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Alte Kaserne steht jetzt im Fokus

Flüchtlingsunterkunft Alte Kaserne steht jetzt im Fokus

An diesem Wochenende erwartet der Kreis noch keine weiteren Flüchtlinge. Vom Land gab es keine Aufforderung, Notquartiere bereitzustellen. Für die Stadtallendorfer Flüchtlinge im Zeltcamp gibt es eine neue Perspektive.

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Dies ist ein Teil der Gebäude, die bis vor wenigen Jahren noch genutzt wurden und in denen Flüchtlinge untergebracht werden könnten.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Es ist ein bundesweiter Wettlauf gegen die Zeit. Überall wird versucht, die Menschen, die in Zelten untergebracht sind, in winterfesten Quartieren unterzubringen. Das gilt auch für die Flüchtlinge im Stadtallendorfer Zeltcamp.

In der vergangenen Woche gab es noch keinerlei erkennbare Perspektive für ein Dauerquartier. Das Innenministerium hatte über das Sozialministerium lediglich erklärt, dass man über Bundeswehrliegenschaften im Gespräch sei (die OP berichtete). Schon da war klar, dass eigentlich nur Gebäude der Hessen-Kaserne in Frage kommen könnten.

Amtshilfeersuchen für zehn Gebäude der Hessen-Kaserne

Inzwischen ist Bewegung in das Thema gekommen. Beim Landeskommando Hessen in Wiesbaden, federführend bei der Zusammenarbeit mit dem Land in Sachen Unterstützung durch die Bundeswehr, liegt ein Amtshilfeersuchen für insgesamt zehn Gebäude der Hessen-Kaserne vor. Dies erklärte Fregattenkapitän Renè Dingeldein, Sprecher des Landeskommandos, auf Anfrage der OP.

Seitens der Bundeswehr steht jetzt lediglich noch die formale Zustimmung des „Kommandos territoriale Aufgaben“ in Berlin aus, mit der sehr kurzfristig zu rechnen ist. Vom Standortältesten, Brigadegeneral Stephan Thomas wie auch vom Kasernenkommandant, Oberstleutnant Friedrich Luchtenberg, gibt es keine Bedenken gegen die Anfrage des Landes.

Wie Luchtenberg auf Nachfrage erläutert, hat es inzwischen sehr konkrete Gespräche zwischen Ministeriumsvertretern und Bundeswehr gegeben. Das Land hat insbesondere an den Unterkunftsgebäuden Interesse, die zuletzt von der aufgelösten ZAW-Betreuungsstelle genutzt wurden. „Sie wurden in den Jahren 2012 und 2013 stillgelegt“, sagt Luchtenberg. Auch frühere Stabsgebäude und weitere frühere Soldaten-Unterkünfte sind in die Planungen einbezogen. Wobei es sich dabei um Gebäude handeln dürfte, die schon sehr lange leerstehen, teilweise seit mehr als zehn Jahren.

Die Bundeswehr selbst wird auf keine Unterkünfte verzichten müssen. Vier Gebäude der Hessen-Kaserne sind derzeit von Soldaten der Division Schnelle Kräfte belegt, einschließlich der Zahnärztlichen Station.

Zaun soll militärischen Teil abtrennen

Derzeit laufen in der Herrenwald-Kaserne auch Bauarbeiten, weshalb die Division wie in der Vergangenheit auf Quartiere in der Hessen-Kaserne zurückgegriffen hat. Nach den bisherigen Planungen will der Bund die Kaserne im Laufe des Jahres 2018 aufgeben, wenn alle Bauprojekte in der Nachbar-Liegenschaft dann beendet sind.

Wie Dingeldein und Luchtenberg erklären, sollen die möglichen Flüchtlingsunterkünfte und der noch militärisch genutzte Teil der Hessen-Kaserne durch einen Zaun voneinander getrennt werden.

Außerdem hat das Land die Nutzung des früheren Wirtschaftsgebäudes der Kaserne beim Landeskommando angefragt. Dort wäre die Versorgung der Flüchtlinge möglich, wenn sich das Gebäude wieder dafür nutzbar machen lässt.

Einen Zeitplan gibt es nach Recherchen der OP noch nicht. Die Sanierungskosten wird das Land, wie bei anderen Flüchtlingsunterkünften für die Erstaufnahme auch, tragen müssen. Deshalb ist auch das Finanzministerium bei derartigen Vorhaben mit eingebunden.

Klar ist aber, dass das Land angesichts der Witterung unter Zeitdruck steht, zumal in der Erstaufnahmeeinrichtung Neustadt inzwischen bereits etwa 1000 der maximal angedachten 1100 Plätze belegt sind.

Wenn also alle Formalien geklärt sind, dann sind das Hessische Baumanagement wie auch Unternehmen besonders gefordert. Bei der früheren Neustädter Kaserne hatte es mehrere Monate gedauert, um die Unterkünfte herzurichten. Angesichts der Zeitknappheit wird die Herausforderung in Stadtallendorf jetzt bedeutend größer ausfallen.

Das hessische Sozialministerium wollte sich am Freitag noch nicht zu entsprechenden Fragen der OP äußern. „Wir sind derzeit mitten in der Planungs- und Konzeptionsphase“, erklärte Sprecherin Esther Walter.

Ursprünglich sollte das Gelände des ehemaligen Mobilmachungs-Stützpunktes in der Scharnhorststraße als Standort für Wohncontainer dienen. Doch diese Überlegungen hatten sich zerschlagen, wie diese Zeitung berichtet hatte. Die Hessen-Kaserne galt aufgrund ihrer abgelegenen Lage und des Zustands zahlreicher Gebäude lange Zeit als ungeeignet für die Flüchtlingsunterbringung. Inzwischen hat augenscheinlich ein Umdenken stattgefunden, mutmaßlich aufgrund der inzwischen eingetretenen Situation.

Unterdessen sucht Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) den weiteren Dialog mit den Bürgermeistern der Städte, in der es Erstaufnahme-Quartiere gibt. Am 12. November ist ein Zusammentreffen in Wiesbaden geplant.

Der Landkreis hat vom Land bis Freitagnachmittag keine Aufforderung erhalten, weitere Notunterkünfte an diesem Wochenende bereitzustellen. Das erklärte Kreissprecher Stephan Schienbein auf Anfrage. Unterdessen billigte der Kreisausschuss in einer Sondersitzung einstimmig das Konzept der Kreisverwaltung, an Standorten in Kirchhain, Dautphe und Wenkbach Leichtbauhallen als Notunterkünfte bereitzustellen.

von Michael Rinde

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