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A 49 wird zum Jahrhundertprojekt

Lückenschluss im Schneckentempo A 49 wird zum Jahrhundertprojekt

Gut Ding will Weile haben. Lässt sich diese Volksweisheit auch auf den Straßenbau übertragen, wird die A 49 - sollte sie tatsächlich vollendet werden - die beste Autobahn der Welt.

Der 9. Senat des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig wies am 24. April 2014 die Klage von BUND und Nabu gegen den Bau der A 49 zwischen Stadtallendorf und Gemünden/Felda ab.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Die ersten Überlegungen zum Bau der Straße stammen aus der automobilen Steinzeit, liegen mehr als 90 Jahre zurück. Erste Planungen gab es bereits 1929. In den 70er Jahren, also vor einem halben Menschenleben, konkretisierte sich die Planung. Zu den Zeiten, als Professor Kurt Kliem noch Landrat des Landkreises Marburg-Biedenkopf war, fasste die Regionalversammlung den raumordnerischen Grundsatzbeschluss für den Korridor der Trasse. „Wann die Bagger anrollen, kann man heute noch nicht seriös sagen“, erklärte der Landrat in sehr weiser Voraussicht nach dem als historisches Ereignis gefeierten Beschluss.

Kammmolch-Population macht der Trasse den Garaus

In den 90er Jahren präsentierten die Straßenplaner die Variante „Herrenwald West“ als genehmigungsfähige Trasse. Ein gutes Stück abseits von Marburg und relativ nah dran an der A 5, dafür aber vor der Haustür des Industriezentrums Stadtallendorf mit seinen 16000 Arbeitsplätzen. Die Kammmolch-Population auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Im Herrenwald macht der Trasse den Garaus. Neue Planung, nächste Trasse. Deren Botschaft: Raus aus dem Wald, ran an die zweitgrößte Stadt des Landkreises. Seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 24. April 2014 hat diese Planung Rechtskraft. Allein die Finanzierung kann das Vorhaben bremsen.

Die wichtigsten Fakten: Die A 49 trennen vom Autobahnende bei Neuental noch 42 Kilometer bis zur Einmündung in die Autobahn 5 bei Gemünden/Felda. Der Lückenschluss soll 570 Millionen Euro kosten. Unterteilt ist das Projekt in drei Abschnitte, die „Verkehrskosteneinheiten (VKE) genannt werden. Diese sind:

  • VKE 20 Neuental - Schwalmstadt. Streckenlänge: 12 Kilometer. Baukosten: 205 Millionen Euro. Status: Seit März 2011 im Bau. Finanzierung: Die Mittel für den im Bau befindlichen Frankenhainer Tunnnel und drei Brücken sind genehmigt, Restsumme ist völlig offen. Bauende: Laut Bundesfinanzministerium 2021.
  • VKE 30 Schwalmstadt - Stadtallendorf Nord. Streckenlänge: 13 Kilometer. Baukosten: 130 Millionen Euro. Status: Unbeschränktes Baurecht. Finanzierung: Völlig offen. Baubeginn: Völlig offen.
  • VKE 40 Stadtallendorf Nord - Gemünden/Felda. Streckenlänge: 17 Kilometer. Baukosten: 234 Millionen Euro. Status: Baurecht. Allerdings muss noch die Entschädigung für eine Waldeigentümergemeinschaft außergerichtlich vereinbart werden. Finanzierung: Völlig offen. Baubeginn: Völlig offen.

Rechnet man den Bau- und Finanzierungsfortschritt von der VKE 20 auf die ganze Straße hoch, so könnte diese in 30 Jahren vollendet sein. Die Straßenplaner sind optimistischer und halten ein Bauende 2030 für möglich. Auch dann wäre die Historie der Straße schon mehr als 100 Jahre alt. Das Publikum staunt und wundert sich. Trost: Am Kölner Dom wurden 632 Jahre lang gebaut, ehe diesen 1880 die evangelischen Hohenzollern vollendeten.

von Matthias Mayer

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