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Am Ende bringt der Pfarrer die Lösung

Kolpingtheater Am Ende bringt der Pfarrer die Lösung

Seit mehr als 50 Jahren spielt die Kolpingfamilie Niederklein jedes Jahr Theater. Diese Tradition setzte sich auch in diesem Herbst fort. Das Stück „Alle wollen Linda“ hatte zahlreiche Pointen.

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Linda „schimpft“ in dem Stück mit Rainer (rechts). Installateur Andreas muss es mit anhören. Foto: Yanik Schick

Niederklein. Allein die Konstellation auf der Bühne machte schon viel her: Da war der hoffnungslose Bauer, der mit einer eigenartigen Mischung aus Einsamkeit und Selbstbewusstsein in schlagfertiger Manier auftritt, die Schwester, die schon mal gerne etwas lauter wird. Dazu eine zwielichtige Dame, die zum Ende hin völlig durchdreht, sowie der muntere Opa, der für vieles Augen hat, bloß nicht für seine eigene Gattin. Das Publikum lachte sich schlapp. Knapp 500 Gäste hatten wohl insgesamt den Weg ins Bürgerhaus gefunden, um sich die Komödie am Samstag und Sonntag zu Gemüte zu führen. Darunter auch Pfarrer Peter Bierschenk, der Niederklein grad verlassen hatte.

Am Ende der Aufführungen waren es aber nicht nur die Beobachter, die voller Begeisterung Beifall klatschten. Nein, auch die Schauspieler strahlten von der Bühne herab im Kollektiv. „Der Schlussapplaus hat uns gezeigt, dass wir die Leute offensichtlich zufrieden gestellt haben“, sagte Theater-Urgestein Fritz Gnau erleichtert, „die Stimmung im Publikum überträgt sich auf uns, das merkt man. Und dann geht man eben doch ein Stück weit über seine Grenzen hinaus.“

von Yanik Schick

Gnau selbst hatte zuvor in der Rolle des geschiedenen Bauers Rainer brilliert. Der tritt zu Beginn der Handlung erst einmal mit einem ordentlichen Kater auf die Bühne, weil er am Vorabend beim Kartenspielen mit dem Pfarrer wohl etwas zu tief ins Glas geschaut hat. Für Rainers Schwester Linda (Marion Gnau), die gemeinsam mit ihm und den Eltern auf einem Bauernhof lebt, ist dieser Zustand kaum erträglich. Die wütende und genervte Witwe fasst also den Entschluss, per Heiratsannonce eine passende Frau für Rainer zu suchen. Zeitgleich verliebt sie sich selbst in den Installateur Andreas, gespielt von Wolfgang Gnau, und turtelt mit ihm durch das Haus.

Für Rainer sind diese Zärtlichkeiten zu viel des Guten. Als sich dann auch noch eine hysterische und aufdringliche Frau auf die Anzeige in der Zeitung meldet, hält er es kaum noch aus. Anders sein Vater Herbert (Erwin Grimmel). Der zerstreute Greis scheint, obwohl seine Frau Rosi alias Maria März direkt neben ihm sitzt, großen Gefallen an der deutlich jüngeren Dame gefunden zu haben. Das entgeht auch seiner Enkelin Petra (Kristin Ludwig) nicht.

Nun kommt allerdings noch eine Frau hinzu: Die von Monika Brand gespielte Claudia ist mit ihrem Auto kurz vor dem Bauernhof liegen geblieben und bittet um Obdach. Rainer findet sie auf Anhieb wesentlich sympathischer als die penetrante Fanny (Ursula Schlitt) - das will Letztere nicht auf sich sitzen lassen und buhlt mit aller Macht um Rainers Gunst. Vergebens. Die Lösung hat schließlich doch der Pfarrer (Jan Ludwig) parat, der Fanny beschwichtigt und ihr einen Job als Haushälterin verschafft. „Ich bin begeistert. Das ganze Stück war super, auch die Witze, die die Darsteller gebracht haben“, betonte Zuschauerin Ingrid Hocevar aus Stadtallendorf im Anschluss an die Vorstellung. Sie selbst ist ein großer Fan des Volkstheaters, war am Wochenende aber zum ersten Mal in Niederklein zu Gast.

Hans-Joachim Görge hingegen kennt die Schauspielgruppe nur zu gut. Er selbst hat jahrelang beim Kolpingtheater in Stadtallendorf mitgespielt. „Ich kenne die Arbeit, die dahinter steckt, und muss sagen: Hochachtung, das war eine Spitzenleistung.“

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