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Abschiedsprozess geht in die Endphase

Herrenwaldkirche Abschiedsprozess geht in die Endphase

Alle Hoffnungen, einen Interessenten für das Areal der Stadtallendorfer Herrenwaldkirche zu finden, haben sich bisher zerschlagen. Am 31. Dezember wird sie nun zunächst entwidmet.

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Das Ende der Herrenwaldkirche rückt näher. Foto: Tobias Hirsch

Quelle: Tobias Hirsch

Stadtallendorf. Nein, er habe sich bis vor anderthalb Jahren nicht vorstellen können, dass diese Kirche einmal geschlossen wird, sagt Sören-Helge Zaschke, der unweit der Herrenwaldkirche aufgewachsen ist. Und Zaschke ergänzt nach kurzem Überlegen: „Ich habe mir kein ganz so schnelles Ende gewünscht.“

Bei einer Gemeindeversammlung war vor anderthalb Jahren letztlich die Entscheidung gefallen, die Kirche aufzugeben. Hintergrund waren Sparzwänge, eine teilweise Aufgabe der Gemeindearbeit wäre die Alternative gewesen.

Eines ist in den zurückliegenden Monaten nicht gelungen: einen Interessenten für eine weitere Nutzung des Gebäudes zu finden. Im nächsten Februar ist eine „Zukunftswerkstatt“ zusammen mit einem Städtebauexperten geplant, wie Pfarrerin Stephanie Busch gegenüber der OP erläutert. Vertreter der Gemeinde, der Stadt, aber auch von Vereinen oder der Marburger Universität sollen daran teilnehmen. Bis auf Weiteres wird das Gebäude also in jedem Falle leer stehen. Am letzten Tag dieses Jahres wird Propst Helmut Wöllenstein den Entwidmungs-Gottesdienst halten. Die Herrenwaldkirche ist dann formell kein Gotteshaus mehr. In diesem Frühjahr leitete die Kirchengemeinde ihren „Abschiedsprozess“ von der Kirche ein, unter anderem mit besonderen Gottesdiensten. Zuletzt feierte die Kirchengemeinde in bewährter Weise das Erntedank-Fest. Und dabei haben Zaschke wie auch Busch registriert, dass den Gläubigen inzwischen sehr bewusst ist, dass die Kirchenschließung bevorsteht. Pfarrerin Busch spricht von „Spannung in der Kirchengemeinde“, was Zaschke nur bestätigen kann. „Viele sind mit der Situation höchst unzufrieden“, sagt Zaschke. Aus Sicht von Pfarrerin Stephanie Busch gibt eine große Bandbreite an Reaktionen, von Menschen, die die Kirchenschließung überhaupt nicht bewegt bis hin zu Gläubigen, die sehr betroffen sind und das auch kundtun.

Ein Prozess ist im Gange, inzwischen wird die Herrenwaldkirche mit Ausnahme von Gottesdiensten und dem Konfirmanden-Unterricht kaum noch genutzt. Angebote sind wie vorgesehen Zug um Zug in die Stadtkirche und das Gemeindehaus in der Liebigstraße verlagert worden. Zurzeit noch völlig offen ist die Zukunft des Frauenkreises, der sich über Jahrzehnte hinweg in der Herrenwaldkirche etabliert hat.

Fühlte sich die Kirchengemeinde ausreichend von Landeskirche und Kirchenkreis unterstützt? Pfarrerin Busch betont bei ihrer Antwort, dass es bisher keinen vergleichbaren Vorgang in der Evangelischen Landeskirche Kurhessen-Waldeck gibt, anders als in katholischen Kirchen. „Wir mussten selbst erst erlernen, wie wir damit umgehen sollen“, sagt Busch.

Der nächste „besondere“ Gottesdienst wird am 2. November stattfinden. Dann gibt es einen ökumenischen Motorradgottesdienst der „Motorradfreunde Marburger Land“, die seit 20 Jahren bestehen. Beginn ist um 15.30 Uhr.

von Michael Rinde

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Herrenwaldkirche
Der letzte feierliche Akt in der Kirche: Mitglieder des Gemeindevorstands halten die Gottesdienst-Gegenstände in Händen, Propst Helmut Wöllenstein spricht vor dem bereits leeren Altar. Fotos: Tobias Hirsch

Es war genau 20.08 Uhr am Dienstagabend, als Propst Helmut Wöllenstein im Namen der Landeskirche die unvermeidlichen Worte sprach: "Diese Kirche wird hiermit entwidmet."

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