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2 223 Euro in sechs Tagen verzockt

Mit Vaters Geld 2 223 Euro in sechs Tagen verzockt

Das Kirchhainer Amtsgericht verurteilte einen 23-jährigen Kirchhainer wegen Computerbetrugs in elf Fällen zu einer Geldstrafe in Höhe von 100 Tagessätzen à 50 Euro.

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Quelle: Soeren Stache

Kirchhain. Mit der Beweisaufnahme musste sich das unter Vorsitz von Amtsgerichtdirektor Edgar Krug tagende Gericht nicht lange aufhalten. Die Beweislage glich in ihrer Klarheit einem lupenreinen Diamanten. Zum vollumfänglichen Geständnis des Angeklagten kamen feste und bewegte Bilder von neun der elf angeklagten Straftaten, die dem Gericht vorlagen. Gleichwohl war es keine belanglose Verhandlung. Dafür sorgte allein schon der Anklagevorwurf.

Wie viel Chuzpe muss ein junger Mann haben, um seinen eigenen Vater innerhalb von nur sechs Tagen um 2 223 Euro zu betrügen, um die gesamte Summe – Totalverlust bringend – in Kirchhainer und Marburger Geldspielautomaten zu versenken? Wie viel Chuzpe muss ein Sohn haben, wenn er seinen Vater derart hintergeht, obwohl er aus einem Kulturkreis stammt, der dem Familienvater eine herausragende Rolle zugesteht?

Über all diese Dinge hat sich der Angeklagte nach eigenem Bekunden ebenso wenig Gedanken gemacht, wie über die Tatsache,  dass er mit dieser Masche sehr schnell auffliegen würde.

EC-Karte entwendet

Die Masche: Der Angeklagte entwendete zwischen dem 27. Oktober und dem 1. November  meist in den späten Abendstunden die EC-Karte seines Vaters. Das war nicht sonderlich schwer, da im vom familiären Vertrauen geprägten Haushalt weder aus dem Ablage-Ort von EC-Karte noch um Geheimzahlen ein Geheimnis gemacht wurde.  Mit der EC-Karte hob der Angeklagte an Kirchhainer Geldautomaten Beträge zwischen 100 und 300 Euro ab. Nach neun unerlaubten Abhebungen wurde die zum schwindsüchtigen Konto passende Karte gesperrt.

Für den Angeklagten kein Problem. Schließlich besaß der Vater noch ein zweites Konto mit zugehöriger EC-Karte. Mit dieser hob er noch zweimal Geld ab.   Nicht in Kirchhain, sondern in einer Marburger Spielhalle mit eigenem Geldautomat, der praktischerweise dafür sorgt, dass die Hardcore-Zocker auch dann noch flüssig sind, wenn sie den Inhalt ihres Portemonnaies schon verspielt haben.

„Ja es stimmt. Ich habe das Geld ohne Wissen meines Vaters abgehoben und komplett verspielt“, bekannte der Angeklagte. Falsche Freunde hätten in ihm die Lust am Zocken geweckt, erklärte er dem Gericht, warum er fast immer zweimal in einer Nacht den Geldautomaten angesteuert hatte.

„Dem Vater ein Ehrenwort aufs Leben“

Der junge Mann sprach von einer sehr harten ersten Begegnung mit seinem Vater nach Aufdeckung der Taten.  „Ich habe meinem Vater mein Ehrenwort gegeben aufs Lebens, dass ich das nie mehr mache“, sagte der Kirchhainer. Deshalb habe er jeden Kontakt mit seinen damaligen Freunden abgebrochen. Mit seinem Vater sei er sich inzwischen einig. Er werde den Eltern von seinem Nettoeinkommen in Höhe von 1 600 Euro  monatlich 500 Euro überweisen, bis seine Schulden beglichen seien, kündigte er an.

Der als Zeuge geladene 47-jährige Vater machte von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Er sei nach dem Geschehen im November am Randes eines Nervenzusammenbruchs gewesen und wolle sich mit dem Geschehen nicht erneut befassen. Er bestätigte aber, dass sich das Verhältnis gegenüber seinem Sohn wieder stabilisiert habe.

Der junge Kirchhainer hatte sich in gleicher Weise schon einmal am Konto seiner Mutter bedient. Da dies nicht zur Anzeige gebracht worden war, ging der Angeklagte ohne einschlägige Vorbelastung in die Hauptverhandlung. Das würdigte der Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft ebenso strafmildernd, wie Geständnis, Einsicht und die Bereitschaft des Angeklagten, für den Schaden aufzukommen. Er beantragte elf Einzelstrafen zwischen 60 und 20 Tagessätzen à 50 Euro, aus denen eine Gesamtstrafe von 165 Tagessätzen à 50 Euro zu bilden sei.

Gutgelaunter Angeklagter

Edgar Krug beließ es beim Strafmaß mit 100 Tagessätzen. Wegen der dichten Tatfolge sei nicht zwingend von elf Einzeltaten auszugehen. Allein die unterschiedlichen Beträge von 300, 200 und 100 Euro rechtfertigten  eine Differenzierung bei der Anzahl der Tagessätze. Der Richter hob außerdem hervor, dass das Geständnis des Angeklagten wegen der Aussageverweigerung des Vaters durchaus werthaltig sein.

Der Verurteilte zog gut gelaunt von dannen: „Vielen Dank! Einen schönen Tag wünsche ich noch.“

von Matthias Mayer

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