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„Ziviler Ungehorsam“ erhält Spielplatz

Bürgeln „Ziviler Ungehorsam“ erhält Spielplatz

Eigentlich wollte der Gemeindevorstand den Spielplatz „Am Bahnhof“ schließen und dort Parkplätze schaffen. Mit Widerstand und großem, auch finanziellem Engagement setzten sich die Bürgelner für den Erhalt ein.

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Der Spielplatz „Am Bahnhof“ wurde am Donnerstag offiziell nach seiner Neugestaltung wiedereröffnet. Im Hintergrund ist der Wackelsteg zu sehen, eines der neuen Spielgeräte, die der Hüttenverein gekauft hat.Foto: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Bürgeln. „Das ist ein Stück zivilen Ungehorsams, der zur richtigen Zeit kommt. Gut, dass ihr nicht nachgelassen habt“, sagte Bürgermeister Volker Carle. Er sprach dem Hüttenverein und seiner Vorsitzenden Gisela Heller, die „nie nachgibt“, Eltern und Großeltern ein großes Lob aus. Diese haben sich der Absicht des Gemeindevorstands, den Spielplatz zu schließen, unter anderem mit Unterschriftenlisten widersetzt. Als Eröffnungsgeschenk der Gemeinde hatte er eine in Cölbe handgefertigte Holzbank mitgebracht.

Im Haushalt hätte es kein Geld für die Erneuerung der teilweise marode gewordenen Spielgeräte und zusätzlich nötige Erdarbeiten gegeben. Der Hüttenverein Bürgeln beschloss daher bereits 2014, von seinem ehrenamtlich erwirtschafteten Geld für etwa 5000 Euro Spielgeräte, eine Doppelschaukel, eine Nestschaukel, einen Wackelsteg und einen Federbalken, zu kaufen, um den Platz am Bahnhof speziell für kleinere Kinder zu erhalten. Dieser bietet mehr Schatten als die anderen Spielplätze im Ort. Erst danach wurde die Schließungsabsicht bekannt. Und es wurde klar, dass es noch mehr kosten würde. Bauhofleiter Willi Krannich zeigte auf, dass man den etwa 700 Quadratmeter großen Platz vor dem Aufbau der Spielgeräte insgesamt hochsetzen und entfeuchten müsse. Der angrenzende Entwässerungsgraben musste geräumt und mit 120 Kubikmetern Mutterboden der Spielplatz um bis zu 90 Zentimeter angehoben werden, die Bäume und Büsche massiv ausgeästet werden. Auch diese Ausgabe stemmte der Hüttenverein aus seinen in der Folgezeit erwirtschafteten Gewinnen.

Kinder wünschen sich eine neue Rutsche

Insgesamt hat der Hüttenverein 11555 Euro in den Erhalt des Spielplatzes gesteckt, dessen Wiedereröffnung laut Heller „schon sehnlichst erwartet wurde“. Jetzt wünschten sich die Kinder wieder eine Rutsche, allerdings habe der Verein nun kein Geld mehr. Vielleicht finde sich ja noch ein Spender oder jemand, der eine nicht mehr genutzte Rutsche habe.

Ortsvorsteher Jörg Block dankte ebenfalls dem Hüttenverein für dessen ehrenamt­liches Engagement und rief dazu auf, den Verein, dessen Mitgliederzahl schrumpfe, zu unterstützen. Für die Kinder unter den 35 Eröffnungsgästen hatte er Bälle und Seifenblasen mitgebracht, letztere als Symbol für Träume, welche auch platzen könnten.

von Manfred Schubert

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