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Ab Herbst soll die Sonne Häuser wärmen

Bioenergiedorf Ab Herbst soll die Sonne Häuser wärmen

"Wir haben uns Zeit gelassen, weil wir alles richtig machen wollten - und mehrfach umgeplant", gibt Ortsvorsteher Karlheinz Kurz zu. Doch nun ist der Weg Richtung Bioenergiedorf nicht mehr weit.

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Die Stimmung war gut, als die Mengsberger Energiegenossen bei der Firma Viessmann in Allendorf / Eder den Vertrag mit dem Generalunternehmer unterzeichneten.Privatfoto

Mengsberg. Im November wollen Mengsbergs Bioenergiegenossen bereits rund 50 Haushalte im Dorf an ihr Nahwärmenetz angeschlossen haben und diese über Energie der Sonne heizen. Dabei ist es erst wenige Tage her, dass die Vorstandsmitglieder Karlheinz Kurz, Klaus Schwalm, Susanne Wilhelm und Thomas Theis sowie Aufsichtsratsvorsitzender Harald Trümner und Aufsichtsratsmitglied Thorsten Samsa in Begleitung von Bürgermeister Thomas Groll, Bauamtsleiter Thomas Dickhaut und Klaus Pfalz von der VR-Bank HessenLand bei der Firma Viessmann waren, um den Vertrag mit den Allendorfern als Generalunternehmer zu unterzeichnen. Vorgesehen ist, ein rund 3000 Quadratmeter großes Solarthermiefeld samt Heizzentrale mit Holzhackschnitzelanlage und einem Biogaskessel sowie ein rund 9,2 Kilometer langes Nahwärmenetz zu bauen.

Georg Stegemann und Marco Ohme, der Projektleiter Bioenergiedörfer der Firma Viessmann, sprachen von einem guten Tag für Mengsberg und das Unternehmen. Am Ende eines langen Weges stehe ein erfolgreicher Abschluss, gemeinsam gehe es nun an die Umsetzung des Vorhabens. Ohme freute sich über konstruktive Gespräche und das Vertrauen der Mengsberger in die Firma Viessmann, lobte Vorstand und Aufsichtsrat der Bioenergiegenossen - und bekam Komplimente zurück: „Die Zusammenarbeit war hervorragend. Bei dieser Weltfirma sind wir in sicheren Händen. Die Mitarbeiter von Viessmann waren sehr geduldig mit uns, schließlich haben wir immer wieder umgeplant. Wir wollten nicht schnell und verkehrt zum Bioenergiedorf werden, sondern langsam und richtig. Und Viessmann hat unsere Veränderungen an den Plänen immer wieder aufgenommen und das Konzept angepasst“, stellte Karlheinz Kurz, Vorstandsmitglied der Bioenergiegenossen und Ortsvorsteher in Personalunion, im Gespräch mit dieser Zeitung heraus.

Eine der markantesten Änderungen: Ursprünglich hätten sie mit einem 10000 Liter fassenden Ölkessel als Redundanzkessel geplant. Sprich: In Spitzenlastzeiten oder anderen Ausnahmefällen wäre selbiger angesprungen, damit es die Mengsberger weiterhin wohlig warm in ihren Häusern haben. „Aber ein Bioenergiedorf, das auf Öl zurückgreift? Das geht gar nicht“, betonte Kurz und freute sich, dass eines Tages ein Konzept mit einem Biogaskessel auf dem Tisch lag.

Rund vier Jahre ist es nun her, dass die Mengsberger - im Kreis bekannt für zahlreiche Solaranlagen auf ihren Dächern - während ihrer Erfolgsgeschichte im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ auf die Idee kamen, Bioenergiedorf zu werden. In der Folge besuchten sie mehrere Dörfer, die bereits auf regenerative Energien beim Heizen zurückgriffen. „Viessmann kam dann auf die Idee, die Sonne anzuzapfen und auf Solarthermie zu setzen“, erinnert sich Kurz. Eine Machbarkeitsstudie fiel positiv aus - und am Ende einer langen Planungsphase stand das Vorhaben, deutschlandweit das mit 3000 Quadratmetern größte Solarthermiefeld in Genossenhand zu bauen. Mit einer Hackschnitzelanlage und (letztendlich) einem Biogaskessel als Notfallreserve für besonders kalte, dunkle Tage.

Ein Vorteil der relativ langen Planungsphase sei, dass es mittlerweile 30 Prozent mehr Fördermittel gebe, freut sich Kurz: Die Gesamtinvestition der Mengsberger beläuft sich auf 5,4 Millionen Euro - 1,9 Millionen Euro kommen aus Zuschüssen. Für 80 Prozent der Summe bürgt die Stadt, die im Fall der Fälle die Anlagen übernehmen würde. „Innerhalb von 25 Jahren sind unsere Schulden abbezahlt“, kündigt der Ortsvorsteher an. Doch schon in 10 bis 15 Jahren könnten die Genossen den Wärmepreis reduzieren, weil die Rückzahlungen geringer werden: „Für die Zukunft ist das optimal. Vor allem, weil uns Genossen alles gehört und wir entsprechend auch den Preis bestimmen - das war uns immer wichtig“, ergänzt Kurz.

10,5 Cent soll die Kilowattstunde kosten. 138 Abnehmer gibt es bereits - unter ihnen auch Stadt und Landkreis, die ihre Gebäude in Mengsberg wie das Hallenbad, die Schule oder das Feuerwehrgerätehaus anschließen. Noch besteht für Bürger übrigens die Möglichkeit, ebenfalls zum Genossen zu werden und am Bioenergieprojekt teilzuhaben.

In der kommenden Woche ­sollen die Arbeiten am Nahwärmenetz beginnen. Los geht es am vorgesehenen Standort von Thermiefeld und Heizzentrale („Am Berg“). Der erste Abschnitt, der etwa bis zum Feuerwehrhaus reicht, soll im November abgeschlossen werden. Für August ist der Baubeginn von Solarthermiefeld und Heizzentrale geplant, sodass Ende Herbst in rund 50 Gebäuden bereits über Bioenergie geheizt werden kann. Der Rest soll, so Kurz, bis November 2018 fertiggestellt werden.

Besonderes Lob lässt der Ortsvorsteher noch der Stadt Neustadt für „hervorragende Zusammenarbeit und ihre Unterstützung“ zukommen. Diese hatte den Genossen unter anderem bei der Bauleitplanung unter die Arme gegriffen, die erwähnte Bürgschaft gewährt und Land verkauft, damit die Mengsberger den Bau der Heizzentrale verwirklichen können.

Bürgermeister Thomas Groll gratulierte den Mengsbergern zu ihrem „mutigen Schritt“. „Fast sechs Millionen Euro werden in den kommenden beiden Jahren investiert. Ihr habt die Goldmedaille beim Bundeswettbewerb nicht nur für die Vitrine gewonnen, sondern geht daran, eure damaligen Ziele umzusetzen. Das ist der richtige Weg. Euer Dorf hat wirklich Zukunft .“

Dass Groll von sechs Millionen Euro spricht, Kurz jedoch von 5,4 Millionen Euro, hat einen Grund: Der Vertrag mit Viessmann beläuft sich auf den zweiten Wert, die Genossen plane jedoch weitere, vom Vertrag unabhängige Projekte, zum Beispiel wollen sie eine Lagerhalle für die Hackschnitzel und einen Schulungsraum an die Nahwärmezentrale bauen.

von Florian Lerchbacher

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