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Eine Projektidee spaltet die Bürgerschaft

Bürgermeisterwahl Eine Projektidee spaltet die Bürgerschaft

In der Stadt gibt es derzeit zwei Bürgerinitiativen, die sich gegen geplante Projekte wehren: Nachdem sich die Kandidaten für die Wahl bereits zum ­Thema Windenergie geäußert haben, ist nun die Tankstelle an der Reihe.

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Ungefähr an dieser Stelle unterhalb Amöneburgs könnten bald Fahrzeuge aufgetankt werden.

Quelle: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Eine Tankstelle am Fuß des Berges? Die Frage spaltet die Bürger derzeit in zwei Lager – die Stadtverordneten jedenfalls haben sich mit großer Mehrheit für das Projekt ausgesprochen und der Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans mit paralleler Änderung des Flächennutzungsplans zugestimmt.
Doch es machte sich Protest breit und verärgerte Amöneburger gründeten eine Bürgerinitiative. Entsprechend konfrontiert diese Zeitung Bürgermeister Michael Plettenberg (parteilos) sowie die Herausforderer Stefan Backhaus (parteilos) und Rainer Wiegand (APPD) mit der Frage: „Wie stehen Sie zu den Überlegungen, am Fuß Amöneburgs eine Tankstelle zu bauen?“ Die Kandidaten hatten für die Beantwortung maximal 1 200 Zeichen zur Verfügung – aber natürlich kommt das Thema während des OP-Wahlforums erneut aufs Tableau: Am 9. März – also am kommenden Donnerstag und somit exakt zehn Tage vor dem Tag der Entscheidung – müssen die drei Männer ab 19 Uhr OP-Chefredakteur Christoph Linne und Redakteur Florian Lerchbacher in der Mehrzweckhalle in Roßdorf Rede und Antwort stehen. Zudem werden auch die Besucher des OP-Wahlforums Gelegenheit bekommen, ihrerseits Fragen an die Kandidaten zu richten. Die Veranstaltung ist die Chance schlechthin, sich ein Bild von den Kandidaten zu machen und zu entscheiden, bei welchem von ihnen Ihre Stimme am besten aufgehoben ist.
Um die Bewirtung der Gäste des OP-Wahlforums kümmert sich der Heimat-, Trachten- und Museumsverein Roßdorf. (von Florian Lerchbacher)

Stefan Backhaus

Die Einzigartigkeit der Landschaft und Natur ist ein großes Potenzial für die Zukunft der Stadt Amöneburg. Zu Recht ist man stolz darauf, eines der ältesten Naturschutzgebiete Hessens zu besitzen. Ziel sollte sein, mögliche Investoren für ein schrittweise entstehendes Naherholungsgebiet bzw. den „sanften Tourismus“ zu gewinnen.
Betrachtet man dieses entstehende Naherholungsgebiet, mit u. a. Wander- und Naturpfaden, Wasserflächen mit integrierten Ruheinseln und abgesetzten sportlichen Attraktionen, so kann man von einer regionalen Bedeutung mit erheblicher Fernwirkung sprechen. Wenn ich das alles unter behutsamer Einbindung der Landschaft und Natur umsetzen möchte, stellt sich natürlich die Frage, passt eine Tankstelle tatsächlich unter diesen Voraussetzungen dorthin?
Unabhängig von den bereits bestehenden Verwaltungsgerichtsurteilen aus dem Jahre 1999 (Tankstelle) und 2009 (Gewerbegebiet) haben sich die politisch Verantwortlichen bereits für den Bau einer Tankstelle an dieser Stelle ausgesprochen. Das Interesse der Bürgerschaft an diesem Projekt ist groß. Weitere Schritte müssen nun von ­allen transparent und unter bestmöglicher Bürgerbeteiligung gemeinsam angegangen werden.

Michael Plettenberg

Der Wunsch nach einer Tankstelle beschäftigt Stadtverordnete seit Jahren. Nachdem der Wunschstandort in Roßdorf nicht wirtschaftlich ist, war klar, dass der einzige mögliche Standort am Amöneburger Kreisel liegt. Nachdem weiterhin vom RP positive Signale kamen, haben sich der Ortsbeirat mit 80 % und die Stadtverordneten mit 74 % Mehrheit für das Projekt ausgesprochen.
Kandidaten, die das Projekt in Frage stellen, müssen sich fragen lassen, wie sie zur Stadtverordnetenversammlung stehen, deren Beschlüsse sie als Bürgermeister auszuführen hätten. Außerdem finde ich es schwierig, wenn Verlierer demokratischer Abstimmungen anschließend Bürgerinitiativen gründen, um ihre Minderheitenmeinung durchzusetzen.
Der Investor, der eine Millioneninvestition tätigen und sechs Arbeitsplätze schaffen will, trägt nicht nur das Verfahrensrisiko, sondern hat alle Auflagen akzeptiert. Das Projekt wird sich nach der aktuellen Planung in die Landschaft einfügen.
Die öffentlich geführte Gewerbesteuerdiskussion finde ich entwürdigend und investitionsfeindlich. Persönlich finde ich das Projekt sinnvoll und zukunftsfähig. Für mich liegt die eigentliche „Grüne Seite des Berges“ woanders, nämlich von Süden kommend.

Rainer Wiegand

Eines ist klar: tanken muss fast jeder. Man kann aber nicht auf der einen Seite des Berges pro historisch gewachsenes Landschaftsbild argumentieren und auf der anderen Seite ist das bei der Mardorfer Kuppe dann auf einmal egal.
Explodiert die Tanke oder läuft Sprit aus, ist es schlecht für die Kaulquappen im Feuchtgebiet, aber dass auf der anderen Seite des Vulkanberges die Windräder schlecht für Mensch und Tier sind, wird als eingebildete Krankheit abgetan. Wo bleibt der Respekt vor den Menschen? Erfurtshäuser, Mardorfer und Roßdorfer sind nicht weniger wert als die naturbelassenen Kröten unterhalb des Berges.
Ob man an der Tankstelle auch Biodiesel und Strom tanken kann, geht mir am Windrad vorbei – denn ich bin schon abgebrannt!
Apropos: Am Rathaus gibt es bereits eine Stromtankstelle… Wie viele Tankstellen braucht es also? Warum nicht in jedes Windrad direkt eine Zapfsäule integrieren? Bevor am Ende jeder Amöneburger an seinem eigenen Windrad im Garten dreht, hier mein Tipp: Besser den Hessenhenker wählen. Im Gegensatz zu den anderen beiden Kandidaten habe ich nichts zu verlieren und kann mich sehr unkonventionell für die Amöneburger einsetzen – ich sag nur, wie‘s ist!

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