Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Windkraft: Standortlotterie am Galgenberg

Mellnau Windkraft: Standortlotterie am Galgenberg

Kommen die Windräder oder nicht? Und wenn ja, wie viele und wo? Das fragen sich derzeit nicht nur die Mellnauer, wenn es um die Windvorrangfläche zwischen dem Burgdorf und Todenhausen geht.

Voriger Artikel
Vereinshaus kommt auf den Prüfstand
Nächster Artikel
Wanderer sind auch gute Sänger

In Mellnau hoffen die Bürger weiterhin darauf, dass ihnen keine Windräder vor die Nase gesetzt werden. Foto: Michael Agricola

Mellnau. Seit Jahren plant der Rostocker Windkraftentwickler Eno Energy dort einen Windpark mit bis zu sieben Anlagen. Das Problem: Die Windräder stünden direkt in der Sichtachse zur Burg Mellnau und damit mitten im Blickfeld vieler Bürger. Kein Wunder, dass sich dort bei Bekanntwerden der Pläne sogleich eine Bürgerinitiative gegründet hatte, die diesen Windpark verhindern will.

Die Stadt Wetter hat ihrerseits die Bauplanung auf diesem Areal an sich gezogen, um mitbestimmen zu können, wo gegebenenfalls Windräder stehen dürfen. Einen Entwurf für den vom Stadtparlament zu verabschiedenden Bebauungsplan stellte der Magistrat in dieser Woche im Bauausschuss vor.

Zwei Standorte sind raus

Eno Energy hat in seinem laufenden Antragsverfahren bereits eine erste Niederlage einstecken müssen. Zwei der beantragten sieben Standorte wurden vom Regierungspräsidium (RP) Gießen bestandskräftig abgelehnt, sie sind also endgültig raus aus den genehmigungsfähigen Planungen. Der Grund: Denkmalschutz. Die Bedeutung der ungehinderten Blickverbindung zur historischen Burg und dem Ensembledorf Mellnau wird höher eingeschätzt als das wirtschaftliche Interesse des Unternehmens. Einer dieser Standorte ist offenbar auch zu nah an Todenhausen geplant, sodass er aus diesem Grund nicht genehmigungsfähig wäre.

Für die übrigen fünf geplanten Standorte hat das RP das gleiche Argument vorgebracht. Diese Verfahren laufen allerdings noch, in der Anhörung kann der Investor Stellung nehmen und versuchen, die Argumente zu entkräften. Dazu hat das Unternehmen laut RP-Sprecherin Ina Velte eine Verlängerung der Anhörungsfrist bis Mitte April beantragt, was von der Behörde auch zugestanden wurde. Auch eine Klage gegen einen anschließenden ablehnenden Bescheid des RP wäre noch denkbar. Zu diesem Mittel griff Eno bei den bereits abgelehnten beiden Standorten nicht.Das könnte bei den verbleibenden Windkraftstandorten anders aussehen, auch wenn sich Eno nicht in die Karten schauen lassen will.

Eno zweifelt Begründung an

Pressesprecher Andreas Jessel: „Bezüglich der Frage ,Klage oder nicht Klage‘ können und werden wir nicht in der Öffentlichkeit spekulieren. Eine Entscheidung dazu wird in unserem Hause erst getroffen werden, wenn tatsächlich eine Ablehnung vorliegt und die Sachlage nochmals juristisch geprüft worden ist.“

Die Bürgerinitiative Windkraft Wetter geht davon aus, dass eine Eno-Klage „sehr wahrscheinlich“ ist, weil Eno „Fachanwälte eingeschaltet“ habe, „die die Argumente des Denkmalschutzes entkräften sollen“. Das wiederum bezeichnet Jessel als Interpretation der BI: „Generell wundern wir uns darüber, woher die BI so genau über unsere Haltung Auskunft geben kann, da zwischen der Eno Energy GmbH und der Bürgerinitiative Windkraft Wetter kein Informationsaustausch besteht.“

Die Firma stellt die Ablehnungsgründe allerdings in Frage: Das Landesamt für Denkmalpflege habe weder dem Regierungspräsidium als Genehmigungsbehörde noch Eno „trotz mehrfacher Nachfrage konkret Auskunft geben“ können, worin die Beeinträchtigungen genau bestehen, so Jessel.

Die Pläne von Eno sind aber in diesem Zusammenhang nur ein Teil der Geschichte. Und das macht eine Prognose auch schwierig, ob nun am Ende drei, fünf, sechs oder gar kein Windrad zwischen Mellnau und Todenhausen stehen werden.

Das Gebiet von Sonnabends­kopf und Galgenberg befindet sich nach OP-Informationen auch im neuen Entwurf zum Teilregionalplan Energie wieder als Vorrangfläche drin, obgleich die Stadt seit Jahren ebenfalls unter anderem mit der Argumentation des Denkmalschutzes versucht hatte, die Fläche wieder aus dem Plan herauszubekommen.

Planungshoheit bei der Stadt

Solange dieser Regionalplan aber nicht beschlossen ist - die zweite Offenlage verschiebt sich erneut, jetzt auf die Zeit nach den Sommerferien, in diesem Jahr kann also nicht mehr mit einem Beschluss gerechnet werden - wird über Windparks auf Antrag im Einzelfall vom Regierungspräsidium entschieden.

Wenn die Stadt Wetter in einem gültigen Bebauungsplan jedoch die geeigneten Standorte festlegt, kann später auch nur dort gebaut werden, auch wenn Eno jetzt andere Standorte beantragt hat.

Im Entwurf, der im Bauausschuss des Stadtparlaments vorgestellt wurde, sind sechs Standorte eingezeichnet, drei davon auf privatem, drei auf städtischem Grund. Eno plant derzeit ausschließlich auf privaten Grundstücken. Verschiebungen und Veränderungen an dem Planentwurf sind denkbar, auch zum Beispiel, vier Standorte auf städtischem Grund und nur zwei auf privatem Land vorzusehen. Dies hatte Andreas Ditze von der BI Windkraft bei der Sitzung ins Spiel gebracht.

Entwurf wird diskutiert

Die BI ist zwar auch weiterhin gegen die Errichtung von Windrädern dort, sollte man sie aber nicht verhindern können, dann sollte die Kommune wenigstens größtmögliche Einflussmöglichkeiten auf die Ausgestaltung haben - und auch finanziell davon profitieren. Entsprechende Forderungen hat die BI schon auf ihrer Homepage formuliert (www.bi-windkraft-wetter.de).

Vor allem wäre die Stadt aber nicht gezwungen, eigene Flächen an Eno zu vergeben, sondern könnte sie mit den Stadtwerken Wetter als Betreiber auch selbst bebauen oder sich diese Möglichkeit für einen späteren Zeitpunkt offenlassen. Dann wäre für Eno auch bei einer Genehmigung durch das RP nur ein Teil des Projektes - bis zu drei Windräder - umsetzbar, wenn sie eine Einigung mit den privaten Grundstückseigentümern hätten.

Ob ein Windparkprojekt bei Mellnau am Ende wirtschaftlich wäre, steht auch noch auf einem anderen Papier. Die Prognosen geben eine ausreichende Windgeschwindigkeit her, allerdings hat die Stadt Wetter eine eigene Windmessung in Auftrag gegeben. Deren Ergebnisse lagen zur Ausschusssitzung allerdings noch nicht vor.

von Michael Agricola

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nordkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr