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Alle Blitzer in Wohratal verschwinden

Unrentabel Alle Blitzer in Wohratal verschwinden

Eigentlich sollte es im Gemeindeparlament nur am Rande um Blitzer gehen. Bürgermeister Peter Hartmann (parteilos) hatte am Dienstagabend aber eine weitreichendere Mitteilung zur Zukunft der vier Säulen.

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In Wohratal hat es sich spätestens im August ausgeblitzt. Archivfoto:Mayer/Montage: OP

Quelle: Mattias Mayer

Wohratal. Alle vier Anlagen in Wohratal sind aus Sicht der Betreiberfirma German Radar weit hinter den unternehmerischen Erwartungen zurückgeblieben. Jetzt sollen sie wieder verschwinden, wie Wohratals Bürgermeister Peter Hartmann am Dienstagabend im Gemeindeparlament überraschend erklärte. „Sie rechnen sich für das Unternehmen nicht, wie man uns mitgeteilt hat“, sagte Hartmann. Bis August sollen die Blitzersäulen abgebaut werden.

Die vier Anlagen in Wohratal, unter anderem an der Grundschule Wohra, in der Auestraße und der Hauptstraße in Halsdorf waren erst Mitte August vergangenen Jahres scharf geschaltet worden. Offenbar hat dieser kurze Zeitraum für das Unternehmen bereits zu der Erkenntnis geführt, dass sie nicht rentabel arbeiten werden. Wohratal gehört zum gemeinsamen Ordnungsbehörden-Bezirk Kirchhain, wo German Radar ebenfalls Säulen stehen hat.

Blitzer ein Minusgeschäft

Für Wohratal wie auch die Städte Rauschenberg und Kirchhain entstanden durch die Blitzer keinerlei Kosten. German Radar übernahm den Aufbau und die Wartung der Geräte. Die Stadt Kirchhain hatte rein ordnungsrechtlich die Federführung und erhielt deshalb von den anderen beiden Kommunen Geld. Wie Bürgermeister Hartmann gestern vorrechnete, verblieben von einem Bußgeld von 15 Euro rund 10 Euro bei German Radar und der Stadt Kirchhain, 5 bei der Gemeinde Wohratal. Die genaue Verteilung wollte Hartmann aus vertragsrechtlichen Gründen nicht nennen. Wie in den anderen beiden Städten gibt es auch für die Wohrataler Anlagen eine Statistik. Spitzenreiter bei den Messungen ist in der Zeit vom 12. August 2013 bis 15. Januar der Blitzer in der Hauptstraße in Fahrtrichtung B 3: Die Anlage schnappte 645 Temposünder in dem Zeitraum. Anders das Bild beim Blitzer Hauptstraße, Fahrtrichtung Auestraße. Dort machte es im gleichen Zeitraum nur 87 Male „klick“ für Autofahrer. Rein rechnerisch waren die Anlagen einschließlich der zusätzlichen mobilen Messungen für Wohratal im Jahr 2013 sogar ein Minusgeschäft.

Unternehmen musste nachrüsten

Die Ausgaben betrugen im angegebenen Zeitraum 28717 Euro, die Einnahmen lagen bei 26090 Euro. In den Ausgaben sind allerdings auch Schulungskosten für Mitarbeiter enthalten. Wohratals Bürgermeister wird in jedem Falle mit gemischten Gefühlen auf die Zeit mit den Blitzersäulen in der Gemeinde zurückblicken. Grund ist die Tatsache, dass die Anlagen in der Bevölkerung auf Ablehnung stießen, was zu teils heftigen Reaktionen aus Sicht Hartmanns führte. „Ich habe da teilweise den Glauben an die Menschheit verloren“, räumte er gegenüber der OP ein. Die Aggressionen mancher Wohrataler auf die Anlagen äußerten sich beispielsweise auch auf den Überweisungen an die Gemeinde. So stand auf einer statt Gemeindekasse „gemeine Kasse“. Ende September besprühten Unbekannte mehrere Säulen mit blauer Farbe, was Reinigungskosten verursachte. Es gab aber auch technische Probleme zu Beginn: Anwohner hatten sich über die Lautstärke der Lüftungen beklagt, weshalb das Unternehmen German Radar nachrüsten musste.

War also alles schlecht in Sachen Blitzern? Nein, sagt Hartmann. Der gewünschte Effekt, die Geschwindigkeitsreduzierung an neuralgischen Punkten, sei aus subjektiver Sicht durchaus eingetreten.

German Radar hat der Gemeinde angeboten, dass sie die Anlagen zum Preis von 3800 Euro pro Monat und Stück von ihr mieten kann. Doch das kommt für Hartmann nicht in Frage, allein schon aufgrund des Defizits im Haushalt. „Ansonsten hätte ich darüber zusammen mit dem Gemeindeparlament zumindest nachgedacht“, erklärt der Kämmerer gegenüber der OP. „Radarfreie Zone“ wird Wohratal auch nach dem Abbau der Anlagen nicht. Denn die Messfahrzeuge werden weiterhin in der Gemeinde im Einsatz sein.

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von Michael Rinde

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