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Am Ende tobt das Chaos im Haus

Kolpingtheater Niederklein Am Ende tobt das Chaos im Haus

Zweimal führte das Kolpingtheater Niederklein „Eine Leiche auf der Flucht“ auf. Obwohl sich das Ensemble an eine neue Gattung heranwagte, blieb der Aufführung Elementares erhalten.

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Die Frauen in dem Mehrfamilienhaus trafen sich am vermeintlichen Tatort. Foto: Yanik Schick

Stadtallendorf. Im vierten und letzten Akt erleben die 245 Zuschauer, was das Kolpingtheater in Niederklein seit vielen Jahren auszeichnet: ein perfekt gespieltes Chaos. Denn auf der Bühne geht es mittlerweile drunter und drüber. Ein von sich eingebildeter Polizeikommissar gibt den Hobby-Richter und beruft alle Bewohner eines Mehrfamilienhauses, in dem ein Mord stattgefunden haben soll, zu einer Versammlung ein.

Doch der Prozess gerät aus den Fugen, die Aufklärung des Tathergangs zur Nebensache. Plötzlich kriegen sich die Nachbarn untereinander in die Wolle. Wer wem allmorgendlich die Brötchen klaut, wer mit wem im Haus eine heimliche Liebesbeziehung unterhält und was die Bewohner sonst noch auf die Palme bringt, all das wird gründlich diskutiert. Der Polizist kommt kaum noch zu Wort. Ein heilloses Durcheinander, das von den Darstellern aber hervorragend inszeniert und insofern vom Publikum mit etlichen Lachern honoriert wird.

„Eine Leiche auf der Flucht“ heißt das Stück, geschrieben von Horst Helfrich. Damit wagt sich das Kolpingtheater zum ersten Mal an eine Kriminalkomödie heran. „Wir hatten schon seit Jahren vor, etwas in diese Richtung zu machen“, erklärt Kult-Schauspieler Fritz Gnau, der hauptverantwortlich für die Auswahl der Story ist. Sein Auftritt ist es auch, mit dem die Aufführung beginnt. Gnau spielt darin den Hausmeister Gernot Keimling, der behauptet, im Haus einen toten, blutüberströmten Menschen vorgefunden zu haben. Das Problem: Es gibt keine Leiche. Er sei nur schnell zum Telefon gerannt, um die Polizei zu rufen, betont Keimling. In dieser Zeit sei die Leiche verschwunden.

Schnell trifft Kriminalkommissar Kümmel ein, dargestellt von Philipp Hausrath, der zum ersten Mal beim Kolpingtheater dabei ist und seine Sache sehr gut macht. Kümmel, unterstützt von seiner Assistentin Fritzi Kulke (Kristin Ludwig), lässt die Haustür abschließen und will alle Anwohner verhören. Seien es die Ehepaare Bastian (Erwin Grimmel) und Sophia Gugelrock (Maria März) sowie Philipp (Marvin Huber) und Martina Katz (Anke Ludwig), oder die weiteren Nachbarn Berta Vogelkorn (Ursula Schlitt), Gustl Scheiblein (Monika Brand), Ava Milko (Angela Brand), Pepitta Popp (Aline Horner) und Gilde Stangendbrodt (Marion Gnau) - sie alle müssen Rede und Antwort stehen.

Dusselig und fusselig

Der Polizist findet am vermeintlichen Tatort den Stoffpartikel eines Mantels und glaubt, den Täter mit diesem Indiz entlarvt zu haben. Doch in der chaotischen Abschlussszene kommt dann alles anders. Hans Kniebel (Jan Ludwig), der ebenfalls im Haus wohnt, kommt verkatert zur Tür herein. Er habe am Abend zuvor viel getrunken und könne sich an die letzten Stunden nicht erinnern, erzählt er. Ihm folgt die Zeitungsausträgerin Valeska Freitag (Carina Lauer), die Licht ins Dunkel bringt. Sie hat gesehen, wie Kniebel - mit Rotwein übergossen - im Treppenhaus seinen Rausch ausschlief. Keimling hatte sich also ebenso vertan wie Kommissar Kümmel. Assistentin Kulke findet heraus, dass der Partikel am Tatort aus Kümmels eigener Jacke stammt. „Sie sind nicht nur dusselig sondern auch fusselig“, bilanziert sie.

Insgesamt 14 Schauspieler waren diesmal an der Aufführung beteiligt. Seit Juli hatten die Darsteller geprobt.

von Yanik Schick

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