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„Wir treffen uns in der Barde“

Erinnerung an alte Flurnamen „Wir treffen uns in der Barde“

Die Grenzen von Oberrosphe sind sehr weit­läufig, erstrecken sich vom Cölber Eck bis an die Kreisgrenze zum Landkreis Waldeck-Frankenberg. Direkte Nachbarn sind beispielsweise Rosenthal und Roda.

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Karl-Heinz Metz (von links), Heinrich Henseling, Hans Bertram und Reinhold Pieh haben das erste Schild aufgestellt. In der Werkstatt des Museumshofs warten weitere 69 auf ihren Bestimmungsort.

Quelle: Götz Schaub

Oberrosphe. Wenn die Oberrospher ihre Grenzen ablaufen wollen, sollten sie ordentlich Proviant mitnehmen, es könnte nämlich länger dauern. Oberrosphe verfügt über ein Gebiet von rund 1800 Hektar. Das meiste davon sind Wiesen, Felder und natürlich Wälder. Und die tragen zusammen knapp 190 eigenständige Namen. „In unmittelbarer Nähe­ der Wohnbebauung sind die Flächen merklich kleinteiliger“, sagt Hans Bertram vom Heimat- und Verschönerungsverein. Früher haben die Menschen im Ort noch genau gewusst, wie diese Grundstücke bezeichnet wurden. Heute gibt es nur noch ­wenige, die das Namenspuzzle noch lösen können.

„Mit diesem Nichtwissen geht schon ein Stück Dorfkultur verloren“, sagt Bertram. Deshalb ging der Verein einen ungewöhnlichen Weg. Er kam nicht dem vereinzelt laut gewordenen Wunsch nach, Schilder für alte Hausnamen anzufertigen, er ließ nicht weniger als 70 robuste Schilder an Metalpflöcken anfertigen, die jetzt überall rund um Oberrosphe in die Erde gerammt werden und Auskunft über die klassischen Bezeichnungen geben sollen. Das Geld dafür stammt aus der Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf“. Nun werden vornehmlich Heinrich Henseling, Reinhold Pieh und Karl-Heinz Metz demnächst einem neuen Hobby nachgehen und die Schilder verteilen.

Auf Schnitzeljagd in Feld und Flur

Und dann werden die Oberrospher bald wieder genau wissen, wo sie spazieren gehen, wo sie Felder bestellen, wo sie etwas lagern, wo sie jemanden zu suchen haben, sollte sich mal wieder jemand verlaufen. Und die nächsten Kindergeburtstage können sicher mit einer erlebnisreichen Schnitzeljagd nach Flurnamen ausgefüllt werden. Die Vereinsmitglieder sind überzeugt, das Geld aus dem Wettbewerb richtig zu verwenden. Denn als Heimatverein sollte man auch die Vergangenheit im Blick behalten und nicht nur Heimatpflege betreiben, sondern auch Heimatkunde. Und die Namen auf den Schildern geben Ahnungslosen viel Raum zur Interpretation. Was könnte wohl „Im Stuntz“ heißen? Oder „Auf dem Baulersch“. Oder: „An der Rippelsgemeinde“? Oder: „In der Barde“? Oder: „Auf der Gretehaut“?

Das Flurstück 17 hat jetzt als erstes wieder seinen Namen zurückerhalten. Das Gelände liegt unweit des Alten Forsthofes, der als Museumshof dient und wurde und wird vielleicht von dem einen oder anderen Oberrospher noch immer „Brachter Wiesen“ genannt.

So und jetzt aufgepasst! Wenn ein Mann auf dem Flurstück „In der Barde“ steht, kann er dann einen anderen Menschen auf dem Flurstück „Hegehecke“ sehen? Kann er vielleicht mit ihm kommunizieren durch lautes Rufen? Gott bewahre, der Schreiber dieses Artikels hat leider gar keine Ahnung, wo die beiden Flurstücke liegen, will aber mit diesem Beispiel nur eine Anregung geben, dass die Schilder, wenn sie denn mal alle stehen, Anlass für mehr als nur ein spaßiges Geländespiel sein können. Und so könnten die einen oder anderen Vertreter der jüngeren Generation wieder wissen, wo ihre Urgroßväter Holz gemacht oder ihre Äcker bestellt haben. Wer weiß, vielleicht besorgt ja mal ein Oberrospher ein Fass Bier und lädt alle auf ein Freibier in der Barde ein. Wer dann weiß, wo er hinzugehen hat, ist wohl klar im Vorteil. Also, spielerisch wie auch gesellig kann man sich den Schildern gerne nähern, aber bitte nicht mit dem Gedanken, sie wieder zu entfernen, denn dann wäre eine wirklich schöne Idee zum Scheitern verurteilt. Schlussendlich können die Schilder auch den zahlreichen Wanderern in der Gegend Freude machen, ist sich Bertram sicher.

von Götz Schaub

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