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Am Ende steht ein fünfstelliger Betrag

Hilfsaktion Am Ende steht ein fünfstelliger Betrag

Nach dem verheerenden Brand vom 17. März in einem Stadtallendorfer Wohnhaus wird ein Schwerverletzter weiterhin im Krankenhaus behandelt. Dies erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Marburg am Dienstag auf Anfrage.

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Teilweise mit Steckleitern hatte die Stadtallendorfer Feuerwehr Hausbewohner am Morgen des
17. März aus dem verrauchten Gebäude geholt. Foto: Florian Gaertner

Stadtallendorf. An den Folgen des Brandes war ein 58-jähriger Bewohner gestorben, fünf weitere hatten zum Teil schwere Verletzungen erlitten.

Was genau das Feuer in der Wohnung eines Ehepaares auslöste, ist nach wie vor offen. Es liefen weitere Ermittlungen, erklärte hierzu Oberstaatsanwältin Ute Sehlbach-Schellenberg, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Marburg. Nach dem Brand hatte die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Brandstiftung eingeleitet (die OP berichtete).

Auch die Höhe des an dem Gebäude entstandenen Schadens lässt sich derzeit noch nicht beziffern. Das hängt möglicherweise auch mit den weiterhin andauernden Untersuchungen der Bauaufsicht des Landkreises zusammen. Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Statik. „Wir gehen davon aus, dass das Gebäude nicht abgerissen werden muss“, sagte Dr. Markus Morr, Sprecher der Kreisverwaltung gegenüber dieser Zeitung.

Wie die OP berichtete, befanden sich trotz der seit Januar geltenden Verpflichtung keine Rauchmelder in den Wohnungen der Mieter. Die Staatsanwaltschaft hatte angekündigt, eventuelle juristische Folgen daraus zu prüfen. Nach Auskunft des für das Bauwesen verantwortlichen hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung ist die Rauchmelderpflicht in Hessen nicht „unmittelbar sanktionsbewährt“. Falls die Bauaufsicht von Verstößen erfährt, kann sie das Anbringen nötigenfalls mit Bußgeldern durchsetzen. Eine strafrechtliche Würdigung obliege den Strafverfolgungsbehörden, teilte ein Ministeriumssprecher der OP mit.

Unmittelbar nach dem Brand hatten Tobias Kindermann, Nadine Schneider und Katrin Ulmer damit begonnen, Spenden für die Betroffenen zu sammeln. Große Unterstützung gab es von Sebastian Habura, dem Streetworker der Stadt und dem Team des Jugendzentrums. Gestern zogen Kindermann, Schneider und Ulmer gemeinsam mit Stadtjugendpfleger Walter Mengel und Dirk Schindler von der Stadtverwaltung einen Schlussstrich unter die Initiative. 11381,23 Euro Spenden gingen ein, etwa auf einem Konto des Jugendzentrums oder über die Bargeld-Sammlungen. Eine am Tag nach dem Brand im Raum stehende 10000-Euro-Spende eines Unternehmens sei bisher nicht eingegangen, hieß es seitens der Stadt. Die Witwe des an einer Rauchgasvergiftung gestorbenen 58-jährigen, aus Polen stammenden Bewohners, erhält einen höheren Geldbetrag, außerdem zwei Bewohner, die sich besonders schwere Verletzungen zugezogen haben. Der Restbetrag wird zu gleichen Teilen auf die Betroffenen verteilt. Sie sollen Gutscheine erhalten, mit denen sie sich mit dem versorgen können, was sie für die Rückkehr in die Normalität weiterhin brauchen. 30 Personen waren gerettet worden.

Helfer blicken auf anstrengende Zeit zurück

Walter Mengel hob im gemeinsamen Gespräch den Einsatz der drei Stadtallendorfer für die Brandopfer hervor: „Wir als Stadt haben uns organisatorisch eingebracht, wo es nötig war und unterstützt.“

Für Kindermann, Ulmer und Schneider waren die vergangenen zwei Wochen eine „anstrengende, durchaus belastende Zeit“, wie es Nadine Schneider stellvertretend für alle Beteiligten zusammenfasst. In den ersten Nächten nach dem Brand fanden die drei Berufstätigen keinen Schlaf. Die Freude über die Hilfe sei bei den Betroffenen zum größten Teil sehr groß gewesen, so ein Teil des Fazits. „Menschen, die am wenigsten haben, haben besonders gerne gegeben“, so ein weiterer Eindruck der drei und ihrer Unterstützer. Gemeinsam hatte man wenige Tage nach dem Brand auch eine große Veranstaltung im Jugendzentrum organisiert, zu der Spender, Betroffene und auch Mitglieder von Feuerwehr und Rettungsdienst kamen.

Das Unternehmen Ferrero hatte kurzfristig bis Ende Mai 20 Wohnungen für die Brandopfer in seinem Wohnheim bereitgestellt. Hilfe kam auch von der Siedlungsgenossenschaft Herrenwald.

von Michael Rinde

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