Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Altlast liegt unter dem Kellerboden

Altlastensanierung Altlast liegt unter dem Kellerboden

In diesem Frühjahr steht in Stadtallendorf noch einmal die Sanierung einer größeren Rüstungsaltlast im DAG-Gebiet an. Für die Arbeiten müssen drei Familien das betroffene Wohnhaus für Monate verlassen.

Voriger Artikel
CDU glaubt an das Potenzial vor Ort
Nächster Artikel
Musiker begrüßen ein besonderes Jahr

Unter großen Zelten wurden in der Vergangenheit Rüstungsaltlasten aus dem Boden geholt. Archivfoto: HIM

Stadtallendorf. Es hat Jahre gedauert, bis die Entscheidung fiel, den Keller eines mehrstöckigen Wohnhauses zu sanieren und damit eine der letzten Rüstungsaltlasten in Stadtallendorf zu beseitigen. Die genaue Adresse des betroffenen Gebäudes halten die HIM GmbH als Sanierungsträger und das Regierungspräsidium in Gießen als Genehmigungsbehörde noch geheim. „Das passiert mit Rücksicht auf die betroffenen Familien“, erläutert Projektleiter Christian Weingran von der HIM im Gespräch mit dieser Zeitung.

Für die HIM, die bereits über Jahrzehnte Sanierungserfahrung in Stadtallendorf verfügt, ist dieses Sanierungsprojekt in mehrerer Hinsicht ungewöhnlich: Erstmals wird in Stadtallendorf innerhalb eines Gebäudes eine Rüstungsaltlast saniert. In der Vergangenheit, bei Bodenarbeiten auf Wohngrundstücken, war es schon nötig gewesen, dass Gebäude komplett „eingehaust“, also mit einem Zelt umgeben werden mussten.

Dieses Mal lassen sich die Arbeiten im Inneren aber nicht vermeiden. Denn das Gebäude steht direkt auf einer Altlast, wer den Keller betritt merkt es nach den Worten Weingrans schon, dass dort etwas nicht normal ist. Das Wohnhaus, in dem laut Regierungspräsidium drei Familien derzeit leben, steht auf Teilen eines MNT-Zwischenlagers des früheren Sprengstoffwerks der Dynamit-Aktiengesellschaft (DAG). Das Kürzel MNT steht dabei für Mononitrotoluol, ein chemisches Vorprodukt des allseits bekannten Sprengstoffes TNT. Mit MNT-Resten hatten es die Saniererer in der Vergangenheit in Stadtallendorf häufig zu tun. Es ist schlichtweg giftig und umweltschädlich. Wie gefährlich der Kontakt mit größeren MNT-Ausgasungen sein kann, zeigte sich, als bei einer Nutzgartensanierung in Stadtallendorf vor knapp zehn Jahren Bauarbeiter bei Kontakt mit dem Stoff verletzt wurden. Niemand hatte seinerzeit damit gerechnet, dass die Arbeiter mit einer allerdings extrem hohen MNT-Konzentration in Kontakt kommen könnten.

Den zu sanierenden Keller dürfen die Hausbewohner nach Angaben von RP-Sprecherin Gabriele Fischer bereits seit Jahren nicht mehr betreten. Um dort zu sanieren, muss das gesamte Gebäude zunächst abgedichtet werden. Erst dann darf die Kellerbodenplatte geöffnet und in einzelne Blöcke zerschnitten werden. Danach gilt es, die eigentliche Rüstungsaltlast zu beseitigen, sprich Boden bis zu einer Tiefe von mehreren Metern auszuheben.

Das Öffnen des Kellers stellt die planenden Ingenieure vor eine zusätzliche Herausforderung: Während aller Bodenarbeiten muss das Gebäude statisch gesichert, also entsprechend abgestützt werden. „Wir müssen sehr kleinteilig arbeiten, die Sicherung des Gebäudes wird kompliziert“, sagt Weingran.

Die drei Familien können während der mehrere Monate dauernden Sanierung nicht in ihren Wohnungen bleiben. Sie bekommen auf Landeskosten Ersatzquartiere. Insgesamt erwartet das RP Sanierungskosten von rund 510000 Euro. Der entsprechende Sanierungsplan wurde bereits im vergangenen Sommer genehmigt.

Bei dem jetzt noch ausstehenden Sanierungsvorhaben handelt es sich um einen „Nachzügler“. Eigentlich sind sämtliche Bodensanierungen im DAG-Gebiet seit Jahren abgeschlossen. Mit „technischen Schwierigkeiten“ und „wirtschaftlichen und sozialen Überlegungen“ begründet das Regierungspräsidium die erst jetzt erfolgenden Arbeiten. „Die Suche nach der richtigen Lösung hat viel Zeit erfordert“, sagt auch Christian Weingran. Nach Abschluss der Arbeiten an dem Wohngebäude steht nur eine Sanierung in der Niederung der Klein an, die laut Weingran voraussichtlich im Jahr 2014 oder 2015 vonstatten gehen wird. Hinzu kommen die Rüstungsaltlasten, die sich noch auf von der Bundeswehr genutzten Flächen befinden.

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr