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34 "Stolpersteine" erinnern an Schicksale

Geschichte 34 "Stolpersteine" erinnern an Schicksale

Ende 2013 beschlossen die Stadtverordneten, in Stadtallendorf und den Stadtteilen "Stolpersteine" verlegen zu lassen. Im Juni 2016 soll Künstler Gunter Demnig das Projekt umsetzen.

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Helmut Heyn (von links), Fritz Brinkmann-Frisch, Rudolf Sohn, Helmut Hermann, Christian Somogyi und Hubertus Müller (mit Enkelin Emma) diskutierten vor dem ehemaligen Wohnhaus der
Familie Ransenberg, wohin die Stolpersteine kommen sollen.

Quelle: Karin Waldhüter

Stadtallendorf. 34 „Stolpersteine“ soll Gunter Demnig verlegen: 14 in Schweinsberg, 13 in Stadtallendorf und 7 in Niederklein. Die Gedenktafeln sollen an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Steine werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer ins Pflaster eingelassen.

Bürgermeister Christian Somogyi, Fachbereichsleiter Hubertus Müller und die Mitglieder des Fördervereins für Stadt- und Regionalgeschichte Stadtallendorfs 1933 bis 1945, Helmut Heyn (Vorsitzender), Helmut Hermann (Kassierer) und Fritz Brinkmann-Frisch, trafen sich jetzt vor dem Haus Hahnengasse 2 zu einer Ortsbesichtigung. Im Haus der Familie Ransenberg, Dorfname Spinzes, lebten Hermann Ransenberg mit seiner Frau Frommet und den Kindern Selma, Irma (ob dieser Name korrekt ist, ist noch unklar), Herbert und Walter. Dazu kamen noch Walters Frau Selma und ihre Tochter Martha und Frieda Stern, die Schwester von Frommet Ransenberg.

Nach Novemberpogrom wurde Walter Ransenberg inhaftiert

Hermann Ransenberg, geboren am 21. Dezember 1870 in Calle bei Meschede, besaß einen Lebensmittel- und Manufakturwarenladen und war im Vorstand der jüdischen Gemeinde aktiv. Nach dem Novemberpogrom wurde Walter Ransenberg vom 10. November bis 18. Dezember 1938 im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert, wo er schwer misshandelt wurde. Ende 1938 wurde das Geschäft der Ransenbergs von den Behörden geschlossen. Walter Ransenberg wanderte 1934 mit seiner Frau Selma und Tochter Martha zu seiner Schwester nach England aus und reiste mit seiner Familie 1940 in die USA ein. Nach dem Krieg war er als amerikanischer Soldat in Allendorf, besuchte Freunde und stellte Nachforschungen zu seinen Eltern an. Hermann, seine Frau Frommet und ihre Schwester Frieda Stern wurden 1941 nach Josbach zwangsumgesiedelt und 1942 zusammen mit über 1000 älteren Frankfurter Juden ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Ende September kamen sie ins Vernichtungslager Treblinka, wo die Nazis sie ermordeten. Frieda Stern starb 1943.

Käufer des Hauses durften nicht in der Partei gewesen sein

Stolpersteine sollen jetzt vor ihrem ehemaligen Wohnhaus an Hermann und Frommet Ransenberg erinnern. An der Ortsbesichtigung nahm auch Rudolf Sohn teil. Sein Vater hatte das Haus im Jahre 1956 von den Ransenbergs gekauft. „Die Käufer durften nicht in der Partei gewesen sein“, erinnert er sich.

„Schön finde ich, dass die Eigentümer einverstanden sind, die geschichtlichen Ereignisse zu dokumentieren“, betonte Somogyi und erläuterte, dass die Stolpersteine nicht auf privatem, sondern auf öffentlichem Raum verlegt werden sollen.

Zum Hessentag hatten Georg-Büchner-Schüler sich mit der Geschichte von Juden in Stadtallendorf befasst. Mitglieder des Fördervereins Stadtgeschichte arbeiteten ihre Ergebnisse weiter aus und führten zahlreiche Gespräche - auch mit den jeweiligen Hausbesitzern. „Die ganze Aktion verläuft bisher völlig konfliktlos, und wir sind froh, dass alles geklappt hat“, betonte Helmut Hermann.

„Es ist wichtig, dass wir die Bürger mitnehmen und es die Möglichkeit gibt, zu spenden“, unterstrich Somogyi. Pro Stein entstehen Kosten von 120 Euro. Die Stadt wünscht sich, dass sich Vereine, Privatpersonen oder Gruppen für die Finanzierung finden. Um die Abwicklung kümmert sich der Förderverein. „Wir sind der Vergangenheit angesichts der Stadtgeschichte und der Verstorbenen auf dem jüdischen Friedhof verpflichtet“, betonte Heyn.

Alle Anwesenden signalisierten ihre Bereitschaft, die Kosten für jeweils einen Stein zu übernehmen. Die ersten 15 Stolpersteine soll Demnig ab Mitte Juni 2016 in Schweinsberg verlegen.

Weitere Informationen, zum Beispiel zur Spendenaktion, erteilt Helmut Heyn, Telefon 06428/3561.

von Karin Waldhüter

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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