Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
„Wir wollen die Barrieren sprengen“

Juko, Lahntal und Biedenkopf „Wir wollen die Barrieren sprengen“

Um der von Nachwuchsmangel geplagten Vereinslandschaft neuen ­Aufschwung zu verleihen, dabei gleichzeitig den Anschluss von Einwanderern zu fördern, ruft die Juko Marburg das Projekt „Wir sind dabei“ ins Leben.

Voriger Artikel
Unfall auf der B252 mit drei Schwerverletzten
Nächster Artikel
Drei Schwerverletzte bei Unfall

Bürgermeister Manfred Apell (von links), Coach Thorsten Kubach, Juko-Geschäftsführerin Maria Flohrschütz, Michael Meinel vom Kulturverein „Kraft‘s Hof“, Claus Schäfer, Leiter des Kreis-Büros für Integration, Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow, Thomas Rößer, Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung in Biedenkopf, Coach Michael Schwesinger und Ernst Boltner vom Elisabethverein Marburg stellten das Projekt vor.

Quelle: Ina Tannert

Sterzhausen. Mit einer vermehrten Integrationsarbeit in Biedenkopf und Lahntal wollen die Projektbeteiligten Bürger mit Migrationshintergrund intensiver mit einbeziehen und damit gleichermaßen das Ehrenamt stärken.

Demnach sollen bislang nicht beteiligte Bewohner animiert werden, die Lücken innerhalb der verschiedenen Vereine zu füllen, sich zu engagieren und ein gemeinsames Miteinander zu schaffen. Am Dienstag gab die Juko Marburg als sozialer Träger den offiziellen Startschuss für das seit Juli laufende Modellprojekt „Wir sind dabei“. Das Akronym „Dabei“ steht für „direkte Wege, aktives Miteinander, belebte Orte und Integration“. Die Praxisphase beginnt im Sterzhäuser Generationentreff „Kraft‘s Hof“. Im Fokus der Idee steht die verstärkte Integration von Einwanderern und eine flexiblere Gestaltung des Gemeinwesens von einheimischer und zugewanderte Bevölkerung.

„Es profitieren alle davon - wir wollen die Chancen von demografischem Wandel und Integration vereinen“, erklärt Juko-Geschäftsführerin Maria Flohrschütz. Orientierung für einen nachhaltigen Ausbau der Dorfgemeinschaften sollen die zwei „Dabei-Coaches“ Thorsten Kubach und Michael Schwesinger geben. Die Berater fungieren als eine Art Vermittlungsstation zwischen Vereinen und Einwanderern, sollen den jeweiligen Bedarf vor Ort ermitteln, Ideen geben und potenzielle neue Mitglieder werben.

Nur jeder zehnte Mitbürger mit Migrationshintergrund mutzt die Angebote eines Sportvereins

„Wir wollen Netzwerke schaffen, Gesprächsbereitschaft fördern und Barrieren sprengen“, sagt Kubach. Statistisch betrachtet nutze nur jeder zehnte Mitbürger mit Migrationshintergrund die Angebote eines Sportvereins, dieses Potenzial gelte es zu erreichen.

Als Zielgruppe setzen die Coaches auf Einwanderer, die neu oder bereits seit längerer Zeit in der Region leben sowie auf Flüchtlinge mit Bleibeperspektive. In wöchentlichen Sprechstunden, regelmäßigen Workshops, Diskussionsrunden oder per Postwurfsendung in verschiedenen Sprachen sollen Menschen, die sich engagieren möchten, informiert und motiviert werden, eigene Projekte oder Maßnahmen umzusetzen. „Eine Hilfe zur Selbsthilfe“, erklärt Schwesinger. In Zukunft sind zudem regelmäßige Dorftreffen, gemeinsame Kochkurse und andere Veranstaltungen geplant.

„Altenhilfearbeit muss sich ändern, so darf es nicht weiter gehen“

Von der Aktion und einem möglichen Mitgliederzuwachs profitieren sollen neben großen Organisationen wie Feuerwehr und Sportvereinen gleichfalls kleinere Zusammenschlüsse und soziale Einrichtungen wie die Altenhilfe. „Altenhilfearbeit muss sich ändern, so darf es nicht weiter gehen“, betonte Ernst Boltner, Leiter der Altenhilfe des Elisabethvereins Marburg. Um etwa eine Betreuung vor Ort zu gewährleisten gelte es, kleinräumigere Angebote und vorstationäre Hilfen auszubauen. „Das geht nur mit ehrenamtlicher Hilfe, auch von ausländischen Mitbürgern“, so Boltner.

Träger des Modellprojekts ist die Juko Marburg in Kooperation mit dem Landkreis Marburg-Biedenkopf der Stadt Biedenkopf und der Gemeinde Lahntal. Die Maßnahme sei „eine gute Ergänzung“, um neue und alte Bewohner einander näherzubringen, lobt Manfred Apell, Bürgermeister von Lahntal. Das Thema Integration sei in der Vergangenheit zu kurz gekommen, „nun wollen wir einen neuen Weg beschreiten, der viele weitere Möglichkeiten öffnet“, erläutert Apell.

Hintergrund
Finanziert wird das Projekt „Wir sind dabei“ durch Mittel aus dem „Wir“-Programm des hessischen Ministeriums für Soziales und Integration sowie der interkommunalen Zusammenarbeit des Landes. Je zur Hälfte fördern die Ämter das Projekt mit insgesamt 60000 Euro pro Jahr, mit verschiedenen Laufzeiten. Bis zum Jahr 2019 stehen 200000 Euro zur Verfügung. Die beiden Coaches werden mit je 14 Stunden pro Woche und Region finanziert. „Wir bauen hier ein Stück Miteinanderkultur, die hoffentlich über die Grenzen von Biedenkopf und Lahntal hinaus geht“, betont der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow. Zum Projektstart sind zwei Informationsveranstaltungen geplant, um erste Ideen und Schwerpunkte zu ermitteln. Am 13. Oktober findet ein Netzwerktreff in Biedenkopf statt. Im Verlauf des Oktobers soll auch im Lahntal ein Workshop zum Thema „Interkulturelle Öffnung, Integration und demografischer Wandel – Unsere Chancen nutzen“ stattfinden. Der Termin steht noch nicht fest.

Beratung rund um das Projekt bietet die Juko unter Telefon 06421/9997419.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr