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Der Norden setzt auf seine geballte Kraft

Parlamente arbeiten zusammen Der Norden setzt auf seine geballte Kraft

Die vier Nordkreiskommunen Wetter, Cölbe, Lahntal und Münchhausen erwägen bis zum Jahr 2025 eine „vollständige politische Verschmelzung und Zusammenlegung ­ihrer Verwaltungen“.

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Vier Kommunen, vier Verwaltungen: Ob das 2025 immer noch so sein wird?  Münchhausen (von oben links im Uhrzeigersinn), Wetter, Lahntal und Cölbe prüfen die Vertiefung der Zusammenarbeit bis hin zur möglichen Fusion.

Quelle: Archivfoto

Lahntal. Gleich in der ersten Runde der Parlamente im neuen Jahr geht es in den Gemeinden Lahntal, Münchhausen und Cölbe sowie der Stadt Wetter um einen sehr weitreichenden Grundsatzbeschluss. Die Betonung liegt dabei auf „Grundsatz“. Das bedeutet, dass die vier Parlament darüber abstimmen, ob sie sich ein gemeinsames Ziel setzen und darauf die nächsten Entscheidungen ausrichten wollen. Das Ziel ist schon gewaltig, denn es hat in letzter Konsequenz den Zusammenschluss zur Folge.

Doch nicht sofort und noch lange nicht in Stein gemeißelt. Zunächst geht es darum, die Kräfte zu bündeln und in einer intensiven Erweiterung der ­interkommunalen Zusammenarbeit Synergien zu nutzen, spezielles Know-how der einzelnen Verwaltungen allen Kommunen zur Verfügung zu stellen, um so Kosten einzusparen und die Personalsituation zu entschärfen. Diese Form der Verwaltungszusammenarbeit könnte dann die Bildung eines Gemeindeverwaltungsverbandes zur Folge haben, aus dem dann tatsächlich falls gewünscht eine Verschmelzung der vier Kommunen zu einer stattfinden könnte.  

Apell befürwortet Zusammenarbeit der Verwaltungen

Für die Verwaltungsmitarbeiter wie auch für die Mitglieder der Parlamente kommt dieser Beschlussvorschlag nicht unerwartet. Sie wurden vorab davon unterrichtet, die Verwaltungen wurden umfassend über die schon recht kurzfristigen Möglichkeiten informiert.  

„Die Anforderungen, mit denen sich die Kommunen auseinanderzusetzen haben, wachsen permanent“, sagt Lahntals Bürgermeister Manfred Apell. Er ist davon überzeugt, dass dafür die Einheiten der einzelnen Kommunen einfach zu klein sind. Von daher sieht er in der Zusammenarbeit der Verwaltungen schon den richtigen Ansatz, den Herausforderungen erfolgreich begegnen zu können. Ob dann am Ende eine wirkliche Fusion steht, sei deutlich verfrüht jetzt schon zu bewerten. Dafür bedarf es auch der Erfahrungswerte, die man über eine solche Zusammenarbeit konkret gewinnen wird. Wobei den Bürgermeistern schon klar ist, dass eine Zusammenlegung auch drei ihrer Ämter einsparen würde.

Wer jetzt gleich laut aufschreit und diesen Weg als nicht durchsetzbar hält, sollte sich nur kurz vergegenwärtigen, dass die mögliche neue Super-­Kommune flächenmäßig ordentlich wächst, aber von der Einwohnerzahl noch immer weit unter der Stadt Marburg liegen würde. Die vier Bürgermeister Peter Funk (Münchhausen), Manfred Apell (Lahntal), Kai-Uwe Spanka (Wetter) und Volker Carle (Cölbe) verschließen sich der Idee nicht und wollen sie völlig ergebnisoffen in ihren Kommunen diskutieren lassen.

Verwaltungschefs der vier Kommunen setzen sich zusammen

Als Fakten geben sie aber mit auf den Weg, dass immer wieder bestimmte Aufgaben allein durch Urlaub oder Krankheit aufgrund der dünnen Personaldecke nicht mehr oder nur unzureichend erledigt werden können. Sonderaufgaben neben dem Tagesgeschäft müssten immer häufiger verschoben werden oder können nur mit inhaltlichen Abstrichen erledigt werden.

Sollte es zu einer politischen Verschmelzung und Zusammenlegung der Verwaltungen bis 2025 kommen, wäre dies aus freien Stücken, also freiwillig geschehen. Für eine vom Land Hessen initiierte erneute Gebietsreform, wie sie 1974 stattgefunden hat, sind indes keine Anzeichen zu sehen. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf ist die Idee einer Zusammenlegung nicht neu, aber bisher haben sich noch nie die Verwaltungschefs von gleich vier Kommunen zusammengesetzt, um über so etwas zu diskutieren.

Aber es gibt Vorbilder. Etwa im südlichen Nachbarlandkreis Vogelsberg, wo sich genau vier Kommunen zu einem Gemeindeverwaltungsverband zusammengeschlossen haben. Im Unterschied zu einem echten Zusammenschluss behalten dort alle vier Kommunen ihre Souveränität und bilden lediglich eine gemeinsame Verwaltung zur Bewältigung der Aufgaben. Im Odenwaldkreis waren es auch vier Kommunen, die sich Anfang des Jahres zusammengeschlossen haben und künftig auch in eine Gemeinde aufgehen werden.

Lahntal ist bei der Zusammenarbeit ganz weit vorne

Die vier Nordkreis-Kommunen haben schon vor vielen Jahren damit begonnen, verschiedene Aufgabenfelder gemeinsam zu bearbeiten. Dabei haben sie sich auch immer wieder in unterschiedlichen Konstellationen zusammengefunden, wobei die Gemeinde Lahntal bei allen besondern Formen der Zusammenarbeit mit von der Partie ist. So etwa beim gemeinsamen Bauhof mit Wetter und Cölbe und beim Verein „Kinder sind unsere Zukunft“, den Lahntal mit Münchhausen ins Leben gerufen hat und in dem es eine Zusammenarbeit auf der Ebene der Kindertagesstätten gibt.

Auch bei der Jugendförderung Nordkreis ist Lahntal dabei. Münchhausen ist aktuell aus diesem gemeinsamen Angebot wieder ausgeschieden, Wetter ist noch dabei. Cölbe hatte sich in Sachen Jugendarbeit immer einen eigenen Weg freigehalten, aktuell nicht mehr über einen Jugendpfleger, sondern über den Verein JEF. Am Klimaschutzkonzept „Klimax“ im Nordkreis sind alle vier Kommunen beteiligt.

  • Die Parlamente beschäftigen sich mit dem Thema an folgenden Terminen: Cölbe und Lahntal: 9. Februar; Wetter: 14. Februar; Münchhausen: 21. Februar.

von Götz Schaub

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