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Abschied zwischen Wehmut und Freude

Verabschiedung Abschied zwischen Wehmut und Freude

42 Jahre leitete Rita Feldpausch den katholischen Kindergarten St. Michael in Stadtallendorf. Nun übergab sie die Leitung an Verena Nasemann, die sie selbst als kleines Kind betreut hatte.

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Beim Sommerfest konnten die Kinder ausgelassen spielen.

Stadtallendorf. . Genau so hatte es sich Rita Feldpausch gewünscht. Sie wollte alles zusammen feiern: ihren 64. Geburtstag, das Sommerfest im katholischen Kindergarten St. Michael und gleichzeitig auch ihren Abschied. Und so waren die Feierlichkeiten auch ein permanenter Wechsel zwischen Wehmut und Freude. Denn das Haus zu verlassen, welches 44 Jahre Arbeitsstätte und Leben zugleich war, fällt wohl keinem leicht. Zumal, wenn man es auch noch 42 Jahre geleitet hat, und Ideen sowie gesellschaftliche Forderungen gleichermaßen umgesetzt und gelebt hat.

Total überfordert sei sie gewesen, als die damalige Ordensschwester 1973 die Leitung an die damals 22-jährige Rita Feldpausch übergab. „Sie zeichnete sich durch Können, Ausdauer, Fleiß und Geschick im Umgang mit den Kindern aus“, zitierte Diethelm Vogel einen seiner Vorgänger in der Heilig-Geist Gemeinde, der die junge Kindergärtnerin damals zur Leiterin ernannte. „In all den Jahren hast Du mit Stabilität und Kontinuität der Einrichtung ihr Profil gegeben“, sprach er zu dem Geburtstagskind.

Rita Feldpausch: „Jeder Tag war ein Highlight.“

Generationen von Kindern habe sie betreut von denen heute der Nachwuchs auch die Einrichtung besucht. Wohl um die 900 Kinder seien es gewesen. „Jeder Tag war ein Highlight. Die Arbeit mit ihnen war mir immer ausgesprochen wichtig“, so die nunmehr ehemalige Leiterin. Mit fast allen hat sie am Tisch gesessen und gefrühstückt. Sie sei es auch gewesen, die getröstet hat, die ein Pflaster bei kleinen Notfällen geholt hat oder eben den fehlenden Stuhl an den Tisch gestellt hat. „Bei uns Zuhause und sicher auch in vielen anderen Familien ist da immer nur ein Name gefallen“, sagte Fabian Bosold als Elternvertreter in seiner Danksagung. Er überreichte auch das erste Geschenk, einen kleinen Stuhl, mit den Worten. „Damit dein Platz nicht verloren geht. Bis Mittwoch.“

Ja, bis Mittwoch. Denn so ganz verlässt Rita Feldpausch die Einrichtung dann doch nicht. „Das geht auch nicht. Ich würde die Kinder viel zu sehr vermissen“, weiß sie ganz genau. Die 64-Jährige übernimmt das Bücherei-Projekt der Einrichtung und freut sich, dass sie weiterhin mit den Kindern arbeiten kann. „Denn das ist in den letzten Jahren doch sehr zu kurz gekommen“, erinnerte sie sich. Schließlich erlebte sie in den 42 Jahren die Entwicklung der Büroarbeit von der Wachsmatrize und der manuellen Schreibmaschine bis zum Verwaltungsprogramm am Computer. „In der Anfangszeit wurde übrigens unser Gehalt noch in der Lohntüte ausbezahlt“, sagte sie lachend. Eine ähnliche Anekdote hatte dann auch Otmar Bonacker, ehrenamtlicher erster Stadtrat, der den Bürgermeister vertrat. Er erinnerte ein Protokoll von 1980 wo von Rita Feldpauschs Antrag eines Kassettenrekorders und Diaprojektors die Rede war. „Ohne Dich wäre dieser Kindergarten in den letzten Jahren nicht denkbar gewesen“, fügte er noch hinzu.

Verena Nasemann: „Die Messlatte liegt hoch.“

Verena Nasemann, die als Kind in der Einrichtung am Lohpfad von Rita Feldpausch betreut wurde, übernimmt nun die Leitung. 2007, noch am Prüfungstag zur staatlich anerkannten Erzieherin sei sie direkt im Anschluss in die Einrichtung gegangen, um zu arbeiten. „Die Zeit mit den Kindern wird mir fehlen“, ist sich die 31-Jährige sicher. Aber sie freue sich auf die Arbeit mit den Eltern und auch, dass sie das Team, welches ihre Vorgängerin geformt hat, noch einmal neu entdecken kann. In die großen Fußstapfen, die Rita Feldpausch hinterlässt, will sie langsam hineinwachsen: „Die Messlatte liegt hoch.“

Doch Rita Feldpausch erinnerte an einen ganz wichtigen Baustein: „Als Leiterin kann man seinen Auftrag natürlich nur dann erfüllen, wenn die Gesamtkomposition funktioniert.“ Und damit meinte sie ihre Kollegen, die sich in den letzten Wochen und Monaten so manch eine Überraschung für den großen Tag der „Chefin“ überlegt hatten. „Wir haben viele, zum Teil sehr spezielle Situationen, bewältigt. Dafür danke ich euch, auch für euer Verständnis für meine Eigenheiten.“ Zur Erinnerung gab es einen Relaxsessel mit Liegefunktion in dem sie nun die 44 Jahre von St. Michael Revue passieren lassen kann.

von Katja Peters

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