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Am Anfang stand die Jugendarbeit

Konrad Hankel im OP-Interview Am Anfang stand die Jugendarbeit

Konrad Hankel wird den Kirchhainern bei offiziellen Anlässen jetzt noch häufiger begegnen. Der Sozialdemokrat ist der neue Erste Stadtrat und damit Stellvertreter des Bürgermeisters.

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Kirchhains Erster Stadtrat Konrad Hankel vor seinem neuen zweiten Arbeitsplatz: dem historischen Rathaus seiner Heimatstadt. Foto: Matthias Mayer

Kirchhain. Nach 100 Tagen im Amt stellte sich Konrad Hankel den Fragen der OP.

OP: Haben Sie lange gezögert, als Olaf Hausmann Ihnen nach 23 langen Jahren im Kirchhainer Magistrat das Amt des Ersten Stadtrats antrug?
Konrad Hankel: Ganz klar gesagt: nein. Ich habe überhaupt nicht gezögert. Olaf Hausmann ist seit 30 Jahren einer meiner politischen Weggefährten. Wir haben zusammen viel erlebt und viel gemacht. Vor diesem Hintergrund ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, den Bürgermeister Olaf Hausmann in seinem neuen Amt zu unterstützen.

OP: Haben Sie nach 100 Tagen im Amt diese Entscheidung schon einmal bereut?
Hankel: Nein, zu keiner Zeit. Die ersten 100 Tage waren nicht ganz einfach. Kurz nach meiner Amtseinführung erkrankte der zu dieser Zeit noch amtierende Bürgermeister Jochen Kirchner. Da musste ich als sein Stellvertreter gleich ran.

OP: Sie wurden also gleich ins kalte Wasser geworfen. Was stand für Sie als stellvertretender Bürgermeister auf dem Programm?
Hankel: Das normale Tagesgeschäft lief weiter. Dazu gehört viel Routinearbeit. Unterschriften-Mappen häufen sich an zu allen Vorgängen der Verwaltung. Durch meine langjährige Mitarbeit im Magistrat sind mir ­diese Vorgänge nicht fremd.

OP: Nach 23 Jahren im Magistrat betreten Sie natürlich kein Neuland. Was macht denn den Unterschied zwischen einem „normalen“ Stadtrat und dem Ersten Stadtrat aus?
Hankel: Das Arbeitsaufkommen macht den großen Unterschied aus. Als Erster Stadtrat ist man täglich in die Arbeit der Stadtverwaltung und in die politische Arbeit des Bürgermeisters eingebunden. Es gibt eine Übereinkunft zwischen Olaf Hausmann und mir, dass wir ganz eng zusammenarbeiten wollen. Schließlich muss ein Erster Stadtrat jederzeit in der Lage sein, das Amt des Bürgermeisters auszuüben. Das geht nur, wenn der Erste Stadtrat über alle aktuellen Vorgänge informiert wird.

OP: Was bedeutet das vom Zeitfaktor her für einen ehrenamtlichen Beamten?
Hankel: Der Arbeits- und Zeitaufwand ist besonders an den Tagen enorm, an denen der Erste Stadtrat den Bürgermeister vertreten muss. Unter einem halben Arbeitstag geht das nicht ab. Ich halte es so, dass ich an diesen Tagen entweder vormittags oder nachmittags ins Rathaus gehe, um das Tagesgeschäft zu erledigen.

OP: Der ehrenamtliche Magistrat ist fast komplett runderneuert worden. Wie hat sich das Arbeitsklima in dem Kollegialorgan entwickelt?
Hankel: Am Magistrats-Tisch sitzen aus dem alten Gremium nur noch der Kollege Peter Ahne und ich. Es wird sich jetzt zeigen, wie der Magistrat unter seinem neuen Vorsitzenden Olaf Hausmann arbeiten wird. In den ersten Monaten der neuen Legislaturperiode haben wir ordentlich und professionell zusammengearbeitet. Natürlich muss man den neuen Kollegen zugestehen, die eine oder andere Frage mehr zu stellen. Dieses Geschäft lernt niemand von jetzt auf gleich.

OP: Der Magistrat tagt hinter verschlossenen Türen, seine Mitglieder sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. So ist es für Stadträte nahezu unmöglich, in der Öffentlichkeit Profil zu gewinnen. Wie schwer ist es für sie als Politiker, sich an dieses Schweigegebot zu halten, wenn im Parlament eine Diskussion völlig an der Sache vorbeiläuft?
Hankel: Im Parlament würde ich sicher gern das eine oder andere Mal aufstehen und zu den Sachverhalt etwas sagen. Das ist schon schwierig, das gebe ich zu. Aber die gesetzliche Lage ist eindeutig. Der Sprecher des Magistrats ist der Bürgermeister. Nur in Ausnahmefällen kann der Bürgermeister ehrenamtlichen Stadträten gestatten, das Wort zu ergreifen. In den Ausschüssen halten wir es in Kirchhain so, dass alle Magistratsmitglieder Sitz- und Rederecht zu allen Punkten haben. Das ist auch gut so.

OP: Sie sind Mitglied der SPD. Welche Grundüberzeugungen haben Sie in die Partei geführt?
Hankel: Soziale Grundüberzeugungen haben mich in die SPD geführt. Meine politischen Interessen entwickelten sich aus der Jugendarbeit in Kirchhain. Wir haben in der Papiermühle einen Jugendclub aufgemacht. Über den Jugendclub und die Schützenjugend kam ich als Delegierter in den Stadtjugendring, dessen Vorsitz ich ziemlich bald übernahm. Damit ergaben sich die ersten Berührungspunkte mit der Stadtpolitik. Ich erinnere mich gut an verschiedene Kämpfe und Meinungsverschiedenheiten, die wir mit den damals politisch Verantwortlichen der Stadt ausgetragen haben. Auf diesem Weg bin ich fast zwangsläufig ins politische Umfeld geraten.

