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14-Jährigem droht jetzt großer Ärger

Freispruch für Angeklagten, Gefahr für jungen Zeugen 14-Jährigem droht jetzt großer Ärger

Der Angeklagte ist rein äußerlich vom Scheitel bis zur Sohle die Korrektheit in Person. Dieser unbescholtene Mann soll sein Auto einem 13-Jährigem für eine Spritztour überlassen haben?

Kirchhain. Genau dies soll der 46-Jährige am Abend des 16. Oktober 2012 laut Anklage am Wohnort einer befreundeten Familie im Ostkreis getan haben. Zeugen wollen den damals 13-jährigen Sohn am Steuer seines Autos im Ort und auf einem Feldweg gesehen haben. Kerzengerade steht der Mann mit zusammengeschlagenen Hacken im Gerichtssaal, die Hände auf dem Rücken sorgfältig ineinandergelegt. Er wartet so minutenlang auf das Eintreten des Gerichts. Eine als Beweisstück mitgebrachte signalfarbene Arbeitsjacke hat der Frührentner zuvor akkurat zusammengefaltet und hinter seinem Stuhl abgelegt.

Präzise und mit fester Stimme schilderte er das Geschehen des Tages. Er habe der Familie beim Umzug geholfen und den von der Mutter des Jungen geliehenen Transporter auf deren Bitte für den Transport geschenkter Möbel von Stadtallendorf zum Wohnort gefahren. Mit seiner Einwilligung habe die Frau für den Rückweg seinen Pkw genutzt. Dort habe er seinen Autoschlüssel zurückbekommen und in der mit Reißverschluss gesicherten Seitentasche seiner Arbeitsjacke verstaut. Die Jacke habe er im Flur zurückgelassen, um gemeinsam mit der Frau eine Fuhre Hausrat zum neuem Wohnhaus zu bringen. Nach der Rückkehr habe er sein Auto schief abgestellt in einer Nothaltebucht vorgefunden. Auf Nachfrage habe der 13-Jährige erklärt, dass er zusammen mit Freunden eine Spitztour mit dem Auto gemacht habe.

Im Zeugenstand wies dies der heute strafmündige Schüler zurück. Er könne gar nicht Auto fahren, habe sich lediglich in das unverschlossene Auto gesetzt und sei mit diesem ein paar Meter rückwärts gerollt. Auch auf den ausdrücklichen Hinweis von Richter Joachim Filmer, dass Zeugen ihn laut Aussagen vor der Polizei gesehen haben und dass er für die illegale Autofahrt nicht belangt werden könne, wohl aber als 14-Jähriger für eine uneidliche Falschaussage, blieb der Junge bei seiner Aussage. Es gebe Leute, die ihn nicht leiden könnten, sagte er an die Adresse der Zeugen.

Seine Mutter bestätigte aber vollumfänglich die Aussagen ihres freundlichen Umzugshelfers, der gar keine Gelegenheit gehabt hätte, ihrem Sohn den Schlüssel zu übergeben. Auf intensive Nachfragen habe er damals eingeräumt, den Schlüssel aus der Jacke auf Drängen von Freunden genommen und mit dem Auto gefahren zu sein.

Der spätere Freispruch für den Angeklagten war damit perfekt und ein Jugendstrafverfahren für den 14-Jährigen sehr nahe.

Joachim Filmer rief den Schüler noch einmal in den Zeugenstand und gab ihm eine letzte Chance, „den Mist aus dem Weg zu räumen“ und konfrontierte ihn mit den Aussagen seiner Mutter. Doch der Junge ging trotz der vom Richter nochmals eindringlich skizzierten Gefahr eines Strafverfahrens nicht über diese goldene Brücke. Er gab in Abweichung seiner ersten Aussage lediglich zu, den Autoschlüssel genommen zu haben. Nun entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob sie Anklage gegen den Jungen erhebt.

von Matthias Mayer

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