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Abschied von einem Stück Dorfkultur

Adé Abschied von einem Stück Dorfkultur

Am Sonntagabend endete nicht nur ein Stück Dorfkultur, sondern auch ein Stück gelebte Gemeinschaft: Mit einem feierlichen Abschiedsgottesdienst ging nach 37 Jahren die Ära des Evangelischen Frauenchors Hatzbach zu Ende.

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Mit einem Segenslied verabschiedete sich der Frauenchor Hatzbach für immer von der Gemeinde. Foto: Karin Waldhüter

Hatzbach. „Schön, dass die Kirche zum Abschiedsgottesdienst so voll ist und so viele gekommen sind, um dem Frauenchor Dank und Anerkennung auszusprechen“, erklärte Pfarrerin Anja Fülling. Gott mit Liedern zu loben, dass sei die wichtigste Aufgabe des Frauenchors gewesen, erklärte Fülling.

Und so hatten die Mitglieder des Frauenchors für ihren letzten Auftritt vier ihrer Lieblingslieder ausgesucht und einstudiert. Neben dem schön gestalteten „Ave Maria“ und dem gefühlvoll vorgetragenen „Ich bete an die Macht der Liebe“ präsentierten die 17 Mitglieder des Frauenchors „Dir Herr wollen wir singen“ und zum Abschluss „Segne mich Herr segne mich“. Auch für Chorleiter Johannes Berger, der dem Chor zehn Jahre lang vorstand, war dies der letzte Auftritt. Umrahmt wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor Hatzbach, der erstmals von Magdalene Hainmüller geleitet wurde.

Am 20. Oktober 1976 hatte sich der Frauenchor Hatzbach mit 27 Sängerinnen gegründet. Chorleiter Heinrich Immel hatte sich bereit erklärt, neben dem Männerchor auch den Frauenchor zu dirigieren. Fehlender Nachwuchs, die allmähliche Überalterung des Chores und gesundheitliche Gründe hatten letztendlich zum Auflösungsbeschluss geführt.

Pfarrerin Anja Fülling würdigte in ihrer Predigt das Engagement des Chors und erinnerte an das Wirken des Frauenchors, das weit über das Singen hinausging. Der Chor begleitete nicht nur kirchliche Anlässe wie Ostern, Erntedank, Himmelfahrt, Weihnachten und die Adventszeit, sondern auch private Feiern wie Geburtstage, Jubiläen und Feste im Dorf.

Der Chor beschränkte sich nicht allein auf seinen musikalischen Auftrag. Unzählige Feste bestritt der Chor mit, führte an Dorfabenden kleinere Stücke auf, richtete die Kirmes aus, dekorierte für Feste und Jubiläen, bereitete Basare vor, brachte sich beim Weihnachtsmarkt und Fasching ein, beteiligte sich am Hessentag, an zwei großen Dorfjubiläen, unternahm 22 gemeinsame Fahrten und erkundete deutschlandweit verschiedene Ziele.

Unzählige Kuchenund 3300 Chorstunden

„Sie haben eine Unmenge von Kuchen gebacken und waren immer hilfreich zur Stelle“, betonte Fülling. „3 300 Chorstunden mit Chorgesang und Auftritten haben sie bestritten“, rechnete Fülling vor. „Ihr Chorgesang und Ihr Engagement haben diese Kirchengemeinde und dieses Dorf reicher gemacht“, sagte Fülling.

Mit bewegenden Worten dankten Stefan Seckinger vom Kirchenvorstand und Brigitte Lerch, die im Namen aller Vereine das Wort ergriff. Sie überreichte zum Abschied an die Vorsitzende des Frauenchors, Brunhilde Bötel, ein Foto des Chors, das einen würdigen Platz im Bürgerhaus erhalten soll. „Der heutige Tag ist eine Zäsur in der Geschichte unsres Dorfes, denn ein Chor löst sich auf. Wir werden Euch vermissen“, sagte Lerch.

„Mit dem heutigen Tag geht eine lange Ära zu Ende“, erklärte Ortsvorsteher Frank Drescher. Der Frauenchor sei ein „Aushängeschild des Ortes“, so Drescher. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass es gelinge, Mitbürger für den Chorgesang zu begeistern. Er appellierte an die Gottesdienstbesucher, dazu beizutragen, einen Chor auf die Beine zu stellen.

Zuversichtliche Worte fand Bezirkskantor Peter Groß. Er hatte den Chor elf Jahre lang geleitet. „Der musikalische Samen, den sie gelegt haben, wird nach einer Zeit des Innehaltens Früchte tragen“, erklärte er. Eine lange Freundschaft verbindet den Frauenchor Hatzbach mit Emsdorf. Otti Garg, Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Emsdorf, war mit den Sängerinnen des Kfd-Frauensingkreises nach Hatzbach gekommen. Dessen Leiterin Ursula Lembach lud die Hatzbacherinnen ein, im Singkreis mitzusingen.

Anschließend traten beide Chöre erstmals gemeinsam auf. Der lang anhaltende Applaus der Gottesdienstbesucher begleitete den Hatzbacher Chor bei dessen letzten Auszug aus der Kirche.

von Karin Waldhüter

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