fach überzeichnet. „Das vorliegende Angebot erfüllt die Erwartungen keineswegs“, stellte der Parlamentarier fest.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Rauschenberg. Die Stadt hat die Branchengrößen wegen mangelnder Bürgerbeteiligung allesamt abblitzen lassen und sich mit Blick auf die Wertschöpfung für den Raum Rauschenberg schließlich für das Münchhäuser Unternehmen Krug Energie entschieden. Der Mittelständler hat im Rauschenberger Stadtwald fünf Windräder gebaut, von denen er eins zum Einstandspreis an die Bürgerschaft abgibt.

Reines Wohngebiet gegen Windräder

Einen weiteren Windpark auf der Mardorfer Kuppe zu vermeiden, oder diesen zumindest räumlich zu begrenzen, ist das erklärte Ziel vieler Erfurtshäuser. Der Ortsbeirat sieht in der Einrichtung eines reinen Wohngebiets in Erfurtshausen einen möglichen Hebel, die Geräuschbelastung durch die geplante Anlage zu reduzieren oder sogar deren Aufstellung zu verhindern. Mit der entsprechenden Planung hat die Stadt ein Fachbüro beauftragt. Zu den Planungen liegen inzwischen zum Teil kritische Stellungnahmen vor, ohne dass bisher die Stadtverordneten über den Sachstand informiert wurden.

Deshalb beantragte der CDU-Fraktionsvorsitzende Gernot Wichert, den Magistrat mit der Ausrichtung einer öffentlichen Informationsveranstaltung zu beauftragen, damit die Gremien und auch die Erfurtshäuser Bürger unter Hinzuziehung des Planungsbüros und eines Verwaltungsjuristen auf den aktuellen Stand gebracht werden.

Ortsbeirat fordert Diskussion

Ohne diese sei eine sachgerechte Diskussion nicht möglich, sagte Gernot Wichert. Dem Antrag der CDU traten SPD und FWG bei. Zuvor hatte bereits der Erfurtshäuser Ortsbeirat die Fraktionen aufgefordert, sich einer Diskussion in Erfurtshausen zu stellen.

Die Stadtverordneten stimmten dem Antrag einstimmig zu. Bürgermeister Michael Plettenberg räumte ein, dass es eher ein ungewöhnlicher Vorgang sei, ein solches Thema über einen längeren Zeitraum im zur Verschwiegenheit verpflichteten Magistrat zu belassen. Der Antrag der CDU komme nicht unerwartet. Gleichwohl sagte er, dass mit Rücksicht auf die Fristen das Stadtparlament nicht schon im September über eine entsprechende Magistratsvorlage abstimmen könne.

Das sei erst im November möglich. Zugleich versicherte der Bürgermeister, dass bis zu diesem Zeitpunkt auf der Mardorfer Kuppe noch keine Fakten geschaffen sein werden.

von Matthias Mayer

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