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Wo die Seele den Frieden findet

Abangeln ASV Münchhausen Wo die Seele den Frieden findet

Auch wenn man mal drei Nächte lang nichts fängt, trübt das keineswegs den Spaß am Angeln. Die Ruhe in Verbindung mit dem Naturerlebnis tut einfach Körper und Seele wohl, finden die Hobbyfischer.

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Beim Abangeln an den Aspher Teichen genossen die Teilnehmer die ruhige Herbststimmung.

Quelle: Manfred Schubert

Niederasphe. Beschaulich ging es beim Abangeln des Angelsportvereins Münchhausen (ASV) zu. Etwa 25 Menschen waren zu den Aspher Teichen gekommen, darunter Familien mit Kindern, um das Fischen einmal auszuprobieren. Denn an diesem ruhigen Herbsttag war das auch für Nichtmitglieder und ohne die Fischerprüfung abgelegt zu haben, möglich.

Bei einigen Männern glitzerte es im Gesicht. Sie waren nicht mit der Karnevalsschminke ihrer Kinder in Berührung gekommen, sondern mit Köderteig. Knallrot, neongrün oder weiß ist die nach Fisch riechende zähe Paste mit glitzernden Partikeln gefärbt. Aber auch der modernen Hightech-Verlockung erlagen an diesem Tag Forellen und Saiblinge nur zögerlich.

Das gesellige Beisammensein steht im Vordergrund

„Fische sind launige Diven. Heute beißen sie ganz verhalten. Aber das macht nichts, der Hauptzweck des Abangelns ist das gesellige Beisammensein und die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch. Sonst sieht man sich meist bei Arbeitseinsätzen“, erklärte der stellvertretende ASV-Vorsitzende Wolfgang Sauerwald. Von Letzteren habe es dieses Jahr einige gegeben. Ein Teich wurde ausgebaggert, außerdem mussten einige überalterte Bäume, von denen Gefahr durch Windbruch drohte, gefällt werden.

Auch sonst stehe der Fangerfolg nicht so im Vordergrund für ihn, betonte Sauerwald, obwohl er Fisch liebe, solange er frisch sei: „Kein Fischfilet aus der Nordsee. Wenn 10.000 Fische an Deck eines Bootes liegen, dann dauert das, bis sie verarbeitet sind. Der Schleim auf dem Körper zersetzt sich am schnellsten, auch die Kiemen zerfallen sehr schnell. Das schmeckt dann so ‚fischig’, ganz anders als ein frischer Fisch.“ Seinen Fang lagere er immer in einem Plastikbeutel auf Eis in der Kühltasche.

Manchmal sitze er drei Nächte hintereinander, ohne dass ein Fisch anbeiße. Dennoch sei es ein tolles Erlebnis, beispielsweise in der Finsternis, wenn es kalt ist, auf Aale anzusitzen. Dabei ergeben sich auch Begegnungen mit tierischen Landbewohnern. „Einmal klingelte es, plötzlich standen zwei Dachse vier Meter vor mir, die hatten den Fisch gerochen“, berichtete er.

Tierische Besucher am See

Vorstandsmitglied Bernd Fourier bekam einmal am helllichten Tag Besuch: „Plötzlich stand ein Keiler am See, da habe ich mich in die Hütte verkrochen.“ Aber meist sind es kleinere, aber ebenfalls faszinierende Tiere, die man beim Warten am Gewässer sieht: Eisvögel, Wasserspitzmaus oder Wasseramseln beispielsweise.

An diesem kühlen Tag Ende Oktober sind überraschend auch noch einige farbenprächtige Großlibellen bei ihren Flügen über der Wasseroberfläche zu sehen. „Viele Menschen vergessen, wenn sie jung und stark sind, dass sie ein Teil der Natur sind. Man verletzt sich selbst, wenn man gegen die Natur handelt. Dort kann die Seele Frieden finden. Im Sommer fahre ich gerne mit dem Fahrrad aus Wetter hierher, um mich für zwei Stunden rauszusetzen“, sagte Sauerwald.

Seine Worte bestätigte Walter Müller aus Simtshausen mit seiner Geschichte. Er spielt im Verein Skat, dort gibt es auch Mitglieder des ASV, die ihn dazu ermunterten, es mit dem Angeln zu probieren. „Ich hatte gar keine Angelerfahrung. Anfang 2014 wurde ich Mitglied, im März dieses Jahres habe ich die Fischerprüfung abgelegt. Ich habe 30 Jahre in der Gastronomie gearbeitet, danach 15 Jahre selbständig in der Versicherungsbranche, immer unterwegs. Dann kamen zwei Rückenoperationen und ein Herzinfarkt. Nun freue ich mich, wenn ich rauskomme und komplett abschalten kann, was ich fange, ist dann nebensächlich“, erzählte der 54-Jährige.

Der Nachwuchs angelt mit

Für die jüngeren Angler ist es schon wichtiger, dass etwas anbeißt. Der ASV, der über 50 Mitglieder, darunter 20 Aktive, hat, konnte in diesem Jahr drei Jungen hinzugewinnen und hat nun fünf jugendliche Mitglieder.
Der Nachwuchs angelt mit

„Von neun bis elf Uhr habe ich drei Regenbogenforellen gefangen. Anfangs lief es nicht so gut, später besser“, freute sich der 13-jährige Maximilian Born, der ab Januar Mitglied wird und dann gleich am Vorbereitungslehrgang zur Ablegung der staatlichen Fischerprüfung teilnehmen will. Mit den drei Fischen hatte er das tägliche Fanglimit ausgeschöpft. Wer überlegt, es selbst mit dem Angeln zu versuchen, kann sich auf eine der Voraussetzungen, die Fischerprüfung, in einem Kurs vorbereiten, den der ASV im kommenden Jahr ausrichtet.

Ein Informationstermin dazu findet am Samstag, 21. November, um 15 Uhr im Vereinshaus, Talhäuserstraße 3 in Münchhausen statt. Der Kurs dauert bis März, Beginn ist voraussichtlich am Samstag, 9. Januar 2016. Die Schulungstermine sind jeweils Samstagnachmittags und Sonntagvormittags im Vereinshaus. Informationen zu der Fischerprüfung erteilen Helmut Roth, Telefon 06457/346, und Ulrich Schlidt, Telefon 06456/500.

 
Auch die Jungangler hatten Erfolg: Fynn Sauer (von links) mit einer Regenbogenforelle, Gewässerwart Sebastian Bunzeck, Beisitzer Bernd Fourier mit einem Saibling, Maximilian Born mit einer Regenbogenforelle und der stellvertretende ASV-Vorsitzende Wolfgang Sauerwald. Foto: Manfred Schubert
 

von Manfred Schubert

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