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Zeugin widerruft ihre Aussage

Spaltaxt-Prozess Zeugin widerruft ihre Aussage

Die Hauptzeugin sorgte mit ihrer neuen Aussage für Skepsis vor Gericht. Weitere Zeugen im Prozess wegen versuchten Totschlags stehen am Donnerstag vor dem Schwurgericht.

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Neue Hinweise zum Prozess wegen versuchten Totschlags im Nordkreis: Zeugin sagte vor dem Marburger Gericht erneut aus.

Quelle: Archivbild

Marburg. Die wenigen Minuten zwischen der gewaltsamen Eskalation des Streits und der Flucht des mutmaßlich Geschädigten stehen im Mittelpunkt der Beweisführung im Prozess gegen einen Mann aus dem Nordkreis.

Der entscheidende Moment, als nach der Axt gegriffen wurde, folgte nach dem Gespräch der beiden Männer. Der Arbeitskollege der Frau, das vermeintliche Opfer, weigerte sich, wieder zu gehen. „Man spürte die Anspannung, aber es herrschte anfangs keine aggressive Atmosphäre“, teilte die ehemalige Lebensgefährtin des Angeklagten am vergangenen Montag vor Gericht mit. „Dann kippte die Stimmung.“ Beide Männer bauten sich voreinander auf, „sie standen sich wie zwei Kampfhähne gegenüber“. Dann kam die Axt ins Spiel. Nach dem schweren Werkzeug griff allerdings nicht der Ex-Partner, sondern der Kollege, berichtete die Frau – überraschend für alle Beteiligten.

„Sie standen sich wie zwei Kampfhähne gegenüber“

Damit widerrief die Zeugin ihre Aussage vor der Polizei. Kurz nach der Tat gab sie noch an, dass der Angeklagte die Axt ergriffen hatte. Ihrer Erinnerung nach hatte der Lebensgefährte plötzlich einen Besenstiel in der Hand, anscheinend zur Verteidigung. Sie habe Hilfe holen wollen und drehte sich weg von den Männern. Da hörte sie „einen dumpfen Schlag“. Als sie sich erneut umdrehte, sah sie sich beide Männer prügelnd auf dem Boden wälzen und um die Axt streiten. Den Besenstiel müsste der Angeklagte nach ihrer Version zuvor wieder ordentlich weggestellt haben. Ein weiterer Punkt, der für Verwirrung sorgte.

Ihre teils ungenauen Angaben weckten einige Zweifel bei den Prozessbeteiligten. Generell äußerte sich die Zeugin angesichts ihrer polizeilichen Aussage auffallend zurückhaltend vor Gericht. Sie erweckte bei einigen Beteiligten den Eindruck, aus Angst den Ex-Partner zu schützen. Nur ungenau sprach sie von zunehmenden körperlichen Angriffen. Was der Freund ihr wirklich angetan haben soll, umging sie. „Sie verharmlosen die Vorfälle und sind sehr bemüht, ihn zu schonen“, befand der Vorsitzende Richter Dr. Frank Oehm, der die Zeugin mehrfach an ihre Wahrheitspflicht erinnerte. „Ich habe es immer etwas heruntergespielt“, gab die Frau zu.

Zeugin versuchte Kollegen von dem Treffen abzuhalten

Nach der Tat schien ihr der Partner geschockt: „Wir waren alle fertig.“ Impulsiv habe er ihr eine kräftige Ohrfeige gegeben. Nicht die erste, etwa zehn Mal sei es innerhalb der Beziehung zu Handgreiflichkeiten gekommen. Das Zusammenleben habe sie zunehmend belastet. Nur dem neuen Arbeitskollegen, dem angeblichen Geschädigten, schüttete sie ihr Herz aus. „Es hat mir gut getan, mit jemandem zu reden.“ Dem Partner von den gemeinsamen Spaziergängen mit dem Kollegen zu berichten, traute sie sich nicht. Auch ein Aufeinandertreffen der beiden Männer war nicht in ihrem Sinne, sie versuchte ihn von einem Besuch abzuhalten.

Am Telefon soll der Beschuldigte dem mutmaßlichen Nebenbuhler zuvor noch gedroht haben, ihn zu erschießen. Das hatte der Angeklagte sogar bestätigt, teilte das angeblich auch der Freundin mit. Daran konnte sich die Zeugin ebenfalls nicht erinnern, ihre Aussage erhielt zudem ganz neue Details. „Wir haben jetzt drei verschiedene Versionen der Geschichte gehört“, fasste der Richter die bisherige Beweisaufnahme zusammen. Weitere Zeugen sollen den Vorfall am kommenden Verhandlungstag aufklären.

  • Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

von Ina Tannert

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