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Abschied von der "ersten Liebe"

Kirchspiel Halsdorf Abschied von der "ersten Liebe"

Nach mehr als 15 Jahren verlässt Pfarrer Matthias Weidenhagen das Kirchspiel Halsdorf/Albshausen/Burgholz. Er wechselt zur Gießener Lukasgemeinde.

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Pfarrer Matthias Weidenhagen schließt die Tür zur Halsdorfer Kirche zu.

Quelle: Michael Rinde

Halsdorf. Natürlich gebe es Trennungsschmerz, bekennt Pfarrer Weidenhagen. Der sei in seiner Familie gerade besonders groß. Weidenhagen und seine Frau Celia haben sechs Kinder, die allesamt in Halsdorf groß geworden sind. „Sie haben hier alle ihre Heimat gefunden“, sagt der 45-jährige Seelsorger. Bei ihm selbst gibt es den Trennungsschmerz natürlich auch. Wobei Weidenhagen im Moment vor allem die neue Aufgabe im Blick hat. „Mit 45 Jahren hat mich es mich einfach gereizt, noch einmal eine Herausforderung zu suchen“, sagt er. Bei seiner ersten Pfarrstelle überhaupt trug er fünfzehneinhalb Jahre lang die Verantwortung für drei Kirchengemeinden. Jetzt wird es eine einzelne sein, in einer größeren Stadt.

Bisher ist er für 1130 Gemeindemitglieder zuständig. Der scheidende Pfarrer schätzt, dass er 90 bis 95 Prozent von ihnen im Laufe der Jahre persönlich kennengelernt hat. „Der Draht zu den Menschen war sehr eng, aber drei Gemeinden zu betreuen ist mitunter natürlich auch anstrengend“, sagt er. Bei dieser Gelegenheit lobt er im Gespräch mit der OP den engen Draht, der sich zu seinen Kollegen aus den umliegenden Kirchspielen entwickelt hat. „Die Zusammenarbeit mit den Kollegen läuft ganz toll“, sagt Weidenhagen. Zugleich hebt er hervor, wie sehr ihn der ehrenamtliche Einsatz von Gemeindemitgliedern immer wieder begeistert hat. Er nennt als Beispiel die Renovierung des Pfarrheims in Halsdorf, das beim Einzug der Familie im Mai 2001 doch einigen Sanierungsbedarf hatte. Eigentlich war kein Geld da, um das Haus zu verschönern. Dann machen wir es eben selbst, habe der damalige Kirchenvorsteher von Burgholz, David Kase, spontan gesagt. Ein Beispiel unter vielen, von denen Weiden­hagen berichtet.

Viele bewegende Erlebnisse in seinen drei Gemeinden

Was bleibt ihm von seiner ersten Pfarrstelle in Erinnerung? Zunächst stellt er fest, dass die erste Pfarrstelle immer wie die erste Liebe empfunden werde. „Die vergisst man nie“, hebt er hervor. Die „GoSpecial“-Gottesdienste fallen ihm spontan ebenso ein wie die ständig größer werdenden Konfirmanden-Camps. Herausragend war die Kirchensanierung in Halsdorf, das Gemeindejubiläum in Burgholz oder auch der Regionalgottesdienst an der Wambach. Das waren Ereignisse, die den Seelsorger Weidenhagen in Erinnerung bleiben. „Wir haben uns alle hier sehr, sehr wohl gefühlt. Wir haben sehr herzliche, freundliche Menschen erlebt. Das werden wir alle nie vergessen“, spricht er für seine ganze Familie, die schon in den Umzugsvorbereitungen steckt. Zum 1. November verlässt Weidenhagen das Kirchspiel offiziell. Dann übernimmt Pfarrer Helmut Golin die Vakanzvertretung für ihn mit einer halben Stelle.

Doch wie geht es mit dem Kirchspiel Halsdorf/Burgholz und Albshausen weiter? Hermann Köhler, Dekan des Kirchenkreises, muss das zunächst noch offen lassen. Denn gemäß des Schlüssels der Landeskirche Kurhessen-Waldeck für Pfarrstellen je Gemeindemitgliederzahl muss der Kirchenkreis eine halbe Pfarrstelle bis Ende nächsten Jahres einsparen. Grund sind sinkende Gemeindemitgliederzahlen. Das trifft die Kirchspiele Halsdorf, außerdem Josbach mit den Gemeinden Wolferode und Hatzbach, und Wohra mit den Gemeinden Langendorf und Hertingshausen. Am Ende könnten zweieinhalb Pfarrstellen für neun Gemeinden stehen, wie Köhler gegenüber der OP erläutert. „Der Beratungsprozess wird im Spätherbst beginnen“, sagt Köhler.

Über Vorschlag muss noch entschieden werden

Zunächst hat er vorgeschlagen, die Halsdorfer Stelle hälftig aufzuteilen, eine Hälfte für die Gemeindearbeit in Halsdorf, die zweite Hälfte für die Arbeit in der Geschäftsführung des künftigen Zweckverbands Kindertagesstätten (die OP berichtete). Über seinen Vorschlag müsse zunächst in Halsdorf entschieden werden. Kommissarisch werde Pfarrer Hardy Rheineck die Geschäftsführer-Tätigkeit mit einer halben Stelle übernehmen. Dafür bekomme er während dieser Zeit Unterstützung von Pfarrer Martin Jung aus Gemünden (Wohra).

Matthias Weidenhagen selbst will natürlich verfolgen, wie es in seinem Kirchspiel weitergeht. Offen wirbt er für Zusammenarbeit. „Sie ist etwas Schönes“, sagt er.

  • Pfarrer Matthias Weiden­hagen wird am 6. November um 17 Uhr in der Halsdorfer Kirche verabschiedet.

von Michael Rinde

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