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96 Millionen Liter Wasser täglich

Wasserqualität im Landkreis 96 Millionen Liter Wasser täglich

Das Grundwasser wird im Werk physikalisch gereinigt und regelmäßig kontrolliert. Für ein Glas sauberes und gesundes Trinkwasser brauchen die Menschen im Landkreis nur den Hahn aufzudrehen.

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Wassermeister Peter Preis bei einer Sichtkontrolle an einer Probeentnahmestelle. Nach den Mehrschichtfiltern muss das Wasser durch den Riesler und über Aktivkohlefilter laufen.

Quelle: Philipp Lauer

Stadtallendorf. Die Frage, wie es um das Trinkwasser in der Region bestellt ist, beantwortet Wassermeister Peter Preis ohne Zögern: „Die Wasserqualität ist top.“ Er ist überzeugt, dass es kein anderes Lebensmittel gibt, das so gut kontrolliert wird, wie das Trinkwasser. „Diesen Sommer hat sich die heiße Witterung auch in einem höheren Wasserverbrauch niedergeschlagen. Die Leute haben mehr Wasser getrunken als in den vergangenen Jahren“, zieht Preis Bilanz.

Aus mehreren Gründen spreche nichts dagegen, das Trinkwasser aus dem Hahn statt Mineralwasser aus Flaschen zu trinken, sagt Diplom-Biologin Heike Stahlhut vom Deutschen Grünen Kreuz in Marburg. „Ich bin der Meinung, dass es besser ist, Leitungswasser zu trinken als Flaschenwasser – aus gesundheitlichen wie auch aus ökologischen Gründen.“ Mineralwasser aus Plastikflaschen könne hormonell wirksame Substanzen aus dem Flaschenmaterial enthalten. „Übrigens ist der Nährstoffgehalt von sogenanntem „Mineralwasser“ oft schlechter als der des Leitungswassers. Und Pestizide können in Mineralwässern sogar in höherer Konzentration vorkommen als im Leitungswasser, weil die Mineral- und Tafelwasserverordnung nicht so streng ist wie die Trinkwasserverordnung“, erklärt Stahlhut.

Das Grundwasser wird im Wasserwerk Stadtallendorf physikalisch gereinigt und regelmäßig kontrolliert. Für ein Glas sauberes und gesundes Trinkwasser brauchen die Menschen im Landkreis nur den Hahn aufzudrehen.

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Das Gesundheitsamt kontrolliert, dass diese auch eingehalten wird. „Das Wasser wird monatlich auf Keime, Bakterien und andere Schadstoffe untersucht“, erklärt Preis, der die Betriebsstelle des Zweckverbands Mittelhessischer Wasserwerke (ZMW) in Stadtallendorf leitet. Dort werden jede Stunde 2.000 Kubikmeter Wasser aufbereitet, umgerechnet sind das zwei Millionen Liter. Zusammen mit den 2.000 Kubikmetern, die im Wasserwerk Wohratal bei Kirchhain gefördert werden, stellt der Zweckverband täglich 96.000 Kubikmeter bereit, 96 Millionen Liter. Bei einem durchschnittlichen Wasserverbrauch von etwa 120 Litern pro Person können so 800.000 Menschen versorgt werden – oder man könnte alle Becken im Innen- und Außenbereich des Marburger Aquamar 36,5 Mal füllen.

Neben den beiden großen Wasserwerken gibt es noch zwölf kleine Anlagen, die die Ortschaften mit eigenen Brunnen versorgen. Der ZMW beliefert Haushalte im Gebiet von Buchenau über Wetter, Rauschenberg, Neustadt bis nach Wetzlar und Hüttenberg mit Wasser. Die Stadt Marburg bezieht etwa die Hälfte ihres Bedarfs vom ZMW, der Rest wird im Wasserwerk in Wehrda aufbereitet.

Das benötigte Grundwasser wird aus 180 Meter tiefen Brunnen gefördert. „Obwohl das viele glauben, gibt es keine unterirdischen Seen“, klärt Preis auf. Ab 30 Metern Tiefe versickert das Wasser verlangsamt durch den Buntsandstein. „Da sucht sich das Wasser seinen Weg durch Klüfte“, erklärt Preis. Von 32 Förderbrunnen wird das Wasser über die Brunnensammelleitung nach Stadtallendorf gepumpt. Dort werden die darin enthaltenen Schwebstoffe wie Eisen und Mangan in einem Mehrschichtfilter herausfiltriert.

Acht Filterbehälter sorgen für Reinheit

Die acht jeweils haushohen Filterbehälter messen 4,50 Meter im Durchmesser und sind mit einer 2,50 Meter hohen Schicht aus Anthrazit, Quarzkies und Quarzsand gefüllt. In der großen Halle ist es kalt, das ganze Jahr über zeigt das Thermometer zirka 10,5 Grad an. „Die Temperaturen bringt das Wasser mit. Im Winter ist es hier also wärmer als draußen, im Sommer kälter“, erklärt Preis.

„Bei uns wird das Wasser rein physikalisch gefiltert, es kommt keine Chemie zum Einsatz“, sagt Preis. Die im Wasser enthaltene Kohlensäure würde den Wasserleitungen schaden, deshalb wird sie in den sogenannten Rieslern ausgeblasen und über das Dach nach außen geleitet. Die Altlasten der Rüstungsindustrie machen im Stadtallendorfer Wasserwerk einen weiteren Schritt nötig. „Als reine Vorsichtsmaßnahme läuft das Wasser noch über Aktivkohlefilter, da geht nichts durch, was nicht ins Trinkwasser gehört“, beruhigt der Wassermeister. Danach wird das Wasser je nach Bedarf mit minimalen Mengen Natronlauge auf den benötigten pH-Wert 8 gebracht. Das Endprodukt fließt nun in die Großbehälter und wird von sechs Netzpumpen dem Wassernetz zugeführt. „Die Maschinen sind aus dem Jahr 1936 und wurden seitdem zweimal überholt. Die lange Haltbarkeit belegt, wie gut unser Wasser ist“, erzählt Preis. „Es ist sehr weich, man braucht deshalb weniger Waschmittel und kein Spülmaschinensalz zu verwenden.“

Der ZMW überprüft auch regelmäßig das Wassernetz, bis zu den Zählern oder dem Übergabeschacht der Gemeinde. Die Hausinstallation ist Sache des Eigentümers. Deren Wartung dürfen nur gemeldete Installateure vornehmen.

Analyse

Die Ergebnisse der regelmäßigen Wasseranalysen sind unter www.stadtwerke-marburg.de oder www.zmw.de zu finden.

Neben dem direkten Wasserverbrauch werden auch für die Produktion von Lebensmitteln und anderer Konsumgüter große Mengen an Wasser verbraucht. Mehr zu dem sogenannten indirekten Wasserverbrauch lesen Sie auf www.umweltbundesamt.de.

von Philipp Lauer

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