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Abkehr von der Kriegsrhetorik

Bauarbeiten am Aldi-Markt in Mardorf Abkehr von der Kriegsrhetorik

Am Mittwoch wurde am Erweiterungsbau des Mardorfer Aldi-Markts nicht mehr gearbeitet - zumindest nicht von Außen. In den Tagen nach der Eilentscheidung des Gießener Verwaltungsgerichts war das anders.

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Gestern waren am Mardorfer Aldi-Markt keine Bauarbeiten zu sehen. Der Anbau ist jetzt komplett geschlossen.

Quelle: Matthias Mayer

Mardorf. Da wurde an dem kleinem Anbau noch gewerkelt, was im benachbarten Homberg/Ohm hohe Wellen schlug. Schließlich hatte die Stadt Homberg/Ohm in einem Eilverfahren vor dem Gießener Verwaltungsgericht obsiegt. Die Stadt hatte gegen die vom Landkreis Marburg-Biedenkopf am 10. März dieses Jahres erlassene Baugenehmigung geklagt.

Der Grund: Die Stadt Amöneburg hätte sich wegen der Abweichung von den Zielen des gültigen Regionalplans zur Schaffung von weiteren Einzelhandelsflächen in Mardorf mit der Nachbarstadt Homberg abstimmen müssen. Das geschah jedoch nicht, so dass die Stadt Homberg bereits am 29. Januar dieses Jahres gegen die Zielabweichungsbescheid klagte. Davon wiederum wurde der Landkreis nicht in Kenntnis gesetzt.

Mit dem Verstoß gegen das Abstimmungsgebot hatte die Erste Kammer des Gießener Verwaltungsgerichts ihre Eilentscheidung begründet - und dies nach Überzeugung des Landkreises als Genehmigungsbehörde völlig zurecht. Wenn das Kreisbauamt vorher von dieser Unterlassung gewusst hätte, wäre die Baugenehmigung niemals erteilt worden, hatte Kreispressesprecher Dr. Markus Morr gegenüber dieser Zeitung erklärt. Und zugleich angedeutet, dass der Kreis gar nicht daran denke, gegen die Eilentscheidung Beschwerde einzulegen.

Arbeiten sind kein Verstoß gegen Baustopp

Damit stand der Baustopp unmittelbar im Raum. Gleichwohl wurde trotz der jüngsten Arbeiten an dem Anbau gegen den Baustopp nicht verstoßen. Der Bauherr habe nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, Sicherungsarbeiten an der Baustelle vorzunehmen, erklärte Dr. Markus Morr gestern im Gespräch mit der OP. Außerdem dürfe der Bauherr unbeschränkt an dem Teil der Erweiterung arbeiten, der Gegenstand des ersten und nicht beklagten Bauantrags sei.

Hintergrund des bizarren Nachbarschaftsstreits: Die Stadt Homberg hatte sich offenbar verzockt, als sie der Firma Aldi die Verlagerung ihres Homberger Marktes auf die grüne Wiese verweigerte. Aldi gab darauf ihre für den Discounter zu kleine Filiale in Hombergs Stadtmitte auf. Deshalb sehen maßgebliche Kreise auf dem Berg das Vorgehen der Nachbarn von der anderen Ohmseite als puren Racheakt an.

Derzeit scheint die Stadt Amöneburg dieser Kriegsrhetorik abzuschwören. Möglicherweise auch unter dem Eindruck der juristischen Niederlage soll über eine Resolution versucht werden, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen. Die Resolution soll am Dienstag, 8. September, ab 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Amöneburger Rathauses beraten werden.

Das Gesetz steht auf Seiten der Homberger

In dem Entwurf heißt es: Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Amöneburg appellioert an die Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung und an den Magistrat der Stadt Homberg/Ohm, den Widerspruch gegen die Baugenehmigung vom 10. März 2015 zur Erweiterung des Aldi-Marktes in Amöneburg-Mardorf zurückzunehmen. Dieser Appell ist mit dem ausdrücklichen Wunsch verbunden, dass die Stadt Homberg/Ohm das Angebot einer interkommunalen Nahversorgungskonzeption über Gemeindegrenzen hinweg annimmt.

Steigt bald der weiße Rauch der Friedenspfeifen über dem Ohmtal auf? Diese Frage bleibt vorläufig unbeantwortet. Hombergs Bürgermeister Professor Béla Dören weilte gestern noch im Urlaub und war deshalb für ene Bewertung des Resolutionsentwurfs nicht zu erreichen.

Die Homberger sind in dieser Sache in einer starken Position, haben das Gesetz auf ihrer Seite. Dennoch kann ein Nachgeben letztlich auch aus Homberger Sicht nicht ganz falsch sein. Denn unter Nachbarn sieht man sich im Leben deutlich häufiger als zweimal wieder.

von Matthias Mayer

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