OP: Was sind für Sie „soziale Grundüberzeugungen“?
Hankel: Politik ist gut beraten, wenn sie sich um den sozialen Ausgleich bemüht, wenn sie verhindert, dass die Gesellschaft auseinanderbricht, sich in Gewinner und Verlierer aufteilt. Das sind für mich soziale Aspekte. In Kirchhain gehören für mich ganz klar die Jugendarbeit, unser großes Engagement in der Kinder- und Jugendbetreuung und das Kümmern um alle Bevölkerungsschichten dazu.

OP: Haben Sie von Ihren Grundüberzeugungen schon welche in konkrete Kommunalpolitik umsetzen können?
Hankel: Ja, in ganz erheblichem Umfang. OP: Können Sie dafür Beispiele nennen? Hankel: Ich beschränke mich auf zwei Beispiele. Zu Beginn meiner politischen Aktivitäten stand Jugendarbeit noch längst nicht so im Fokus, wie das heu te der Fall ist. Wir haben erreicht, dass sich die Politik kontinuierlich und aktiv um die Jugendarbeit gekümmert hat. Wir haben erreicht, dass das Jugendzentrum eingerichtet wurde - wenn auch über viele Jahre an verschiedenen Orten. . .

OP: . . . das gab‘s vorher noch nicht?
Hankel: Nein, das gab es vorher noch nicht. Und ich habe mein Scherflein zum Werden des Jugendzentrums beigetragen. Als zweites Thema möchte ich unser Engagement in der Kinderbetreuung nennen. Das ist kreisweit vorbildhaft. Dafür können wir uns schon mal auf die Schulter klopfen. Ohne großes Engagement hätten wir das in dieser Qualität nicht erreicht.

OP: Wo sehen Sie die Stärken ­Ihrer Heimatstadt Kirchhain?
Hankel: Kirchhain hat eindeutig den Charakter einer Wohnstadt. Wir haben im Wettbewerb mit unseren Nachbarstädten dank unserer guten Infrastruktur aus meiner Sicht sehr gute Chancen, den Status Kirchhains als attraktive Wohnstadt zu erhalten und auszubauen. Abseits der bereits genannten Punkte haben wir Schulen, Sporteinrichtungen, Bäder, einen breit aufgestellten Einzelhandel, Fachärzte vor Ort und ein vielfältiges Vereinsleben, das jedem etwas zu bieten hat. Das sind im Zusammenspiel mit der Schönheit der Stadt und ihrer Umgebung gute Voraussetzungen, um sich hier wohl zu fühlen.

OP: Wo sehen Sie ein Defizit?
Hankel: Es ist kein Geheimnis, dass wir bei der Gewerbesteuer den einen oder anderen Euro mehr gebrauchen könnten. Es ist jedes Jahr schwierig, die vielen guten Ideen, die aus der Bevölkerung und der Politik kommen, auch umzusetzen. Oft fehlt die finanzielle Grundlage.
OP: Stichwort Geld: Kirchhain kann es sich möglicherweise nicht leisten, 2,5 Millionen Euro Eigenanteil für die barrierefreie Umgestaltung des Bahnhofs aufzubringen, weil die 2,5 Millionen dem Investitionsvolumen von zwei Haushaltsjahren entsprechen. Macht es bei diesen Rahmenbedingungen noch Spaß, Politik für die Stadt zu machen?
Hankel: Ja. Wir haben jetzt die ersten Vorabplanungen der Bahn gesehen. An diesen muss jetzt kreativ gearbeitet werden. Ich glaube nicht, dass wir Willens und in der Lage sind, 2,5 Millionen Euro in dieses Projekt zu stecken. Wir haben einige innovative Ideen entwickelt. Wir müssen sehen, wo sich Bahn und Stadt am Ende wiederfinden. Wir brauchen ein gutes Ergebnis, denn den Investitionshaushalt für zwei Jahre für dieses eine Projekt lahmzulegen, ist sicherlich keine Option.

OP: Was sollte für Kirchhain bis zum Ende der noch jungen Wahlperiode nach Ihrer Überzeugung erreicht sein?
Hankel: Da kann ich nur auf unser Wahlprogramm verweisen. Wir wollen die Bäderlandschaft erhalten, versuchen, neue Impulse für das Gewerbegebiet Ost zu setzen, wir sehen den Bahnhof als großes Projekt. Wir haben aber auch bei unseren Ortsbegehungen viele Punkte aus den Stadtteilen aufgenommen. Diese Liste liegt auf dem Tisch. Wir werden versuchen, in den Stadtteilen die wichtigsten Punkte umzusetzen. Das ist uns ganz wichtig. „Gemeinsam sind wir stark“ war unser Slogan im Wahlkampf. Der Ausgleich zwischen Kernstadt und Stadtteilen ist uns sehr wichtig.

OP: Bei rund 1,25 Millionen Euro Investitionsmitteln pro Haushaltsjahr und zwölf Stadtteilen kann es nur heißen: Seid umschlungen, Millionen.
Hankel: Es ist nicht einfach. Aber man muss die Menschen mitnehmen, mit den Ortsbeiräten in den Stadtteilen offen erörtern, was können wir und was müssen wir. Und: Wie groß ist die Geldbörse? Auch das ist ein Punkt, der nicht vergessen werden darf.

von Matthias Mayer

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