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Braumeister mit Hang zum Experimentieren

Nacht der Keller Braumeister mit Hang zum Experimentieren

Am Samstag veranstalten der Heimat- und Verkehrsverein und die Stadt Amöneburg die Nacht der Keller. Wer Bier mag und sich für das Thema interessiert, wird in "Lotze Keller" bei Jochen Opitz sein persönliches Paradies finden.

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Jochen Opitz widmet sich in „Lotze Keller“ der Kunst des Bierbrauens und dem Thema „Bier in Südeuropa“.

Quelle: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Deutschland ist das Land der Biertrinker. Glauben zumindest viele Menschen. Doch Tschechien liegt beim durchschnittlichen Konsum inzwischen weit vor der Bundesrepublik. Und brautechnisch gibt es hierzulande einiges aufzuholen - sagt Jochen Opitz, der auf dem Gebiet ein echter Experte ist. Bierfreunde müssen nun jedenfalls ganz stark sein: Beim Brauen und der Vielfalt sind uns andere Länder weit voraus.

Vor allem Belgien und, jetzt wird‘s besonders hart, die USA gehören für den Amöneburger zu den führenden Nationen. Als Hauptgründe dafür nennt er zum einen das einst aufgrund der Tendenz zu panschen auferlegte deutsche Reinheitsgebot, das die Braumeister in gewisser Hinsicht einschränkte. Zum anderen aber auch die Experimentierfreudigkeit in anderen Nationen: „In Amerika hat sich das Blatt vor rund 25 Jahren gewendet. Dort waren die Menschen den Einheitsbrei der großen Brauereien leid.“

Es habe einen Wandel gegeben - dessen Resultat ist, dass es in den USA nun wieder fast 2500 Brauereien gibt, von denen viele auf den lokalen oder regionalen Markt setzen. „Wir Deutschen sind also nicht die Erfinder der Brauerei-Revolution“, betont Opitz - freut sich aber, dass inzwischen auch hier nicht mehr nur „Standard-Biere“ gefragt sind, sondern beispielsweise auch andere Getreidearten wie Ammer, Hafer oder Roggen wieder zum Einsatz kommen.

Er selbst ist äußerst experimentierfreudig: Unter anderem hat er in „Lotze Keller“ in seiner Brauanlage Marke Eigenbau beispielsweise schon dunkles fränkisches Bier, Weißbier, Indian Pale Ale oder, nach belgischer Art, Witte-Bier mit Koriander, Haferflocken und Orangen hergestellt - ein Pils indes noch nie. Für die Nacht der Keller hat Opitz ein „schlankes Landbier“ (mit nicht vermälztem Getreide) und ein Weizenbier mit viel Hopfen zubereitet, die er dann zum Testen anbietet.

Zudem stellt er ­Schüsseln mit unterschiedlichem Malz zum Probieren auf und hält jede Menge Informationen bereit: in schriftlicher Form, aber auch mündlich. Der 41-Jährige weiß schließlich genau, wovon er redet. Der gelernte Diplom-Ingenieur für Brauwesen und Getränke­technologie ist zwar inzwischen in der Betriebstechnik eines großen Pharmakonzerns tätig, hat aber während seines Studiums in Weihenstephan auch den Braumeister gemacht.

Vor einigen Jahren, als er angesichts der ersten Schwangerschaft seiner Frau wieder in Amöneburg sesshaft wurde, kam er ins Gespräch mit Barbara Graff. Er hatte gerade sein Haus renoviert. „Da dachte ich mir: Wenn ich schon nach altem Handwerk gearbeitet habe, könnte ich doch auch ein anderes Handwerk wieder aufgreifen.“

Graffs Keller stand zu diesem Zeitpunkt leer - inzwischen ist er voll mit Dingen rund ums Bier. „Ich bin extremer Jäger und Sammler“, betont Opitz, während er ­eine Malz-Kollektion präsentiert und letztendlich über das Brau­wesen philosophiert und Fachbegriffe wie Spelze, Läutern und Maischen in den (Keller-)Raum wirft.

„Ich mag die missionarische Komponente“, erklärt er schließlich, warum er am Samstag seinen Keller für das Publikum öffnet. Ein großer Pluspunkt: Er kann sowohl mit Kennern fachsimpeln als auch Laien mit viel Liebe zum Detail sein zeitaufwendiges Hobby ­näherbringen.

In insgesamt zehn Kellern warten am Samstag ab 19 Uhr verschiedene Attraktionen auf die Gäste (die OP berichtete). Beispielsweise gibt es Musik, Märchen, Kunst oder auch „Faltwerke“. Die Umbauarbeiten des Amanahofs (Untergasse 13) zu Ferienappartements sind in vollem Gange. In diesem Jahr ist aber nicht der Rinderstall, sondern der Hühnerstall Ort des Geschehens.

Die Marburger Architektin Christine Jantzen, verantwortlich auch für Planung und Bauleitung des Amana-hof-Projekts, präsentiert „Faltwerke“. Ihre dreidimensionalen, zum Teil illuminierten Objekte aus Papier sind eine Reminiszenz an die bäuerliche und architektonische Vergangenheit des ehemaligen landwirtschaftlichen Betriebs. Die Ausstellung ist nur während der Nacht der Keller - an der sich auch die Amöneburger Gastronomen ­beteiligen - am Samstag von 18 bis 23 Uhr geöffnet.

  • Weitere Informationen gibt es unter Telefon 06422/857236 oder oder per E-Mail an HuVAmoeneburg@t-online.de

von Florian Lerchbacher

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