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18 Straftaten in fünf Monaten

Serieneinbrecher 18 Straftaten in fünf Monaten

Zwischen November 2012 und April 2013 kam es vor allem in Stadtallendorf zu einer Einbruchserie, unter anderem in Kindergärten. Drei geständige Täter stehen deshalb seit Montag vor Gericht.

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Die Einbrecher drangen, wie auf diesem Themenfoto, durch Fenster und Türen in die verschiedenen Gebäude ein.

Quelle: Thorsten Richter

Stadtallendorf. Zwischen 15 und 18 Straftaten wirft die Staatsanwaltschaft den drei Angeklagten aus Stadtallendorf vor. Sie sind allesamt wegen Bandendiebstahls angeklagt. Deshalb müssen sich die Männer im Alter zwischen 23 und 28 Jahren seit gestern vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Marburg verantworten. An diesem Montag war Prozessauftakt. Alle drei Angeklagten wiederholten gestern ihre umfassenden Geständnisse. Sie waren in unterschiedlicher Besetzung unter anderem in die Kindergärten St. Michael und Christkönig, die Kindertagesstätte Weißer Stein und „Regenbogen“ in Neustadt eingebrochen.

Schaden und Beute im fünfstelligem Bereich

Außerdem verschafften sich die Täter gleich zweimal mit Gewalt Zugang zur Landgräfin-Elisabeth-Schule Stadtallendorf. Sie drangen in das Gebäude der Alevitischen Gemeinde ebenso ein wie in einen Getränkemarkt, ein Möbelhaus und diverse Gartenlauben. Schaden und Beute dürften einen fünfstelligen Betrag ausgemacht haben. Außerdem gehen laut ihren Angaben vor Gericht jeweils ein Einbruch in einen Marburger Friseursalon und ein Stehcafé in Kirchhain auf ihr Konto. Nur einem der drei Angeklagten, einem 28-Jährigen, wirft die Staatsanwaltschaft Marburg eine Beteiligung an beinahe allen der angeklagten Straftaten vor. Er wird von der Kriminalpolizei schon lange als ein Intensivtäter eingestuft, wie ein Polizeibeamter gestern aussagte.

Ende Oktober hatte ihn eine andere Kammer des Landgerichts zu einer sechsjährigen Haftstrafe wegen eines Raubes in einer Kirchhainer Spielothek verurteilt (die OP berichtete). Er ist in Gießen inhaftiert. Dieses Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Der Vorsitzende der Kammer, Richter Gernot Christ brauchte am ersten Prozesstag lange, um sein Vorstrafen-Register vorzulesen, in dem Verurteilungen wegen etlicher Einbrüche, wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, aber auch wegen Körperverletzung und Raubes aufgeführt sind.

Einbrüche ergaben sich häufig spontan

Die Festnahme eines der Angeklagten nach dem Raub in Kirchhain im vergangenen Jahr hatte die Polizei letztlich auf die Spur der Einbrecher geführt. Die Aussagen jenes 24-Jährigen führten zu dessen Mittätern. Danach bildete sich eine Arbeitsgruppe bei der Kriminalpolizei, die bis zu diesem Zeitpunkt noch keine heiße Spur in der Einbruchserie gehabt hatte. Ein Teil des Diebesgutes konnte auch an die Geschädigten zurückgegeben werden, etwa Kameras und Computer.

Der 23-Jährige ist ebenfalls wegen jener Tat in der Kirchhainer Spielothek zu einer Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt, die er in der Justizvollzugsanstalt Wiesbaden verbüßt.

Nach Darstellung der Angeklagten ergaben sich viele der Einbrüche ohne große Vorbereitungen nach spontanen Treffen in einer Bar oder einer Diskothek. Geld brauchten sie aus unterschiedlichen Gründen, einer wegen hoher Schulden, bei den beiden anderen spielten Arbeitslosigkeit und Suchtprobleme wohl eine zentrale Rolle.

Wer dabei war, bekam immer seinen festen Anteil an der Beute. Meist wurde das Diebesgut gedrittelt. Bei den Einbrüchen in Gartenlauben in den Kleingartenanlagen West und Süd haben sich die Angeklagten - je nachdem, wer von ihnen gerade beteiligt war - vor allem mit Werkzeugen. Die Beute der drei schwankte zwischen wenigen Euro und höheren vierstelligen Beträgen. Bei einzelnen Taten blieb es beim reinen Aufbruch von Türen oder Fenstern, weil sie gestört wurden.

Beim Einbruch in den Getränkemarkt stahlen sie hochwertige Spirituosen und etwa 20 Stangen Zigaretten, Diebesgut, das einer von ihnen offenbar sehr gut weiterverkaufen konnte. Das räumte der betreffende Angeklagte auch freimütig ein: „Mich kennt in Stadtallendorf jeder“, gab er an. An der Landgräfin-Elisabeth-Schule fanden sie einen sehr hochwertigen Beamer. Auch er wurde weiterverkauft. Der Wert lag bei rund 1200 Euro, bekommen haben die drei für die heiße Ware wohl etwa 200 Euro. Die beiden Angeklagten, die derzeit bereits in Haft sind, haben einige Erfahrungen mit Alkohol und Drogen, mit Marihuana, Speed und Kokain. Welche Rolle ihre Sucht spielte, sollen am zweiten Verhandlungstag Sachverständige darlegen.

Die Verhandlung wird am Dienstag, 11. November, ab 9 Uhr im Sitzungssaal 101 im Landgericht fortgesetzt.

von Michael Rinde

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Serieneinbrecher
Eine Einbruchserie ist juristisch aufgearbeitet worden, die Einbrecher hatten wie auf diesem Themenfoto angedeutet, unter anderem Türen aufgehebelt. Foto: Thorsten Richter

Für zwei von drei wegen einer Einbruchserie vor Gericht stehende Männern sieht die 1. Strafkammer des Landgerichts Marburg die Chance, in naher Zukunft ein geregeltes Leben zu führen.

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