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Aktuell sind es nur noch 64 Flüchtlinge

Erstaufnahmeeinrichtung Aktuell sind es nur noch 64 Flüchtlinge

In den nächsten Wochen entscheidet das Land, welche seiner Erstaufnahmeeinrichtungen dauerhaft genutzt und welche in "Stand-by-Einrichtungen" umgewandelt werden.

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Ein Kind läuft mit einem Eimer durch die Erstaufnahmeeinrichtung. Das Archivfoto entstand im vergangenen Januar.

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Ein von ehrenamtlichen Helfern geplantes Frühlingsfest mit Flüchtlingsfamilien musste ausfallen. In der Stadtallendorfer „Außenstelle der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung“ lebten zu diesem Zeitpunkt nur 100 Flüchtlinge, darunter wenige Familien. Inzwischen sind es noch weniger Menschen, die in den früheren Unterkunftsgebäuden in einem Teil der Hessen-Kaserne leben: Aktuell, Stand Dienstagnachmittag, waren es 64. Zum Vergleich: In Cappel waren es 112, in der Erstaufnahmeeinrichtung Neustadt 774. Diese Zahlen nannte Gabriele Fischer, Sprecherin des RP Gießen auf Anfrage der OP.

Bundes- und landesweit sinken die Flüchtlingszahlen in den ersten Monaten dieses Jahres deutlich. Das hat Auswirkungen. Im Kreis stehen nach wie vor außerdem die insgesamt vier Notunterkünfte in Kirchhain, Wenkbach und Dautphe weiterhin leer. Platz für weitere rund 1000 Menschen. Das Land übernimmt sie vom Kreis derzeit „in sein Portfolio“ (siehe hierzu auch einen Beitrag auf der Seite „Landkreis“) .

Für alle Einrichtungen, gleichgültig ob Notunterkunft oder klassische Erstaufnahme, erarbeitet das Sozialministerium aktuell ein Standortkonzept. Welche Rolle dabei der noch ganz jungen Erstaufnahme in einem Teil der Hessen-Kaserne endgültig zufallen wird, bleibt dabei abzuwarten. Das Konzept soll laut Regierungspräsidium Gießen „in Kürze“ vorgestellt werden.

Minister gab bereits klaren Hinweis

Was wäre unter einer „Stand-by-Einrichtung“ zu verstehen? Eine solche Unterbringung wird nur bei entsprechend hohen Flüchtlingszahlen belegt. Diese Vorgehensweise erlaube es, bei ansteigenden Zugangszahlen möglichst schnell wieder über Unterbringungskapazitäten verfügen zu können und trüge gleichzeitig wirtschaftlichen Gesichtspunkten Rechnung, erläutert Fischer.

Einen ersten Hinweis darauf, dass in Stadtallendorf in nicht allzu ferner Zukunft genau so eine „Stand-by-Einrichtung“ entstehen könnte, gab es bereits. Im OP-Gespräch hatte Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) bereits angekündigt, dass das Land Unterkünfte in der Hessen-Kaserne zumindest so herrichten werde, dass sie jederzeit belegt werden könnten. Zugleich hatte das Land angekündigt, in Stadtallendorf maximal 1000 Erstaufnahme-Plätze in früheren Kasernengebäuden schaffen zu wollen, nicht 1200 wie zunächst geplant.

Seit der Errichtung des Zeltcamps im vergangenen September ist der DRK-Kreisverband Betreiber der Stadtallendorfer Einrichtung. Bei einzelnen Mitarbeitern hat es in den zurückliegenden Wochen bereits etwas Unruhe wegen der zurückgehenden Bewohnerzahlen gegeben - aus Angst um ihre Anstellungen.

Im Regelfall verlassen Flüchtlinge die Erstaufnahmeeinrichtungen in Zeiträumen zwischen vier und acht Wochen. DRK-Sprecherin Susanne Papendorf beruhigte jedoch bereits gegenüber der OP: Die Verträge aller 22 Mitarbeiter wurden zwischenzeitlich zunächst bis zum Februar nächsten Jahres verlängert. Auch wenn aktuell nur noch vergleichsweise wenige Menschen in den Unterkünften leben, so kann das DRK jedoch weiterhin alle Betreuungsangebote weiterhin gewährleisten. Für das Team seien die derzeit niedrigen Belegungszahlen die Möglichkeit dazu, Mehrarbeitsstunden abzubauen.

Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi hat bisher vom Land noch keine Information darüber erhalten, wie es mit der Erstaufnahmeeinrichtung in der nahen Zukunft weitergehen soll. „Wenn es Überlegungen gibt, daraus eine Stand-by-Einrichtung zu machen, so sind wir als Stadt dabei bisher noch nicht eingebunden worden“, erklärt er. Wie viel das Land bisher in die Gebäude in der Hessen-Kaserne investiert hat, ist nicht bekannt. Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich hatte für den ersten Bauabschnitt seinerzeit die Summe von 2,5 bis 3 Millionen Euro genannt. Inzwischen wird der Betrag höher liegen, da das Land mittlerweile weitere Gebäude herrichtete.

VORGESCHICHTE

Mitte September vergangenen Jahres entstand das Zeltcamp innerhalb von Stunden durch Helfer des Katastrophenschutzes auf dem Bundeswehrgelände. Zeitweise lebten dort mehr als 600 Menschen. Nach längerem Vorlauf entschied sich das Land, Teile der Hessen-Kaserne zu übernehmen. Am 20. Dezember zogen rund 500 Flüchtlinge dort ein.

von Michael Rinde

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