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Zeuge des Evangeliums in dunkler Zeit

Volkstrauertag Zeuge des Evangeliums in dunkler Zeit

Landesbischof Dr. Martin Hein sprach über denCölber Pfarrer Bernhard Heppe, der sich gegen die Vereinnahmung der evangelischen Kirche durch die Nationalsozialisten engagierte.

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Auch Nachfahren und Verwandte Pfarrer Bernhard Heppes nahmen an der Gedenkfeier teil. Vorne Pfarrerin Annette Hestermann (von links), Bischof Martin Hein, Bürgermeister Volker Carle und Ortsvorsteherin Gisela Nagel-Rotarius.Fotos: Manfred Schubert

Cölbe. Mehr als 100 Menschen nahmen am Sonntag an der Gedenkfeier zum Volkstrauertag in der Friedhofshalle und der anschließenden Kranzniederlegung am Ehrenmal teil.

Im Mittelpunkt der Andacht stand eine ausführliche Darstellung des Lebens und Wirkens von Bernhard Heppe. Dieser war, woran eine ebenfalls am Sonntag vorgestellte Gedenktafel erinnert, von 1924 bis 1945 Pfarrer von Cölbe und Wehrda.

Vor allem jedoch war er auch 1933 Mitbegründer des „Bruderbundes Kurhessischer Pfarrer“ und 1934 der „Bekennenden Kirche Kurhessen-Waldeck“ (BK), deren Geschäftsführer er wurde.

Wie kaum ein Zweiter habe sich Heppe in diesen Bewegungen gegen Versuche der Gleichschaltung der Deutschen Evangelischen Kirche durch die Nationalsozialisten engagiert, unterstrich Hein. So habe Heppe die meisten der wöchentlichen Rundbriefe dieser Organisationen, deren zentrale Anlaufstelle das Marburger Philippshaus wurde, verfasst. Diese Rundbriefe, die es in allen Pfarrerbruderschaften gab, berichteten von staatlichen Willkürmaßnahmen, besonders auch von Verhaftungen oder Amtsenthebungen in Kurhessen.

Der Wert dieses reichsweiten Informationsnetzes sei angesichts der Zensur aller Zeitungen und des dem Reichspropagandaminister unterstehenden Hörfunks nicht zu unterschätzen, betonte Hein.

Trotz aller Vorsicht beim Versand erfuhr der Staat von den Rundbriefen und verbot sie Ende 1935. Heppe habe sich dadurch nicht entmutigen lassen und in den Folgejahren immer wieder Rundschreiben zu aktuellen Entwicklungen verfasst. Eine regelmäßige umfassende Unterrichtung der kurhessischen BK-Pfarrer war aber nicht mehr möglich.

Hein beleuchtete auch die theologischen Motive Heppes. Vor allem in den Anfangsjahren sei der „Kirchenkampf“ eine nach innen gerichtete Auseinandersetzung um das angemessene Verständnis der Kirche und die Freiheit der Verkündigung des Evangeliums gewesen.

Heppe trat vehement für eine „klare Lehrzucht“ der Kirche ein, um die „Gemeinden vor Verwirrung zu bewahren“. Ob Heppe bereits das vielfache Versagen der Kirche angesichts des nationalsozialistischen Unrechts vor Augen hatte, als er 1941 darüber schrieb, vermöge er nicht zu beurteilen, sagte Hein.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Heppe zum zweiten Mal eingezogen. Am 20. September 1945 starb er als Kriegsgefangener in Jugoslawien an Diphterie.

Ein Sohn und eine Tochter von Pfarrer Heppe, letztere aus Kanada angereist, sowie Enkel und weitere Verwandte nahmen an der Feier und der anschließenden Kranzniederlegung teil.

Bei dieser erläuterte Ortsvorsteherin Gisela Nagel-Rotarius die Bedeutung des Ehrenmals, der verschiedenen Gedenktafeln und des 1946 von Mitgliedern des Kirchenvorstands zur Erinnerung an Pfarrer Heppe gesetzten Findlingssteins.

Erwin Bittorf, Vorsitzender des Kyffhäuserbunds, erinnerte nicht nur an die Toten der Weltkriege, sondern in kritischen Worten an heute in Kriegseinsätzen stehende Soldaten.

von Manfred Schubert

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