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Alte Bausünden mit bitteren Folgen

Bürgerhaus-Sanierung Alte Bausünden mit bitteren Folgen

Seit Juli ist das Bürgerhaus in Schweinsberg wegen einer Sanierung der Elektro- und Brandschutzanlagen dicht. Bei den Arbeiten gab es eine üble Überraschung bei vollständiger Öffnung der Decken.

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Das Schweinsberger Bürgerhaus ist seit Juli Baustelle. Wie lange die Arbeiten noch dauern werden, lässt sich nicht mehr seriös vorhersagen. Archivfoto

Stadtallendorf. Schon bei der Vorstellung des Sanierungsprojektes im Februar titelte die OP „Tribute an alte Baufehler“. Was sich jetzt bei Öffnen der Zwischendecken im Schweinsberger Bürgerhaus offenbart hat, übertraf alle Befürchtungen bei weitem. Es hätten sich gravierende Mängel bei der Elektrik und den Brandschutzanlagen gezeigt, erklärte Bürgermeister Christian Somogyi auf Anfrage dieser Zeitung. Elektrik und Brandschutz wollte der Eigenbetrieb Dienstleistungen und Immobilien der Stadt ohnehin sanieren.

Die jetzt aufgefundenen Mängel gehen offenbar auf die Bürgerhaus-Aufstockung und Sanierung aus den Jahren 1995 und 1996 zurück. Einzelheiten zu den Bausünden aus der Vergangenheit will Somogyi derzeit nicht nennen. Das hat juristische Hintergründe.

Denn die Stadt hat beim Landgericht Marburg kurzfristig ein Beweissicherungsverfahren für die Mängel beantragt. Eine juristische Auseinandersetzung um möglichen Schadenersatz ist durchaus denkbar. Vorher muss das Landgericht aber entscheiden, ob es einen Gutachter entsendet, der die Mängel untersucht und feststellt. All das hat gravierende Folgen: Klar ist bereits, dass die veranschlagte Bausumme von einst 300000 Euro nicht ausreichen wird. Laut Somogyi rechnet die Verwaltung jetzt mit Kosten von 630000 Euro. Ob es eine Chance gibt, von den mutmaßlichen Verursachern heute noch Geld einzufordern, bleibt dabei abzuwarten. Die eigentliche Gewährleistungsfrist ist nach fünf Jahren abgelaufen. „Doch je nachdem, was ein Gutachter feststellt, könnten hier weitaus längere Fristen greifen“, hofft Somogyi. Die Stadt hat einen Anwalt eingeschalten. Jenes beantragte Beweissicherungsverfahren richtet sich offenbar gegen die planenden Fachbüros, die die Arbeiten auch beaufsichtigt hatten. Ausgang offen.

„Es ist Fakt, dass wir das Bürgerhaus ohne Beseitigung der Mängel nicht wieder öffnen dürfen“, betont Somogyi. Am Montagabend wurde die Betriebskommission des Eigenbetriebs über die Situation informiert. Beschlüsse sind in der Sitzung noch nicht gefasst worden. Die sollen in einer Sitzung am 18. September fallen. Dann will sich die Verwaltung von den städtischen Gremien die Mehrkosten genehmigen lassen. „Unser Wille ist, dass das Bürgerhaus wieder geöffnet wird“, betont Somogyi aus Verwaltungssicht. Hinzu kommt noch ein weiteres Problem: die verrinende Zeit, die für die Zusatzarbeiten noch übrigbleibt.

Eigentlich hatte die Stadt zugesagt, dass die Arbeiten am Bürgerhaus Ende Dezember beendet sein werden. Ob das aber jetzt noch möglich sein wird, steht in den Sternen. Noch will Somogyi die Hoffnung auf Einhaltung des Termins nicht aufgeben. „Doch vieles hängt davon ab, wann sich ein Gutachter die Situation anschaut und bewertet“, sagt er. Danach müsste die Stadt die zusätzlichen Arbeiten an Elektroanlage und Brandschutz auch noch ausschreiben,

Ortsvorsteher Fleischhauerkann nur noch hoffen

Schweinsbergs Ortsvorsteher Adolf Fleischhauer wurde vorab über die Situation informiert. „Ich bin geschockt“, lautet sein erster Kommentar gegenüber der OP. Er hoffe, dass der Zeitplan am Ende doch noch eingehalten werden könne. „Wenn wenigstens der kleine und große Saal und die Nebenräume zum Jahresende fertig wären“, formuliert er seinen Wunsch. Ob der erfüllbar sein wird, wird sich in den nächsten Wochen zeigen müssen. Ab Januar gibt es laut Fleischhauer eigentlich an jedem Wochenende Veranstaltungen im Bürgerhaus. Außerdem benötigen Vereine die Räume für ihre Übungsstunden.

Derzeit haben die Firmen, die im Bürgerhaus arbeiten, noch für etwa zwei Wochen zu tun. Dann müssten sie an Stellen weiterarbeiten, die vorher begutachtet werden müssen. „Je nachdem müssten wir dann die Baustelle vorläufig schließen, wenn wir noch keinen Gutachtertermin haben“, sagt Somogyi.

von Michael Rinde

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