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Als „Papierkönig“ war er chancenlos

Dippels feiern Diamant-Hochzeit Als „Papierkönig“ war er chancenlos

Bei Käthe und Ludwig Dippel dauerte amAnfang alles etwas länger. Inzwischen sind sie seit 60 Jahren verheiratet und sich einig, dass die Zeit wie im Flug verging.

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Katharina, genannt Käthe, und Ludwig Dippel – heute und vor´60 Jahren.

Quelle: Florian Lerchbacher

Neustadt. Wäre Ludwig Dippel noch immer der „Papierkönig“, dann würde er noch heute darauf warten, das Herz seiner Käthe zu erobern. Früher habe sie ihn nämlich nicht leiden können, gibt die 84-Jährige zu. Zahlreiche Dinge seien damals, im Krieg, gesammelt worden: von Knochen über Lumpen bis hin zu Papier - für das eben der kleine Ludwig zuständig war. Immer donnerstags stand der vom Rektor zum „Papierkönig“ ernannte Junge am Eingang der katholischen Volksschule und nahm von jedem Schüler eine entsprechende Abgabe entgegen. Eines Tages hatte die kleine Käthe jedoch ihr Altpapier vergessen. Um von ihrem heutigen Ehemann nicht den Zutritt zur Schule verwehrt zu bekommen, opferte sie ihre Tags zuvor erhaltene Schülerzeitung. „Das hat mir gestunken“, erinnert sie sich heute.

Seine Frau hatte ihn früh durchschaut

Einige Jahre später, der „Papierkönig“ gehörte inzwischen der Geschichte an, fanden die zwei dann langsam zueinander: Zunächst brachte der 19 Jahre alte Ludwig die ein Jahr jüngere Käthe gemeinsam mit einem Freund aus dem Theater nach Hause. Später stattete er ihr dann immer wieder alleine Besuche ab - zunächst mit dem Fahrrad, dann auf dem Roller, später im VW Käfer oder seinem ersten Kleinbus. „Meine Mutter sagte mir: Wenn du dir mal ein Mädchen nimmst, dann sollte es eine Schneiderin sein“, erklärt Ludwig Dippel mit seinem ureigenen Humor, warum seine Wahl im Theater damals ausgerechnet auf die junge Frau fiel, die eine Ausbildung zur Schneiderin machte. Dann gesteht er ein, dass mehr dahinter steckte: „Es gibt innere Dinge, die man nicht beschreiben kann.“

Er jedenfalls machte damals ebenfalls eine Ausbildung und musste genauso wie seine Herzdame täglich mit dem Zug von Neustadt nach Marburg fahren. Wenn er nicht auf dem Dach oder den Puffern saß, versuchte er, neben Käthe Platz zu nehmen. Und dann tat er manchmal so, als würde er einschlafen und lehnte seine Kopf sanft an ihre Schulter. „Da hat man den ganzen Tag von gezehrt“, sagt er und schenkt seiner Frau ein Lächeln - die ihn damals natürlich durchschaute, aber gewähren ließ.

Einige Jahre später, um genau zu sein am 5. Juli 1955, heirateten die beiden. 1956 kam das erste von vier Kindern. 1960 eröffneten sie eine Tankstelle, die sie sechs Jahre später um eine Werkstatt erweiterten - die bis heute zum Autohaus Dippel angewachsen ist.

Pfarrer Hummel kehrt zurück

„Wir haben alles gemeinsam geplant und umgesetzt“, verrät Käthe Dippel das Geheimnis ihrer „langen, wunderbaren Ehe“. „Hand in Hand durchs Leben gehen und keine Geheimnisse voreinander haben“, ergänzt ihr Mann und hebt noch den Glauben und die Liebe zur Familie hervor.

Nicht zu vergessen sind natürlich Rücksichtnahme und Verständnis: Der heutige Ehrenstadtrat Ludwig Dippel hatte zahlreiche Ehrenämter inne und engagierte sich für diverse Vereine. Die Zeit konnte er sich allerdings nur nehmen, weil seine Frau ihm den Rücken freihielt: „Was sollte ich denn auch machen? Die Liebe übersteigt eben alles“, erläutert sie.

Ganz wichtig im Leben des Diamantpaares ist aber auch der Humor, den beide an den Tag legen - nicht umsonst war er 33 Jahre lang Sitzungspräsident der Kolpingfamilie und sie die erste Frau, die bei dem Verein in die Bütt stieg.

Am morgigen Sonntag feiern Käthe und Ludwig Dippel gemeinsam mit ihren vier Kindern, den elf Enkeln, den zwei Urenkeln und vielen Freunden und Verwandten ihre Diamant-Hochzeit. Los geht es um 10.15 Uhr mit einem Dank-Gottesdienst - den Pfarrer Arnulf Hummel hält, der extra für seine Freunde aus der Rhön nach Neustadt zurückkehrt.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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