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Drei Dörfer machen gemeinsame Sache

Thema "Bioenergiedorf" Drei Dörfer machen gemeinsame Sache

Das Interesse an Bioenergie ist in Roßdorf, Rüdigheim und Amöneburg groß, allerdings gab es bei der Vorbereitung der Machbarkeitsstudien einige Hürden zu überwinden.

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Die Initiativgruppen hoffen weiter, dass in den drei Ortschaften Nahwärmerohre verlegt werden.Foto: Florian Lerchbacher

Amöneburg. In den drei Amöneburger Stadtteilen haben sich im Lauf des Jahres Initiativgruppen gegründet und mit dem Thema Bioenergie auf unterschiedliche Art und Weise auseinandergesetzt. In Rüdigheim klapperte eine Gruppe um Petra Becker die Haushalte ab - etwas mehr als 40 der rund 150 Eigentümer bekundeten Interesse. „Aber wenn die Leute merken, dass sich etwas im Dorf tut, werden noch mehr dazukommen“, ist sich das Ortsbeiratsmitglied sicher und betont: „Wir wollen die Machbarkeitsstudie.“

Ähnlich sieht das in Amöneburg und Roßdorf aus, allerdings entschlossen sich die Mitglieder der Initiativgruppen dort, auf eine geplante Fragebogenaktion zu verzichten. Vor allem die Kernstädter hatten sich mit verschiedenen Möglichkeiten der Energie- und/oder Wärmeversorgung auseinandergesetzt und letztendlich gemeinsam mit den Roßdorfern Kontakt zu einem Planer aufgenommen, der ihnen verschiedene Varianten für den Weg zum Bioenergiedorf aufzeigte. Dabei erklärte er, dass es sinnvoll sei, zunächst den maximalen Wärmebedarf in den jeweiligen Ortschaften zu ermitteln, darauf basierend ein Konzept für die Nahwärmeversorgung zu entwickeln und die Kosten zu ermitteln - und dann auf die Bürger zuzugehen.

Alleingänge sind nicht in Ordnung

Bürgermeister Michael Plettenberg erteilte dem Planer sogar den Auftrag, Machbarkeitsstudien zu erstellen - fand dann jedoch heraus, dass dieser in einem direkten Verhältnis mit einem Kesselhersteller ist. Das sei den Initiativgruppen bekannt gewesen, sie hätten damit aber kein Problem gehabt, berichtet ein Mitglied - er sei schließlich für eine ganz andere Region zuständig. Das sah der Rathauschef anders: Er befürchtete, dass der Planer nicht neutral sei. Also nahm er via E-Mail Kontakt auf, forderte eine Stellungnahme und schlug vor, dass die Stadt das Geld für die Machbarkeitsstudie zurückbekommt, falls der Kesselhersteller letztendlich einen Auftrag bei der Umsetzung eines Vorhabens erhalten sollte. Dieser warf daraufhin die Brocken hin - was in Roßdorf und Amöneburg für Ernüchterung und Verärgerung sorgte.

Stefan Lauer zog sich in Roßdorf verärgert als Hauptverantwortlicher aus der Initiativgruppe zurück, in Amöneburg ging Herbert Fischer den gleichen Schritt. „Die Alleingänge des Bürgermeister sind nicht in Ordnung, das ist Missachtung der ehrenamtlich Engagierten“, moniert Lauer.

Für die beiden Männer springen nun Roland Kraus und Sefa Elmaci in die Bresche. „Der Frust ist hoch bei uns“, gibt der Amöneburger Ortsvorsteher zu, sieht aber dennoch Bedarf, das eigentliche Ziel zu verfolgen: „Wir wollen die Zahl der rauchenden Schornsteine in Amöneburg verringern.“ Dabei sei er offen dafür, auf welche Weise dies erreicht werden kann: „Biogas ist außen vor, weil wir die Anlage nicht füttern könnten und die Auflagen inzwischen sehr hoch sind. Hackschnitzel kämen da eher infrage.“ Was letztendlich sinnvoll sei, solle ein Planer mitteilen, sagt Lauer und betont: „Uns ist zum einen die Ökologie wichtig - aber das Projekt muss natürlich auch wirtschaftlich interessant für die Bürger sein.“

Sinnvoll und "innovativ"

Plettenberg hat derweil mit Unterstützung von Dr. Norbert Clement vom Landkreis Marburg-Biedenkopf Ersatz für den Planer gefunden. Er berichtet, dass die Stadt Kontakt zu Oliver Berghamer aufgenommen habe, der schon in Mardorf einst in der Verantwortung gestanden habe. Er kenne also die Rahmenbedingungen in der Stadt und sei daher ein geeigneter Mann, betont der Bürgermeister. Dieser soll zunächst Projektskizzen entwickeln, da die Stadt auf Wunsch von Bürgern und Stadtverordneten auch Förderanträge beim Land Hessen für die Bezuschussung der Machbarkeitsstudien stellen soll. Aufgrund der Entfernung zwischen den Ortsteilen kommt ein gemeinsames Nahwärmenetz natürlich nicht infrage, aber zunächst sei es sinnvoll, gemeinsame Sache zu machen und Synergien zu nutzen, so Elmaci. „Ich halte das für sehr innovativ“, sagt Plettenberg.

In der kommenden Woche kommt es im Rüdigheimer „Treffpunkt“ zum ersten Kontakt der Initiativgruppen mit Berghamer und Clement. Ersterer will dann möglichst viele Informationen sammeln, damit die Projektskizze so rasch wie möglich beim Umweltministerium eingereicht werden kann. Im Haushaltsplanentwurf der Stadt für das Jahr 2018 stehen 37000 Euro für die Erstellung der Machbarkeitsstudien zur Verfügung.

von Florian Lerchbacher

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