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Begeisterung hält sich in Grenzen

Bürgerbus Begeisterung hält sich in Grenzen

Sechs Monate sind vorbei, der Probebetrieb des Amöneburger Bürgerbusses nähert sich dem Ende. Doch noch sind sich die Stadtverordneten nicht sicher, ob die Stadt das Projekt weiterführen soll.

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Der Bürgerbus ist seit November 2016 in Amöneburg unterwegs.

Quelle: Archiv

Amöneburg. „Ich verstehe nicht, wie Sie ein so tolles Projekt schlecht reden können“, ärgerte sich Bürgermeister Michael Plettenberg während einer gemeinsamen Sitzung des Bau- und des Haupt- und Finanzausschusses. Sein Frust richtete sich dabei vornehmlich in Richtung der Christ­demokraten, die zum Thema Bürgerbus einige kritische Nachfragen stellten, fehlende Informationen bemängelten und auch noch eine Grundsatzfrage aufs Tapet brachten.

Seit November ist der Bürgerbus montags in der Gemeinde unterwegs. Aufgrund von Bitten der Bürger inzwischen sogar viermal, statt ursprünglich dreimal. Die acht Fahrer gehen voller Elan an das ehrenamtliche Projekt heran - und wollen nun sogar eine Sonderfahrt dienstags anbieten, um Bewohner der Kernstadt zum Mittagstisch nach Rüdigheim und wieder zurück zu bringen.

Insgesamt betrachtet sind seit der ersten Fahrt des Bürgerbusses nun sechs Monate rum, somit ist das Ende des Probe­betriebes gekommen. Entsprechend haben Plettenberg und Burkhard Wachtel, der Seniorenbeauftragte der Stadt, vor, aus dem Probe- einen Dauerbetrieb zu machen. Doch so einfach sind Amöneburgs Stadtverordnete weder zu begeistern noch zu überzeugen.

Plettenberg: "Hemmschwelle, das Fahrzeug zu besteigen, ist groß"

„Zu wenig unterfüttert“ sei der Antrag, monierte Jochen Splettstößer und forderte, einen Einblick in die Statistik zu bekommen. Die Antragsteller hatten lediglich zwei Zahlen genannt: Einmal sei der Bus mit drei Fahrgästen unterwegs gewesen, ein weiteres Mal mit 13. „Bürgerbus-Projekte laufen überall schleppend an. Die Hemmschwelle, das Fahrzeug zu besteigen, ist groß“, kommentierte Plettenberg und warb: „Die Fahrer sind überzeugt, dass der Bürgerbus gebraucht wird und die Menschen ihn wollen.“ Woraufhin Splettstößer entgegnete: „Wenn ich eine Testphase auswerten soll, brauche ich dafür Statistiken.“

Sein Fraktionschef Jan-Gernot Wichert kritisierte besonders die mangelhafte Spendenbereitschaft der Mitfahrer. Die Nutzung des Bürgerbusses ist kostenlos, es wird jedoch um Spenden gebeten. In sechs Monaten kamen so lediglich 157 Euro zusammen. „Es gefällt mir nicht, dass die Menschen freiwillig nichts geben“, ärgerte sich Wichert und plädierte dafür, die Fahrten kostenpflichtig zu machen - nur um in eine Diskussion mit dem Rathauschef zu geraten, der die exklusive Meinung vertrat, die Fahrten müssten kostenlos sein. Auf Nachfrage von Winfried Kaul (SPD) erklärte er, dass er es für sinnvoller halte, den Betrieb über einen Verein weiterzuführen.

Winfried Nau (SPD) warf ein, dass mit Gebühren oder Fahrtkosten aus einem Sozialprojekt, das von Menschen für Menschen sei, ein Geschäftsbetrieb werde - eine Entwicklung, mit der auch die Erwartungshaltung der Bürger steigen könne.

Für das Projekt stehen 4500 Euro zur Verfügung

Karl Jennemann schlug vor, die Probephase zu verlängern - und gleichzeitig den Magistrat zu beauftragen, mit Nachbargemeinden über interkommu­nale Zusammenarbeit nachzudenken. Der Bus (derzeit ist es der frühere Kita-Bus) sei schließlich nur einmal die Woche im Stadtgebiet unterwegs, und wenn andere Gemeinden ähnliches auf die Beine stellen wollten, müssten sie dafür nur einen anderen Tag als den Montag wählen.

Die CDU regte auch noch an, den Betrieb über einen Verein laufen zu lassen. Ein Ansatz, gegen den sich der Bürgermeister wehrt: Die Trägerschaft der Kommune gebe dem Projekt, aber auch den Menschen, die den Bus nutzen, Sicherheit.

Rund 4500 Euro stehen laut Vorlage für das Projekt zur Verfügung - bei einem Ertrag von geschätzten 1500 Euro. Allerdings hofft Plettenberg auch, den Auftrag zu bekommen, ein Finanzierungskonzept auf die Beine zu stellen, um einen neuen „bedarfsgerechten, modernen und umweltfreundlichen Bürgerbus“ zu beschaffen.

Er plant nun, den Stadtverordneten bis zur Sitzung am 12. Juni die Statistiken zukommen zu lassen - in der Hoffnung, dass diese den Übergang in einen Dauerbetrieb doch noch absegnen.

von Florian Lerchbacher

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