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450 Bürger besuchen Notunterkunft

Landkreis lud ein 450 Bürger besuchen Notunterkunft

Kurz vor der Ankunft der Flüchtlinge öffnete der Landkreis den umgebauten Rewe-Markt für Bürger. Für Kritiker der vergangenen Wochen, aber auch für potenzielle Helfer gab es dort Infos aus erster Hand.

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Ein Besucher fotografiert eines der 20 rund 20 Quadratmeter großen Zimmer der Notunterkunft Im Riedeboden. In diesen sollen je sechs bis acht Flüchtlinge untergebracht werden.

Quelle: Yanik Schick

Kirchhain. Die Einrichtung der künftigen Flüchtlingsunterkunft im alten Rewe-Markt beschränkt sich auf das Nötigste: Nicht mehr als je vier doppelstöckige Betten und einen Heizkörper gibt es in den 20 Zimmern, die nur durch dünne Holzständer-Wände voneinander getrennt sind. Zehn Duschen, zehn Toiletten - alle immerhin mit eigener Kabine und von innen abschließbar - sowie zehn Waschbecken sind durch einen anderen Gang zugänglich. Zu guter Letzt befindet sich im hinteren Teil der Halle ein gemeinsamer Aufenthaltsraum, ausgestattet mit zahlreichen Kirmesgarnituren. Hier wird die Essensausgabe erfolgen.

450 interessierte Bürger kamen am Samstagvormittag in den früheren Einkaufsmarkt in der Straße Im Riedeboden, nachdem das Gebäude in den vergangenen Wochen umgebaut worden war. Sie verschafften sich erstmals einen Eindruck, unter welchen Bedingungen demnächst 160 Flüchtlinge genau dort zusammen leben werden. Und es war ein Eindruck, der bei vielen Menschen die Sinne schärfte. „Ein Glück, dass wir hier nicht wohnen müssen, was?“, sagte eine Mutter zu ihrer kleinen Tochter, während beide an den Räumen vorbeiliefen.

„Man darf nicht vergessen: Es ist eine Notunterkunft"

Bei der Größe der Räume und deren Einrichtung habe man sich an die Vorgaben des Landes gehalten, betonte der Pressesprecher des Landkreises, Stephan Schienbein, im Gespräch mit der OP. „Man darf nicht vergessen: Es ist eine Notunterkunft. Und wenn man den Vergleich zu anderen Landkreisen zieht, hat das schon eine gewisse Qualität“, so Schienbein.

Zwischen wenigen Tagen und einigen Wochen sollen die Menschen in Kirchhain bleiben. Wann die ersten Flüchtlinge ankommen, weiß dabei selbst der Landkreis noch nicht genau. Stephan Schienbein rechnet damit, dass es noch im Laufe des Dezembers so weit sein wird. Parallel zur Unterbringung von 160 Asylsuchenden im ehemaligen Rewe-Markt werden 240 Menschen an einem zweiten Standort vor der Markthalle untergebracht. Die Leichtbauhalle war dort bis zum Wochenende bereits aufgebaut.

Ursprünglich war es seitens des Kreises geplant gewesen, alle 400 Flüchtlinge im und am alten Einkaufsmarkt zu beherbergen. Nach einigen lautstarken Protesten - auch aus der direkten Anwohnerschaft - hatten sich Stadt und Kreis aber auf eine Aufteilung geeinigt (die OP berichtete mehrfach).

Spannungen weitgehend behoben

Sind gerade jene Kritiker mit der neuen Lösung zufrieden? Gerd Herzog wohnt nach eigenen Angaben etwa 100 Meter von der Unterkunft entfernt. Im Gespräch mit der OP erklärte er: „Nachdem die Anzahl hier von 400 Flüchtlingen auf 160 heruntergesetzt worden ist, ist das ja in Ordnung. Ich habe nichts dagegen.“ Eine Anwohnerin aus der Posener Straße, die namentlich nicht erwähnt werden wollte, sagte: „Schlimm ist nur, dass die Stadt lange Zeit nichts von den Plänen wusste. Aber so, wie es jetzt geregelt ist, ist es okay. Ich habe kein Problem damit.“

Die Ursachen für die Spannungen, die auf der Infoveranstaltung im November aufgetreten waren, scheinen also in dem Wohngebiet weitgehend behoben. Diesen Eindruck hatte auch die Landrätin, die genau wie der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow und einige Mitarbeiter des Landkreises das Gespräch mit den Bürgern suchte. „Wir sind froh, diesen Kompromiss gefunden zu haben. Er war der einzige Weg, um die Situation zu regeln“, so Kirsten Fründt.

Pressesprecher Stephan Schienbein räumte ein, dass man vereinzelte Konflikte trotzdem nicht ausschließen könne. Sicherheitspersonal, Sozialarbeiter und Dolmetscher seiten vor Ort. Viele Bedenken seitens der Bürger entbehrten jeglicher Grundlage.

Am Rande gab er noch einen Hinweis auf die offene Betreiberfrage. „Wir sind mit drei Dienstleistern in Gesprächen. Es sieht ziemlich gut aus“, sagte Schienbein.

von Yanik Schick

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