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Alte Sorten rücken ins Rampenlicht

Erntedank Alte Sorten rücken ins Rampenlicht

Am Sonntag wurde in der Hofreite ein besonderer Erntedank-Gottesdienst gefeiert: Mitglieder der Kirchengemeinde hatten Patenschaften für alte Kultursorten übernommen und präsentierten diese rund um den Altar.

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Die Ausstellung der kultivierten alten Kultursorten stieß während des Erntedankfestes auf großes Interesse. Foto: Karin Waldhüter

Wohra. Im Jahre 2017 jährt sich der Thesenanschlag Martin Luthers zum 500. Mal. Zum Reformationsjubiläum hat die Landeskirche den Wettbewerb „Alte Thesen neu gelesen“ ausgeschrieben, um das Erbe Luthers in das Bewusstsein der Gläubigen zu rufen und in den Gemeinden nachhaltige Projekte anzustoßen.

Die Idee, sich an dem Wettbewerb zu beteiligen und Patenschaften für alte landwirtschaftliche Kultursorten zu übernehmen, stammt von Pfarrer Hardy Rheineck und traf im Kirchenvorstand gleich auf offene Ohren, wie Kirchenvorsteherin Anja Viereckl berichtet. Die Kirchengemeinde Wohra entschloss sich zur Teilnahme und gehörte zu den 95 schnellsten Gemeinden, die für ihre Teilnahme eine Starthilfe von 1000 Euro erhielten.

Mit ihrer Teilnahme will die Kirchengemeinde zum einen auf die Intensivierung der Landwirtschaft hinweisen und darauf, dass immer mehr alte und regionale Kultursorten durch Sorten ersetzt werden, auf die große Agrarkonzerne Lizenzrechte haben. Gleichzeitig soll das Bewusstsein für diesen alten Kulturschatz geweckt werden. Angetreten war die Kirchengemeinde mit dem Ziel, 95 alte Kultursorten zu kultivieren. Ganz hat die Kirchengemeinde ihre Vorgabe nicht geschafft. Zum Erntedankfest präsentierte sie rund um den Altar und in einer großen Ausstellung 80 alte Kultursorten. „Darauf sind wir stolz“, betonte Viereckl. Die Palette reichte von Gemüsesorten über Blumen, Obstbäumen bis hin zu Tierrassen.

Zu sehen waren zahlreiche Kartoffelsorten, wie „Ackersegen“, „Violetta“ oder die „Rote Emmalie“, die neben anderen Pfarrer Rheineck kultiviert hatte. Dazu kamen Gemüsesorten, wie eine besonders große Rote Bete oder der „Atlantic Gigant“, eine Kürbisart, die Familie Welz kultiviert hatte.

Seit diesem Jahr wächst im Pfarrgarten auch wieder eine Mispel und auf dem Hof der Familie Herbst eine ganz besondere Apfelquitte. Einer Hühnerrasse, die auf der Liste für gefährdete Tiere steht, hatte sich Anja Viereckl angenommen und im vergangenen Jahr „Vorwerkhühner“ angeschafft. Auch der Kindergarten „Die Arche“ hatte mitgemacht und einen besonderen Zucchino kultiviert. Die beiden Kartoffelsorten „Linda“ und „Rote Emma“ hatte die sechsjährige Judith Brandau angepflanzt.

„Wir wollen bewusst machen, welche alte Sorten es gibt und man sich nicht nur vom Handel diktieren lassen soll, was man kaufen soll“, unterstrich Wolfgang Hahn vom Kirchenvorstand. Von den Samen der Pflanzen sollen im kommenden Jahr noch mehr Mitglieder der Kirchengemeinde profitieren, auch um Nachhaltigkeit zu gewährleisten, wie Viereckl ergänzt. Mit Hilfe des Startgeldes war der Pflanzensamen gekauft und ein Mittagessen mit Kürbis- und Lauchsuppe und Rosmarinkartoffeln mit Quarkdip für alle Gottesdienstbesucher finanziert worden. „Die ein oder andere Feier wird vielleicht auch noch folgen“, verspricht Viereckl. Die kreativsten Beiträge des Wettbewerbs werden im nächsten Jahr Anfang Mai prämiert. Dann kann die Kirchengemeinde Wohra vielleicht noch mehr gewinnen, denn die Sieger werden mit bis zu 5000 Euro ausgezeichnet.

von Karin Waldhüter

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