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Zugang zu frühkindlicher Bildung sollte für jeden erreichbar sein

Kinderbetreuung Zugang zu frühkindlicher Bildung sollte für jeden erreichbar sein

Die Bundestagsabgeordneten Susann Rüthrich und Sören Bartol besuchten Kindergärten und machten sich vor Ort ein Bild über die Betreuung in Lahntal.

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Bürgermeister Manfred Apell (hinten von links) besuchte zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Sören Bartol und der Vorsitzenden der Kinderkommission des Deutschen Bundestages, Susann Rüthrich (alle SPD) den Kindergarten in Goßfelden.

Quelle: Manfred Schubert

Goßfelden. Was nimmt man als Bundestagsabgeordnete eigentlich aus einem gut einstündigen Besuch im Kindergarten in Goßfelden mit? „Das Bild, dass von Bundesland zu Bundesland und von Stadt zu Stadt die Betreuung so unterschiedlich ist. Dass die Gemeinde Lahntal das so aus eigener Kraft bewältigt, ist aller Achtung wert“, meinte Susann Rüthrich am Ende. „Der Zugang zu frühkindlicher Bildung sollte für jeden erreichbar sein“, unterstrich sie. In Sachsen gebe es gar keine Teilzeitbetreuung und keine Kita ohne Hort.

Ihr geht es um Informationen darüber, wie man die Kindertagesstätten bundesweit qualitativ weiterentwickeln kann. Hintergrund ist unter anderem die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes, dass das im Sommer 2013 per Gesetz eingeführte Betreuungsgeld verfassungswidrig und nichtig sei. Die 39-jährige Meißnerin, Mutter zweier Kinder, war 2013 für die SPD in den Bundestag eingezogen, unter anderem mit dem Ziel, sich für die Verbesserung frühkindlicher Betreuung, Bildung und Erziehung durch Kita-Ausbau anstelle des in dieser Hinsicht laut Studien eher fragwürdigen Betreuungsgeldes einzusetzen. Seit Januar ist sie Vorsitzende der Kinderkommission des Bundestages, der „Kommission zur Wahrnehmung der Belange der Kinder“.

Betreuungsangebot das ganze Jahr

Mit dem heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten Sören Bartol besuchte sie neben dem Kinder- und Jugendparlament des Kreises (die OP berichtete) auch die Gemeinde Lahntal, um sich über die dortige Situation zu informieren. Seit 2009 werden die Kinder der Kindertagesstätten in Lahntal und in Münchhausen von dem Verein „Kinder sind unsere Zukunft“ betreut.

„Unser Ziel war vor allem eine qualitative Verbesserung. Über den Verein können wir interkommunal zusammenarbeiten. Wir versuchen die Betreuung das ganze Jahr offenzuhalten, in den Sommerferien hatten wir nur zwei Wochen geschlossen. In jedem Lahntaler Kindergarten wird bis 14.30 Uhr inklusive Mittagessen betreut, bis 17 Uhr in Goßfelden und Sarnau“, erläuterte Bürgermeister Manfred Apell (SPD). Das bedeute eine sehr große Investition für finanziell nicht so gut gestellte Gemeinden, aber man habe es überlebt mit einem gerade so ausgeglichenen Haushalt. 2,6 Millionen Euro gebe Lahntal dieses Jahr für die Kinderbetreuung aus, es gebe wesentlich größere Gemeinden, die mit weniger auskämen.

Verlässliche und gute Betreuung in Lahntal

Nach jedem Ausbau sei man von der Nachfrage wieder eingeholt worden, auch bei den Krippen. In Sterzhausen habe man ein kleines Wohnhaus angeschafft und zur Krippe umgebaut. Falls es keinen Bedarf mehr gebe, könne man es wieder verkaufen. Bisher sehe es nicht danach aus, Lahntal habe die höchste Bauplatznachfrage der Gemeinden im Landkreis, dies liege auch an der verlässlichen und guten Betreuung, erklärte Apell überzeugt. Und das, obwohl die Gebühren höher als in anderen Gemeinden seien. Wenn in Zukunft Flüchtlingskinder kommen, werden wir diese wohl auch betreuen können, zeigte er sich optimistisch: „Wir haben uns immer angepasst und versuchen auch mit dem Kifög zu leben.“

Der große Fehler dieses Landes sei, dass die Schule freigestellt sei, die Kita-Betreuung aber nicht. Falls Marburg sich entscheiden würde, freizustellen, hätte Lahntal sofort ein Riesenproblem. „Dass die Gemeinden so unterschiedlich aufgestellt sind, das ist das Problem“, unterstrich Manfred Apell mit Blick auf die Nachbarstadt. Es wäre absurd, wenn die eigenen Kinder in Marburg betreut würden, Lahntal das Defizit bezahlen und auch noch die eigenen freien Plätze finanzieren müsste.

Simone Karcher, Kaufmännische Leiterin des Trägervereins, berichtete, dass es in Lahntal aktuell 320 Kita-Plätze gebe, davon 61 U3, in Münchhausen 75 sowie 50 in der Schulbetreuung. Frei seien nur neun Plätze.
„Manche Kommunen passen ihre Öffnungszeiten den Mindeststandards an, das finden wir töricht“, meinte sie zu den Anforderungen des Kifög (Kinderförderungsgesetz).

Bürgermeister Apell fügte hinzu, das Kifög sei „technokratisch erfunden“, jetzt versuche man einfach, es durchzuhalten. Lieber wäre ihm eine praktikablere Lösung, bei der man nicht auf jeden Geburtsmonat achten müsse. Allerdings warnte er auch, dass manche jetzt die Flüchtlinge nutzen wollten, um in der Betreuungsqualität wieder zwei Schritte rückwärts zu gehen.

von Manfred Schubert

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