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214 Haushalte wollen an das Nahwärmenetz

Mardorf 214 Haushalte wollen an das Nahwärmenetz

Rund 100 Bürger informierten sich über die Machbarkeitsstudie für ein Nahwärmenetz in Mardorf. Nach zwei Stunden gab es Applaus für die Akteure auf dem Podium

Mardorf. Die Gründung einer weiteren Energiegenossenschaft zeichnet sich in Mardorf ab: „Das Bioenergiedorf Mardorf kann aus unserer Sicht wirtschaftlich umgesetzt werden, sobald mehr als 200 Genossen als Anschlussnehmer im Bürger-Nahwärmenetz gewonnen sind“, so lautete am Ende das Fazit von Oliver Berghamer vom Ingenieurbüro Berghamer und Penzkofer aus Moosburg.

Das Büro begleitete bereits Oberrosphe auf seinem Weg zum ersten Bioenergiedorf des Landkreises, sowie unter anderen Erksdorf, Schönstadt und Wetter. Eine erste Umfrage hatte eine rege Nachfrage aus insgesamt 214 Haushalten ergeben. Damit hatte fast die Hälfte aller Mardorfer Haushalte Interesse an einem Anschluss an ein Nahwärmenetz signalisiert. Seit September 2012 ist die Biogasanlage in Mardorf in Betrieb und produziert Strom und Wärme, die derzeit noch ungenutzt bleibt. Das ist ein Zustand, den die Nahwärmeinitiative Mardorf kurz NIM, möglichst schnell ändern will.

Die NIM hatte die Studie in Auftrag gegeben. Ökologisch gesehen würden dann 400 000 Liter Heizöl pro Jahr nicht verbrannt. In der entstandenen Machbarkeitsstudie wurden alle Daten der Interessenten erfasst und durch Berechnungen die technische Auslegung des Netzes und dessen Wirtschaftlichkeit erarbeitet. „Es geht heute Abend um die Zukunft der nächsten Jahre, um die Umwelt und ihrer aller Geldbeutel und es geht darum den Funken überspringen zu lassen und eine Genossenschaft zu gründen“, hatte Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg zu Beginn betont.

Als Moderator des Abends stellte er Dr. Bernhard Traulich vor, der mit der Zeit in die Sprecherrolle der NIM hineingewachsen sei. Der Kern des Abends lag dann in der Vorstellung der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie durch Oliver Berghamer. Aufgrund der hohen Nachfrage seien beste Voraussetzungen für die Umsetzung gegeben, so Berghamer.

Die geplante Gesamttrassenlänge bezifferte er auf knapp zehn Kilometer. Auch der Ortskern sei mit einer ungewöhnlich hohen Anschlussdichte vertreten, was auch beste Voraussetzungen für ein ortsweit mögliches Glasfasernetz bedeute. Mit 210 Anschlüssen sei das Wärmenetz finanzierbar und durch das Programm der KfW zuschussfähig, so Berghamer. Bei zusätzlichen Hausanschlüssen werde das Ergebnis noch besser. Bei Zeiten höherer Wärmeabnahme oder bei Störungen der Biogasanlage dienten zwei Holzhackschnitzelkessel mit 500 und 900 Kilowatt zur Wärmeabdeckung, Pufferspeicher und ein mit Öl betriebener Spitzenlast-Redundanzkessel gewährleisten laut den Planungen bei höherem Bedarf die Versorgung. Die Kosten für das Gesamtprojekt liegen nach Berechnungen des Ingenieurbüros bei etwa 5,47 Millionen Euro. Der Finanzierungsplan sieht die Kosten eines Genossenschaftsanteils bei 6000 Euro. Darin enthalten ist die Hausübergabestation. Die Erdarbeiten von der Trasse hin zum eigenen Haus sowie der Anschluss an die eigene Heizung muss der Eigentümer selbst vornehmen. Bei 210 Anschlüssen ergibt sich ein Betrag von 1,26 Mill. Euro. Die gleiche Summe von 1,26 Millionen Euro Fördergelder würden von Bund und Land nach Mardorf fließen. Der Betrag von 2,95 Mill. Euro muss durch die Genossenschaft finanziert werden. Bei etwa 210 Anschließern ergibt sich ein Preis von 9,64 Cent je Kilowattstunde. Als „Legionär der Bioenergie“ berichtete Hans-Jochen Henkel dann motivierend von den Erfahrungen aus Oberrosphe. Klaus Pfalz von der VR-Bank Hessenland wies auf die Vorteile einer Genossenschaftsgründung und die geänderten Förderbedingungen hin. Bei der Anlage in Erfurtshausen waren die Förderbedingungen noch besser.

In Richtung Bürgermeister regte er die Übernahme einer Bürgschaft durch die Kommune an, woraufhin das Stadtoberhaupt Zustimmung signalisierte. Anschließend beantworteten die Fachleute Fragen aus dem Publikum bei denen es sich hauptsächlich um Kosten und technische Bedingungen rund um den eigenen Hausanschluss drehte. Bereits am 23 Juli wird es eine nächste Bürgerversammlung geben, dann steht die Genossenschaftsgründung auf der Agenda. Dr. Bernhard Traulich rief die Anwesenden auf, als Botschafter der guten Nachrichten zu fungieren.

von Karin Waldhüter

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