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Amöneburg rüstet sich für Flüchtlinge

Hausanmietungen Amöneburg rüstet sich für Flüchtlinge

Kein einziger Flüchtling lebt derzeit in Amöneburg: Die große Flüchtlingswelle hat die Bergstadt noch nicht erreicht. Aber die Stadt bereitet sich intensiv auf die Ankunft von Menschen aus den Krisengebieten vor.

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Burkhard Wachtel (links) und Michael Richter-Plettenberg wollen Flüchtlingen in Amöneburg
angemessene Lebensbedingungen schaffen. Foto: Matthias Mayer

Amöneburg. Die Grundlage für die Flüchtlingsunterbringung hat sich für die Kommunen geändert, wie Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg und Burkhard Wachtel vom Amt für Ordnung, Soziales und Nachbarschaftshilfe bei einem Pressegespräch mit der OP berichteten: Es ist nicht länger der Landkreis, der Unterkünfte für die Flüchtlinge anmietet, sondern es sind die Kommunen, die sich jetzt um die Anmietung von Wohnraum kümmern müssen.

Ein Aufruf des Magistrats an Amöneburger Immobilien-Eigentümer zeigte Erfolg. „Eigentümer haben uns zwei Häuser zur Verfügung gestellt. Eins hat mehr als 180 Quadratmeter Wohnfläche, ein anderes 145 Quadratmeter sowie ein zusätzliches Apartment“, sagte Burkhard Wachtel. Die Stadt miete diese in Roßdorf und Rüdigheim gelegenen Häuser an und bekomme später vom Kreis einen Pauschalbetrag pro untergekommenem Flüchtling.

Objekte müssen sofort bewohnbar sein

Der Stadt seien auch andere Objekte angeboten worden, doch da müssten die Vermieter noch etwas tun. Die Stadt könne nur Räumlichkeiten gebrauchen, die nach dem üblichen Standard sofort bewohnbar seien, stellte Burkhard Wachtel fest. Ein Sozialarbeiter des Landkreises werden die bereits angemieteten Häuser auf genau diese Anforderung hin begutachten, berichtete der Amtsleiter.Michael Richter-Plettenberg begrüßte die Abkehr von der Unterbringung in großen Gemeinschaftseinrichtungen und Containern. Die Unterbringung von Flüchtlingsfamilien in abgeschlossenen Wohnungen sei für diese ein deutliches Plus an Lebensqualität. Für den Bürgermeister ist dies kein Luxus, sondern eine menschliche Not­wendigkeit, da die Flüchtlinge voraussichtlich für eine lange Zeit in Amöneburg bleiben müssten.

Der Bürgermeister und Kämmerer räumte ein, dass das Pauschalen-Modell für die Stadt ein überschaubares finanzielles Risiko sei. Es sei nicht gesagt, dass die Pauschale für die Stadt kostendeckend sein werde. Das liege an der Vorgabe, Familien für sich unterzubringen. So müsse sich für ein großes Haus auch eine entsprechend große Familie finden. „Ein Defizit ist nicht unser Ziel, aber es lässt sich nicht ausschließen“, sagte Michael Richter-Plettenberg, der eine Diskussion darüber als müßig erachtete, weil die Stadt zu der Unterbringungen gesetzlich verpflichtet sei. Der Bürgermeister sieht in den Flüchtlingsquartieren auch eine Chance gegen Leerstand in den Ortskernen. Dort gebe es brauchbare Häuser und Wohnungen, die nicht so leicht vermarktbar seien. Eine davon gehört der Stadt, die ihre Sozialwohnung gern als Zuhause für Flüchtlinge bereitstellen wolle. Die Förderbank des Landes Hessen erlaube dies jedoch (noch) nicht, da die Wohnung mit Steuermitteln gefördert worden sei. „Das trifft nicht nur uns, sondern ganz Hessen“, sagte der Bürgermeister, der nicht glaubt, dass diese bürokratische Posse lange Bestand haben wird. Jede Flüchtlingsfamilie erfülle eindeutig alle für die Vermietung einer Sozialwohnung erforderlichen Kriterien. Derzeit kümmert sich die Stadt um die Ausstattung der angemieteten Häuser. „Ein Spendenaufruf für Mobiliar und Hausrat war sehr erfolgreich.

Viele Bürger haben sich gemeldet und Dinge gebracht“, berichtete Burkhard Wachtel, der sich derzeit besonders um Betten und Matratzen bemüht. Für ihn eine wichtige Quelle: Die inzwischen stillgelegte Hessen-Kaserne in Stadtallendorf. Ebenso wichtig wie die angemessene Unterbringung der Flüchtlinge ist für den Bürgermeister deren soziale Anbindung an das Amöneburger Gemeinwesen. Das kann es ohne bürgerschaftliches Engagement nicht geben. „Die Flüchtlinge müssen integriert werden, sie müssen Deutsch lernen, besonders die Kinder“, formuliert Michael Richter-Plettenberg die wichtigste Ziele. Die Stadt beginnt hier nicht bei Null, denn schon seit 1987 gibt es in Amöneburg einen Arbeitskreis Asyl.

Info-Veranstaltungam 24. September

Mit dessen Mitgliedern hat sich die Stadt bereits über die nächsten Schritte ausgetauscht, so der Bürgermeister. Ein Ergebnis: Am Mittwoch, 24. September, soll es ab 19.30 Uhr im Mardorfer Schwesternhaus eine Informationsveranstaltung zum Thema Flüchtlinge geben. Dort soll erörtert werden, welche Möglichkeiten sich der Bürgerschaft zur Unterstützung und Integration der Flüchtlinge bieten. Der Arbeitskreis Asyl wird über seine Erfahrungen berichten. Zugleich soll über etwaige Vorbehalte gegenüber den Flüchtlingen gesprochen werden.

Der Amöneburger Arbeitskreis Asyl sucht mit Blick auf die kommenden Aufgaben Mitstreiter. Interessenten können sich bei Reinhard Forst melden. Telefon: (06422-1231), E-Mail:r-forst@web.de

von Matthias Mayer

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