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Abscheu, Entsetzen und Solidarität

Stadtallendorf Abscheu, Entsetzen und Solidarität

Der Lobbygang zwischen Stadthalle und Rathaus leuchtet in den Abendstunden in den französischen Nationalfarben. Es ist eines der weltweiten Symbole der Solidarität mit Frankreich.

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Die Gemeinde der Fatih-Moschee hat sehr deutlich auf die Attentate von Paris reagiert und fordert dazu auf, sich von islamistischem Terror nicht einschüchtern zu lassen. Archivfoto: Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Sie reagieren in diesen Tagen nicht anders als alle übrigen der zivilisierten Welt: mit Entsetzen, Unverständnis, Angst oder Abscheu. Muslime aus Stadtallendorf äußerten sich deutlich im Gespräch mit der OP über die Terroranschläge in Paris am vergangenen Wochenende oder auch über die Absage des Länderspiels Deutschland gegen die Niederlande am Dienstagabend in Hannover.

Ganz offiziell hatte das der Vorstand der Gemeinde der Fatih-Moschee schon am Sonntagmorgen getan, bei der Gedenkstunde zum Volkstrauertag am Ehrenmal neben der Stadthalle. Hodscha (Imam) Mahmut Sanal hatte stellvertretend eine Erklärung verfasst. Ein Schüler der Georg-Büchner-Schule hatte sie verlesen. Es ist das zweite Mal, dass die Fatih-Moschee eine solche Erklärung abgibt, das erste Mal war es im Januar, anlässlich der Anschläge von Paris auf das Satiremagazin Charlie Hebdo.

Diesen und allen Terroristen entgegenstellen

Die Fatih-Moschee verurteilt die Angriffe in dieser Erklärung auf das Schärfste und wählt klare, unmissverständliche Worte: „Wir dürfen nicht schweigen. Deutlich müssen wir uns diesen und allen Terroristen entgegenstellen und deutlich machen, dass wir als Gesellschaft stark genug sind, um uns nicht von ihnen einschüchtern zu lassen.“

Vertreter der muslimischen Gemeinde nahmen, ein Novum, aus Zeichen der Solidarität am Sonntag auch am Gedenkgottesdienst beim Volkstrauertag in der Stadtkirche teil. Bei der Feierstunde an sich hatte der Terroranschlag in Paris mit derzeit 129 Opfern eine zentrale Rolle gespielt, auch in der Rede von Divisionskommandeur Generalmajor Andreas Marlow.

Mohammed Bensir und seine Frau wohnen derzeit in einem der Zelte des Camps in Stadtallendorf. Bensir stammt aus Syrien, ist Muslime. „Monster“ nennt er im Gespräch mit der OP die Attentäter, wünscht sich für sie die „gerechte Strafe“, so lassen sich seine in englischer Sprache geäußerten Worte übersetzen.

Dank Smartphones bstens nformiert

Ja, im Camp werde viel über das Thema gesprochen, auch Tage nach den Anschlägen noch, berichtet ein aus Persien stammender 26-Jähriger. Er ist Christ, sah sich deshalb im Iran der Verfolgung ausgesetzt. Jetzt wartet er darauf, seinen Asylantrag stellen zu können. Dank Smartphones sind die Flüchtlinge dort sehr genau im Bilde über die Ereignisse in dieser Welt. Dabei flammt zumindest bei dem 26-Jährigen auch eigene Angst auf. „Werden wir jetzt als Flüchtlinge alle und immer mit misstrauischen Gedanken im Kopf angeschaut?“, fragt er selbst.

Er hat wahrgenommen, dass es in Deutschland sehr wohl Diskussionen über den Umgang mit Flüchtlingen, die Asylpolitik und die öffentliche Sicherheit gibt. Er selbst hat spontan nach dem Gottesdienst am Sonntag auch an der Feierstunde am Ehrenmal teilgenommen. Der 26-Jährige zählt zu den Campbewohnern, die auch in der Kleiderstube bei der Annahme und dem Sortieren helfen.

Ablehnung von Terror und Gewalt gilt generell

Ein äußeres Zeichen der Solidarität mit Frankreich hat auch die Stadtverwaltung gesetzt, am Montag, ganz spontan und ohne große Rücksprache. Seitdem strahlen die französischen Nationalfarben im Lobbygang zwischen Stadthalle und Rathaus. An der Herrenwaldkaserne weht die Trikolore, auch eine besondere Geste in Richtung der französischen Partner.

Hodscha Sanal hat die Erklärung der Gemeinde der Fatih-Moschee bewusst nicht auf die Opfer der Anschläge von Paris beschränkt. Die Ablehnung von Terror und Gewalt gilt generell. In Richtung der islamistischen Terroristen wird Sanal deutlich: „Allah ist nicht ihr Verbündeter, gar keine Religion kann dies rechtfertigen oder legitimieren. Er (Allah) ist ihr Gegner.“

Der 26 Jahre alte Flüchtling aus dem Iran lebt in einem Zehn-Personen-Zelt, zusammen mit Muslimen aus Syrien und anderen Ländern. „Unter uns hat es noch keinen Streit über Religion gegeben“, sagt er.

von Michael Rinde

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